Susanne Heinrich beschreibt eine Geschichte aus einer Welt, die zu meiner Jugendzeit "jeunesse dorée" hieß, junge Leute deren Sorgen sich um ihr eigenes Ich drehen, da so banale Dinge wie arbeiten und Geldverdienen müssen zu diesen Sorgen nicht gehört. Man studiert so ein bisschen vor sich hin, weil Bildung auch immer "in" oder heute würde man sagen "hip" ist, ohne das aber in Stress ausarten zu lassen, feiert wilde Partys, natürlich mit allem was so an Bausteinen aus dem Chemieunterricht dazugehört und auch die biologische Betätigung kommt sicher nicht zu kurz, wenn sie in diesem Roman auch keine vordergründige Rolle spielt.
Der Roman beschreibt das Scheitern einer Suche nach Sinn, nach Liebe. Die Hauptprotagonisten sind dabei Luna, die Suchende, die abgrundtief sehnsuchtsvoll Liebende und Marion, die Ich- Erzählerin. Marion versucht distanzierte Beobachterin abseits des Geschehens zu bleiben, emotionsfrei zu sehen und zu berichten und bemerkt spät, letztlich zu spät, das ihr das nicht gelingt. Ihre bloße Anwesenheit ist kein Zufall, die Tatsache, dass sie beobachtet wirkt auf das Geschehen ein, sie wird, ob sie will oder nicht Teil des Ganzen und damit mitverantwortlich für das was geschieht. Dabei hat sie eigentlich genug eigene Probleme mit ihrer gerade gescheiterten Beziehung, an die sie ebenso große Erwartungen gesetzt hatte, wie Luna dies tut und an deren gelebter Realität sie gescheitert ist, sehr zur Verzweiflung ihres Partners, der sich in dieser Liebe, dieser Art von Beziehung eingerichtet hatte und wohlfühlte, während Marion die Routine, das längere Beieinandersein nicht als erträglich empfindet. Aus dieser Situation heraus verehrt, ja vergöttert sie geradezu Luna, die Absolute, für die alles entweder ätzende Langeweile oder glorreiche Erfüllung darstellt, die das Leben als ständiges Wechselbad der Gefühle wahrnimmt und gestaltet während Marion ihr Leben als gleichförmig, geordnet und eintönig empfindet. Luna, die seltsam distanzierte Freundin bewundert an Marion diese Ordnung , die sie angeblich verachtet. Luna geht an ihrer Liebe zu Viktor auf und letzlich zu Grunde. Die Freundschaft zwischen den Frauen kann die Lücke und Leere nicht schliessen. Marion hingegen stellt die Ordnung wieder her in sich und in ihrem Leben- und damit ist auch in Ihr ein Scheitern.