Das 207-Seiten umfassende Buch von Gao Xingjian: "Die Angel meines Großvaters" (Erzählungen) beinhaltet insgesamt 11 Kurzgeschichten - die kleinste davon (Der Krampf) dauert 8 Seiten, die längste (In diesem Augenblick) 34 Seiten.
Die erste Geschichte "Freund", die zum größten Teil aus einem Dialog besteht, habe ich schon sehr zweifelnd durchgelesen. Sie beschreibt ein seltsames Treffen mit dem Protagonisten und einem alten Bekannten, der scheinbar bereits erschossen wurde. Nein, Sie haben sich nicht verlesen, klingt ja auch zunächst ganz interessant - ein Gespräch mit einem toten Freund (!)
Ob aber der Erschossene ihm irgendwie im Traum erscheint, oder ob er sich das Gespräch nur vorstellt, bleibt unbekannt. Am Ende der Geschichte kam es mir jedenfalls vor, wie als hätte der Autor selbst einfach vergessen, darauf noch hinzuweisen. Denn die ganze Geschichte ergibt auch sonst keinen besonderen Sinn. Zwar erfährt man hier und da einige interessante Dinge betreffend den "Zuständen" in China ( Folterung, Verfolgung, Staatskontrolle), die Geschichte selbst wirkt allerdings im Ganzen sehr unbeholfen und etwas zu planlos für meinen Geschmack, irgendeine Aussage, sei es auch nur eine "gefühlte Aussage" fehlt mir schlichtweg.
Diese erste Erzählung klingt nach zusammengestückelten Tagebuchnotizen, mehr oder weniger planlos hingeklatscht.
Darüber hinaus mit wenig Sinngehalt, eher vom Zufall als vom Autor arrangiert und zudem mangelhaft, oder gar nicht überarbeitet.
Ist dies Absicht des Autors ? - wohl eher nicht. Über 90 Prozent der Geschichte sind Dialoge, die mich auch in keinster Weise emotional berührt haben.
Nun gut, denke ich als Leser, die zweite Erzählung wird schon besser sein:
"Krampf":
Hier wird beschrieben, wie der Protagonist beim Schwimmen einen Bauchkrampf bekommt und noch ca. 1 km vom Ufer entfernt ist.
Das ganze dauert gerade mal 8 Seiten, länger hätte ich dieses "Blitz-Szenario" auch nicht ausgehalten. "Der Krampf" ist leider ebenso völlig unspannend ( ein Sturm kommt auf ) und mehr als todlangweilig...
(ich komme mir irgendwie vor, wie wenn ich eben eine Szene aus einem Biene Maja - Zeichentrickfilm angeschaut habe...)
Trotzdem habe ich das Gefühl, der Autor hat noch einen Trumpf im Ärmel.
Leider bestätigt sich aber auch später meine Zuversicht nicht, denn auch beim "Unfall" oder in "Der Tempel" werde das Gefühl nicht mehr los, dass dieses Buch eine Mogelpackung ist.
Als dann bei "Mutter" (Geschichte Nr.7) der Autor mich auch noch über seine toto Mutter regelrecht volljammert, sprich: sich immer wieder ( eigentlich ständig) nur selbst bemitleidet, frage ich mich wirklich: Was will uns der Autor damit sagen ?????
Außer, dass er ein schlechtes Gewissen hat ?
(Zitate:"ich war Dir ein schlechter, undankbarer Sohn...", "...in seinem Herzen ist kein Platz für irgendeinen anderen Gedanken, er ist ein nüchterner, egoistischer Mensch..." , usw..usw...
Entweder verstehe ich die Denkweise dieses Autors überhaupt nicht oder das Buch ist einfach sinnfrei wie eine Angel in der Wüste... lange rede, kurzer Sinn - hier gleich zu meinem Fazit:
Fazit:
Bei diesem Buch habe ich fast alles vermisst, was ein gutes Kurzgeschichten-Buch für mich ausmacht: Interessante Themen, professionelle Erzählweise, Spannung, Emotionen, halt einfach Kurzgeschichten, die mich irgendwie berühren, eines davon hätte ja schon genügt - aber alles vergeblich und deshalb:
Empfehlen kann ich das Buch nicht.
Mehr als 2 Sterne für die krampfhaften Bemühungen für GAO Xingjian wären unfair anderen Autoren gegenüber.
(Zum Beispiel kann ich aus chinesischer Literatur empfehlen: Haruki Marukami
Naokos Lächeln: Nur eine Liebesgeschichte - Roman, ein Autor, der zwar auch seltsam und für Asiaten typisch geheimnisvoll schreiben will, dies aber auch wirklich kann !)
Somit klappe ich das zu 3/4 gelesene Buch zu und schmeiss es in 10 Sekunden (nach dieser Rezension) weg, ist nur schade ums Papier und den schönen Umschlag.
Danke für die Aufmerksamkeit - freue mich auf Kommentare aller Art !