Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Die Andere.
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Die Andere. [Taschenbuch]

Emmanuèle Bernheim
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Verdeckte Obsessionen

Emmanuèle Bernheims Minimalroman «Die Andere»

Die vierzigjährige Französin Emmanuèle Bernheim versteht sich seit je auf die Kunst des schnörkellosen, minimalistischen Kurzromans; auf deutsch liegt nun ein dritter, gerade 100seitiger und dabei noch sehr grosszügig gestalteter Text vor. Das Buch erhielt 1993 den Prix Médicis und war ein grosser Publikumserfolg.

Die relative Originalität von Emmanuèle Bernheims Schreibweise und des vorliegenden Romans im besonderen speist sich aus dem Umstand, dass es der Autorin gelingt, der hier aufgewärmten Trivialität von Liebesbereitschaft und Liebesbeziehung eine interessante, nun vor allem neurotische und latent selbstkritische Note beizumischen. Dies unterscheidet sie etwa von ihrer Landsmännin Annie Ernaux, deren Kurzromane in Inhalt und Stil freilich ähnlich strukturiert sind.

In Bernheims «Die Andere» stösst der Leser auf die dreissigjährige Ärztin und Junggesellin Claire, die den Bauunternehmer Thomas Kovacs kennenlernt, als er ihre zuvor von Unbekannten gestohlene und ausgeraubte Handtasche zurückbringt; er ist der ehrliche Finder, mehr nicht. Zwischen den beiden beginnt alsbald eine Affäre, obwohl der sich zwar notorisch ungesund ernährende, aber moralisch noch bedingt integre Kovacs Claire zuvor warnt, dass er eine Frau und zwei Kinder habe und nicht daran denke, sich von ihnen zu trennen.

Claire, ein offensichtlich vereinsamtes Wesen, dessen Dechiffrierung von Bezugssystemen nur noch im Minimalbereich des eigenen Glücks funktioniert, verliebt sich Hals über Kopf in Kovacs, sammelt manisch alles, was er hinterlässt, von seinen ungebrauchten Zuckerstückchen bis hin zu den ungezählten leeren Präservativhüllen oder einem Cocktailquirl, den er kurze Zeit in den Fingern hatte; all diese Spuren seiner Existenz hortet sie in der Schublade ihres Schreibtischs, verleiht ihnen einen Fetischcharakter.

Bei dem Versuch, ihre Liebe anhand angehäufter Zeichen und überflüssiger Reste zu materialisieren, drückt sie ihre Verlustangst aus; deutlicher noch wird diese neurotische Anlage, wenn sie sich unablässig Situationen vorstellt, in denen der Geliebte mit seiner Frau und seinen Kindern in alltäglichen Situationen zusammentrifft, beim Frühstück etwa oder beim Shopping in der City. Da ist sie plötzlich deutlich vor ihr, die «Andere», die Rivalin, wie wir sie seit Beauvoirs «Sie kam und blieb» kennen, auch wenn sie hier rein imaginären Status hat. Denn Claire ist eine Meisterin des Sichvorstellens vom Glück, von der Normalität der anderen, einer Normalität, die sie uneingestanden für sich selbst reklamiert.

Als der Bauunternehmer gesteht, dass die Geschichte mit der eigenen Frau eine strategische Lüge war und dass er auch keine Kinder hat, gelangt die Geschichte allerdings alsbald zum recht banalen Happy-End: nach dem zuvor aufgemixten, durchaus interessanten Cocktail von Moral, standardisiertem Rollenverhalten und neurotischer Normüberschreitung ein eher bedauerlicher Kompromiss.

Thomas Laux -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Claire verliebt sich in den verheirateten Thomas. Nie taucht sie auf, die Andere, doch überall hinterläßt sie ihre Spuren. Claire tröstet sich, indem sie Fetische ihrer Liebe zu Thomas sammelt.

Schon ist der Leser der Autorin in die Falle gegangen! Die Wendung, die die Geschichte nimmt, ist an Skurrilität nicht zu übertreffen.

Klappentext

Der Tag beginnt für Claire, eine junge Ärztin, mit einer Irritation. Ihre Handtasche wird gestohlen. Schlimmer als der Verlust sind die im Kreis gehenden Gedanken - wer war das, warum ich? Das Klima einer latenten Bedrohung beginnt ihr geordnetes Leben zu verunsichern. Als am selben Tag ein unbekannter Patient kommt, meint sie, Bescheid zu wissen. Doch Thomas ist nur der ehrliche Finder.

Claire und Thomas werden ein Liebespaar, obwohl Thomas warnt, er sei verheiratet. Während sich die Beziehung entwickelt, steigert Clalre sich in Phantasien über die andere Frau hinein.

Das andere Leben von Thomas wird ihr pathologisches Zentrum. Bis die Geschichte eine überraschende Wendung erhält.

"Wenn Emmanuéle Bernheims Sprache eine Farbe hat, dann ist es eisblau. Ihre Spannung gleicht gesprungenem Glas, das bei der kleinsten Erschütterung zu bersten droht."

Rheinischer Merkur/Volker Wieckhorst

"Der dritte Roman der Bernheim: So knapp wie die beiden vorhergehenden. Ebenso scharf. Sezierend. Zu genießen wie einen starken Kaffee. Als Tonikum für einen ganzen Tag."

Le canard enchainé

Emmanuéle Bernheim lebt in Paris. Zwar hat sie Japanologie studiert, doch arbeitet sie seit vielen Jahren fürs französische Fernsehen. Sie erhielt für diesen letzten Roman, der in 16 Sprachen übersetzt wurde, den Prix Médicis. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Autorenportrait

Emmanuele Bernheim, Jahrgang 1955, ist Japanologin und lebt in Paris. Sie arbeitet für das französische Fernsehen. 1993 erhielt sie den Prix Medicis.

Auszug

Man hatte ihr die Handtasche gestohlen. Wie jeden Morgen hatte sie ihr Frühstück am Tresen eingenommen. Sie hatte ihr Croissant gegessen, ihren Kaffee getrunken, die Handtasche am Boden, zwischen ihren Füßen. Und plötzlich war die Tasche verschwunden. Man hatte sie ihr gestohlen, ohne daß sie etwas gemerkt hatte. Den anderen Leuten im Café war nichts aufgefallen, auch dem Patron nicht. Niemand hatte etwas gesehen.

Claire holte den Reserveschlüssel bei der Concierge ab und ging die Treppe hinauf, ohne auf den Fahrstuhl zu warten.

Sie meldete zunächst den Verlust ihrer Kreditkarte und rief dann einen Schlüsseldienst an, der versprach, ihr mittags das Schloß auszuwechseln.

Als sie aufgelegt hatte, wurde sie ruhiger. Es war nicht so dramatisch. Sie hatte nur wenig Geld im Portemonnaie gehabt und ihr Scheckheft zu Hause gelassen. Auch der Terminkalender war noch da, auf dem Schreibtisch neben dem Telefon.

Sie machte Licht im Wartezimmer und ordnete den Zeitschriftenstapel. Es war fünf vor neun, der erste Patient würde gleich eintreffen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

‹  Zurück zur Artikelübersicht