Neue Zürcher Zeitung
Jüdinnen im Widerstand
lx. Die 1952 geborene Autorin und Dokumentarfilmerin Ingrid Strobl sie hat zum Thema «Rhetorik im Dritten Reich» promoviert hat sich einen Namen durch ihre Beiträge über die Beteiligung jüdischer Frauen am antifaschistischen Widerstand gemacht. Die neueste Publikation Ingrid Strobls widmet sich noch einmal den Formen des weiblichen Widerstands. Die Tatsache nämlich, dass in den als «passiver Widerstand» definierten Domänen vornehmlich Frauen aktiv waren, habe dazu geführt, dass gerade diese «unmilitärischen», persönlichen Formen von Widerstand nach dem Krieg wenig bis gar nicht gewürdigt worden seien. «Widerstand» werde immer dann schnell und gerne als solcher erkannt, wenn von heroischen Aufständen und bewaffneten Aktionen zu berichten sei. Anhand exemplarischer Lebensläufe von Jüdinnen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Ungarn und Polen rekonstruiert Ingrid Strobl die Formen und Inhalte dieses vermeintlich «passiven» Widerstands; ein Widerstand, der die Herstellung falscher Papiere, Waffen- und Informationstransport, die Rettung jüdischer Kinder, aber auch die «Liquidierung» von Gestapospitzeln enthält. Recherchen in Archiven und Gespräche mit Überlebenden zeigen, dass sich der Widerstand der Jüdinnen in den deutsch besetzten Ländern Westeuropas in allen Bereichen auch bei der Bewaffnung zeigte, dass aber die «klassische Domäne» des weiblichen Widerstands im Nachrichten- und Verbindungsdienst und bei der Rettung von Kindern zu finden war.
Kurzbeschreibung
Von der Rettung jüdischer Kinder bis zur »Liquidierung« von Gestapospitzeln, von der Herstellung falscher Papiere bis zum Transport von Waffen und Informationen: Von Frankreich bis Polen engagierten sich jüdische Frauen aktiv im Widerstand gegen die deutsche Besatzung und »Endlösung«.
In einer vergleichenden Studie untersucht Ingrid Strobl erstmals die Beteiligung jüdischer Frauen am Widerstand im von den Deutschen besetzten Europa. Anhand von Archivmaterial, Briefen und Tagebüchern und der knapp sechzig ausführlichen Interviews, die sie mit ehemaligen jüdischen Widerstandskämpferinnen aus ganz Europa geführt hat, erhellt sie ein bislang verborgenes Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der Shoa.