Trudi Montag wird im ersten Weltkrieg in einem kleinen deutschen Dorf geboren. Trudi ist anders, sie hat einen Wachstumsfehler und ist kleiner als all ihre Altersgenossen. Durch ihr Anderssein ist sie die perfekte Beobachterin und handelt in der Leihbücherei ihres Vaters nicht nur mit Büchern, sondern auch mit den Geschichten und Geheimnissen der Dorfbewohner. Sie erlebt die Macht des Andersseins, aber auch die Qual des Andersseins.
Das Dorf und seine Bewohner weisen alle üblichen Eigenschaften einer ländlichen Gemeinde auf: Liebe, Hass, Missgunst, Neid, Groszügigkeit, Hilfsbereitschaft, Denunziantentum, Kleinbürgertum, Großmut, Feigheit, Mitläufertum, Anführer, Gewalt, Nächstenliebe und Klatsch.
All diese Eigenschaften werden durch das dritte Reich extrem verschärft. Die besten und die schlimmsten Seiten der Menschen werden in dieser Zeit offenbart. Es macht Spaß, über die Schicksale und Schicksalsschläge der Dorfbewohner zu lesen, mit ihnen zu bangen, zu trauern und wütend zu sein. Allen voran natürlich die Protagonistin, die immer ein Außenseiter in der Dorfgemeinde ist und doch dazugehört.
Die einzigen Mankos des Buches sind der (obwohl ich einen langsamen Handlungsaufbau mag) etwas zu lang geratene Anfang über Trudis Kindheit, welcher natürlich wichtig für das Verständnis von Trudi ist, aber seine längen aufweist; und die teilweise etwas harten Handlungs- und Zeitsprünge. Durch diese fällt vor allem die Zuordnung der Personen an manchen Stellen etwas schwer.
Dennoch ist das Buch sehr unterhaltsam und spannend. Die Wandlung des Dorfes und seiner Bewohner während der Nazizeit ist grausam und schockierend; der Wandel nach dem Krieg ernüchternd und auf eine andere Weise schockierend.
Das Buch ist jedem zu empfehlen, der Dorfgeschichten mag und/oder Interesse am Wandel der deutschen Bevölkerung im Naziregime interessiert ist.