Der Mann an sich ist schwach. Sein ganzes Denken, Handeln und Sein ist allein darauf ausgerichtet, die Frau zu beherrschen, um seine Ängste vor ihr zu verschleiern. Damit muß Schluß sein. Das ist die Kernaussage dieses Buches, das nun seit einigen Jahren endlich auf dem Markt ist und uns Männer entlarvt. Die geschilderten Männerängste gibt es, und es gibt sie häufig. Kein Mann, der vor sich selbst wirklich ehrlich ist, könnte das leugnen. An der Stelle, wo die Angst in Aggressionen oder Maßnahmen zur Unterdrückung der Frauen umschlägt, hört die Welt des Autors allerdings auf. Männer, die anders sind, die bereits vor ihm begriffen haben, daß es so nicht geht, existieren innerhalb seines Horizontes allenfalls in der Rolle der Psychologen, die er zitiert, tauchen ansonsten in seiner Abhandlung aber nicht auf (wahrscheinlich auch nie auf seiner Couch). Von diesem Typus träumt er nur. Bei seinen Patienten beobachtete und im Buch geschilderte Ansätze, die solche Veränderungen aus diesem tradierten Rollenverhalten kennzeichnen könnten, werden als taktische Manöver des Mannes mit dem Ziel abgetan, die Frau auch weiterhin zu unterdrücken, indem sein wahres Gesicht durch scheinbare Veränderungen auch in Zunkunft verschleiert wird.
Schuld an allem ist die Erziehung. Der Mann soll sich ändern, soll sich aus seinem anerzogenen Rollendenken selbst befreien, ein Weg, dessen Gangbarkeit im Gesamtzusammenhang implizit als letztlich unmöglich ausgeschlossen wird. Hier mag der Grund liegen, warum überhaupt nur wenige allgemeine, jedoch keinerlei konkreten Hinweise für den Weg aus der Misere zu finden sind. Dagegen wird deutlich vermittelt, daß ein Mann, mag er auch ernsthaft aus diesem Denken herauswollen, kein Verständnis verdient hat. Die Möglichkeit, daß es Frauen gibt, die in der nach Vorstellung des Autors notwendigen Entmachtung der Männer vor allem deren Demoralisierung sehen könnten, wird - wenn auch äußerst dürftig - immerhin erwähnt. Dabei bleibt es aber auch. Daß gerade durch solche Erfahrungen erste Keime für ein neues zukunftsweisendes Miteinander zwischen Mann und Frau sofort ausgelöscht werden und die Fronten um so mehr verhärten, wird völlig übersehen. Mager ist zudem der einzige lapidare Hinweis, daß die Frau die Änderung des Mannes zum Posititven auch annehmen und sein verändertes Wesen einschließlich der damit verbundenen Folgen auf anderen Gebieten akzeptieren muß. Das Wunschbild des Mannes von der Frau, Heilige und Hure gleichzeitig zu sein, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Daß Frauen ihrerseits heute durchaus den Wunsch nach einem Mann haben, der harter Held und Softie in einem ist, was die gleichen Widersprüche und Zerrbilder mit all ihren Problemen in die andere Blickrichtung projiziert, wird wohlweislich unterschlagen. Ohnehin fragte ich mich beim Lesen die ganze Zeit, was der Autor eigentlich für einen Mannestypen will. Am Ende seines Buches fand ich die von mir mit Spannung erwartete Anwort: Er weiß es selbst nicht so genau. Fast könnte man meinen, er suche die vielzitierte eierlegende Wollmilchsau.
Der Autor verdammt zu Recht die Gewalt im Geschlechterkampf, setzt als Ersatz die psychologische Kriegführung ein und liefert einer in dieser Richtung ambitionierten Leserin (es sind zum Glück nicht alle starken Frauen so) ein ganzes Arsenal an Waffen. Das kann man gut finden oder nicht. Letztlich bleibt Krieg aber Krieg, mit all seinen physischen und psychischen Langzeitfolgen für die daran Beteiligten. Der Wortschatz des Autors kennt den Begriff Krieg allerdings nicht. Er spricht dagegen von einer Entwicklung und der Verdrängung aus angestammten Positionen, die an seinen Geschlechtsgenossen auf dem Weg zur Erfüllung eines uralten Menschheitstraumes, der Selbsterlösung von allem irdischen Leiden, anscheinend ohne Rücksicht auf Verluste vollzogen werden muß. Auch das ist nicht neu. Schon Seneca sagte wenige Jahre nach der Zeitenwende: Per aspera ad astra.
Dem Namen nach ist der Autor selbst ein Mann. Er ist zudem Psychologe und verfügt (1992) über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung, alles Umstände, die - oberflächlich betrachtet - seine Aussagen bis ins Detail fundiert erscheinen lassen. Und gerade das macht die Frage nach seiner eigenen Position in diesem Problemfeld interessant. Die Antwort bleibt er den Leserinnen und Lesern jedoch schuldig. Er gehört offenbar als einziger nicht dazu. Es sind die anderen: Seine Patienten, seine Freunde, seine Bekannten, Menschen, die ihn konsultierten, nur nicht er selbst. Seine "Auswege" am Schluß des Buches (sie machen am Gesamtumfang schlappe zwei Prozent aus, der Rest ist Anklage oder - akademisch ausgedrückt - Fehleranalyse) schließen mit den Worten: "Der Weg dorthin ist weit." Die Erleichterung in diesem Satz kann man förmlich fühlen. Der Autor selbst muß sich zu seinen Lebzeiten nicht mehr ändern. Das ist genau die Art Männlichkeit, die das Buch von vorne bis hinten berechtigtermaßen geißelt.