Die Steppe zittert und es klopfen hart die Hufe...
Eine Staubwolke am Horizont nähert sich in irrem Tempo.
nur Schemen zu erahnen, Männer, jetzt geht es um Tod oder Leben,
am besten schnell verkrümeln, da in die kleine Mulde hinein..
Sie ziehen vorbei, gottlob, eine Horde Amazonen furchtbar und begehrenswert:
Ganz vorne Lara Croft, rechtsaussen, das sieht ja aus wie Leni Riefenstahl,
Jeanne d' Arc, Petra Kelly, mehr links, Penthesilea, Nicole Uphoff, die Gräfin
Dönhoff auf einem Trakehner, Elly Beinhorn hier zu Pferde?, Jil Sander und Lisa
Lyon zu zweit auf einem Pferd, Jane Fonda hinterdrein , Wonder Woman, Wonder
women, ganz am Schluss, ein Mädchen, Mädchenpfadfinder, junge Pionierin eher,
ist das nicht? Ja, Angela Merkel, rittlings auf einem aufgeschlagenen Physik-Buch,
mit blitzenden Augen, wird sie einmal an der Tête reiten, sich in ihrer Horde
an die Spitze setzen, die langweiligen Männer ausstechen?
In weitem Abstand folgen auch drei Männer, mehr Ritter von der traurigen Gestalt,
nicht so durchtrainiert wie die weibliche Avantgarde:
Helmut Newton und Robert Mapplethorpe mit irgendwelchen Apparaten, die sie
ab und zu in die Luft halten, mühsam versuchend, den Anschluss nicht zu verlieren,
abgekämpft bis aufs Letzte.. Und Wolfgang Joop als Mutter Fourage und für die
Kampfkleidung zuständig..
Das ist noch einmal gutgegangen, aufatmen, jetzt können wir uns diesem wunderschönen
Buch zuwenden, man nimmt es schon gern in die Hand, der obere Teil des Buchumschlags
ist einem griechischen Vasenbild nachgebildet, Amazonen im Kampf gegen Männer,
in einer Art Lack, man streicht gerne darüber, es kann einem ja nichts passieren.
Die Autorin ist Literaturwissenschaftlerin, Werbetexterin und Journalistin,
das ist das Beste was einem Buch passieren kann, in dieser Kombination.
Schon die Kapitelüberschriften bergen eine magische Verheissung:
Das Geheimnis der Pferde
Das Opfer der Weiblichkeit
Die Lösung der Nachwuchsfrage
Die Schönheit in Waffen
Die Amazonen sagenumwoben, mythengetränkt, in drei Kontinenten zuletzt gesehen,
bewispert, beschworen. Eurasien, Afrika und Südamerika alles was man immer schon
darüber wissen wollte und keiner, nee: keine wusste so recht Bescheid , hier ist
alles versammelt, bis hin zu neuesten Erkenntnissen aus Gräbern aus deren Knochen-
funden von weiblichen Kriegern Verwandtschaften zu heute
lebenden Mongolinnen festgestellt wurden. Mit Hilfe der Molekular-Anthropologie,
also DNA-Vergleich.
Achilles schwört in Kleists Penthesilea :
'Eher von dieser Amazone Ferse nicht zu lassen, bis er bei ihren seidenen Haaren
sie von dem gefleckten Tigerpferd gerissen'
Und ich glaube viele LeserInnen werden von diesem Buch nicht lassen bis sie die
letzte Seite erreichen, genau wie die Töchter der Amazonen den Becher mit Stutenmilch
bis zur Neige geleert haben.
Hier noch ein Becher Stutenmilch:
Die Amazonen waren überaus geschickt darin, Grenzen und Definitionen zu über-
schreiten. Die zwischen Mann und Frau, Möglichem und Unmöglichem, Liebe und Krieg..
Man muss die Geschichte der Amazonen auch garnicht allzu wörtlich nehmen, um sich
an ihrem Lebensentwurf zu orientieren.
Das kann frau doch heute auch noch gut gebrauchen?
Mann aber auch.