Mein erster Koontz. Zunächst, was mir nicht gefiel:
- der Titel "Die Anbetung": in diesem Buch gibt es keine Religion, keine Sekte, keine Beatlesmania, keinen Dominus, sondern lediglich ein Junge, der sein Mädchen liebt und umgekehrt. Aber das kann ja wohl nicht ernsthaft damit gemeint sein. Ergo, der Titel der deutschen Ausgabe scheint freihändig gewürfelt worden zu sein.
- Das Titelbild, so eine Art Käfer: außer einer Spinne, die durch ein paar Nebensätze krabbelt, kommen in diesem Text überhaupt keine Insekten vor. Also auch hier kein Bezug zum Inhalt. Zwar weiß ich inzwischen, dass mehrere deutsche Textausgaben von Koontz diverse Käfersorten zieren, die Intention scheint also eine Art Autoren-Logo zu sein; aber, ob es funktioniert? Und ob es den Geschmackstest besteht? Schwer zu glauben.
- Der Klappentext: hier steht: ...wird ihm (der Hauptperson) klar, dass er die drohende Katastrophe nur mit Hilfe eines Verbündeten aus der anderen Welt abwenden kann." Hallo? Mit welcher Erscheinung aus der anderen Welt verbündet er sich denn? Hier hat offensichtlich jemand das Buch quer gelesen und dabei auf dem Kopf gehalten.
Fazit: ziemlich lieblos auf den deutschen Markt geschmissen, ein irritierendes Erscheinungsbild, dafür einen Punkt Abzug.
Zum Inhalt: Handlung und Schreibweise sind flüssig, spannend, originell und geradlinig. Besonders gut fand ich, dass die Hauptperson öfter mal einen kleinen Informationsvorsprung vor dem Leser hat, sie tut Dinge, die erst Sinn ergeben, wenn man 2 Absätze weiter gelesen hat. Während dessen verdichtet sich beim Leser eine dumpfe Vorahnung zur schrecklichen Gewissheit. So entsteht richtig gute Spannung, auch wenn man diese Passagen manchmal zweimal lesen muss, um die Zusammenhänge zu rekonstruieren.
Während die Geschichte den Leser mit trägt und bestens unterhält, dreht der Autor auf den letzten 100 Seiten noch einmal richtig auf. Schön schrill ist das familiäre Umfeld des Protagonisten, es macht die Story plausibel und in sich stimmig. Das ist der Unterschied zu anderen spannenden Geschichten, die man nach der Lektüre sofort wieder vergessen hat. Der Unterschied also zwischen guter Unterhaltung und Ablenkung. Auch ist beeindruckend, dass auf den allerletzten Zeilen noch einmal ein richtiges Überraschungs-Ei wartet.
Zu guter Letzt noch eine Besonderheit dieses Gruselromans: er ist ziemlich witzig. Ob das funktioniert? Hier schon! Durch gelegentliche Lacher wird der Leser wieder geerdet. Es ist ein schöner Gegensatz zu den Momenten, die unheimlich sind. Sie wirken dadurch noch ein bisschen unheimlicher. Jeder kann den Test selbst machen. Wen die erste Seite, auf der sich die Hauptperson vorstellt und ihre Bedeutung auf dieser Welt beschreibt, mindestens zum Schmunzeln bringt, hat viele vergnügliche Momente vor sich. Wenn nicht: Buch zurücklegen und ein anderes kaufen.
Letztes Fazit: außen pfui, innen hui.