Christoph Hufeland, ein junger aber ehrgeiziger und aufgeschlossener Medizinstudent, wird in Jena Zeuge eines Mordes an einem seiner Kommilitonen. Die Umstände des Mordes kommen ihm gleich seltsam vor und seine Vermutung bewahrheitet sich: Die Leiche verschwindet unter mysteriösen Umständen und er befindet sich mitten in einem Netz aus Verschwörungen und blutigen Ritualen, die alle auf eine Freimaurerloge zurück zuführen sind. Hals über Kopf flieht er zu seiner Familie um sein Studium dort in Sicherheit vor der Bedrohung seines Lebens, der er sich ausgesetzt sieht, zu beenden.
Zeitgleich erreicht die Schwester des Verschwundenen Jena und stößt ebenfalls auf die Machenschaften der Freimaurerloge.
Jahre später treffen beide aufeinander und versuchen die Vorkommnisse zu klären. Alles scheint sich um ein allmächtiges Heilmittel, Menschenversuche an jungen Mädchen und veraltete Rituale zu drehen.
Begleitet von Samuel Hahnemann, einem Arzt, der für die damalige Zeit zu moderne Praktiken vertritt und dafür oft geschmäht wird, begeben sie sich auf die Fährte einer geheimnisvollen Rezeptur, die ewiges Leben verheißt.
Auf dem Buchrücken heißt es: "Ein spannender historischer Roman zwischen Mystik und Wissenschaft, Liebe und Wahnsinn."
Wow, was für eine Konstellation, dachte ich mir, als ich den Roman zum ersten Mal in meinen Händen hielt und diese Worte las. Doch meist steckt hinter großen Worten, die auf Buchrücken gedruckt werden, nichts als heiße Luft! Daher ging ich nicht mit der Erwartung an den Roman heran, dass diese großen Worte tatsächlich in die Realität umgesetzt werden würden.
Weit gefehlt! Hätte ich den Worten auf dem Buchrücken Glauben geschenkt, so wäre ich vielleicht nicht ganz so atemlos durch den Roman gehetzt, denn ich wäre auf das Ausmaß des Wahnsinns, der von dem Roman ausgeht gefasst gewesen. So muss ich allerdings sagen, dass ich ihn absolut sprachlos zugeklappt habe und mich tatsächlich fragen musste, ob ich jemals einen vergleichbar guten historischen Roman gelesen habe. Die Antwort ist vermutlich: NEIN!
Heike Koschyks Schreibstil ist unvergleichlich. Zum einen wirkt er der damaligen Zeit durchaus angepasst und daher ein wenig altertümlich, dennoch ist er unglaublich leicht lesbar und verständlich. Sie versteht es, so fesselnd zu schreiben, dass man den Roman kaum aus den Händen legen kann. Die Spannungskurve steigt tatsächlich exponentiell an und der Roman endet mit einem gewaltigen Knall, den so vermutlich niemand erwartet hätte. Dennoch wirkt der Schluss keines Falls weit hergeholt, sondern durchaus authentisch.
Diese Authentizität erhält Frau Koschyk bis zum Ende aufrecht, indem sie ihre Charaktere realistisch und bedacht handeln lässt. Zu keinem Zeitpunkt fällen diese irgendwelche undurchdachten oder naiven Entschlüsse, die sie ins Verderben stürzen könnten.
Das ist es auch, was mich an den einzelnen Charakteren so fasziniert hat. Sie bleiben durchweg authentisch und sind vor allem alle sehr tiefgründig gezeichnet. Selbst eher unwichtige Nebenrollen haben einen ganz eigenen Charaktere und werden gut beleuchtet, sodass sie nicht seicht und gänzlich unwichtig erscheinen.
Mir ist während des Lesens besonders aufgefallen, wie leicht es mir viel, mit der Geschichte mitzuhalten und mir die einzelnen Szenen bildlich vorzustellen. Das ist für mich immer sehr wichtig, da ich sonst rasch mit meinen Gedanken abschweife, wenn mich der Roman nicht zu fesseln vermag. Allerdings hat mich "Die Alchemie der Nacht" regelrecht in seinen Bann gezogen.
Ebenfalls richtig gut gelungen finde ich die Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge. Am Anfang weiß man noch nicht so genau, wie das alles zusammenhängen soll und wie sich die Geschichte wohl weiter entwickeln wird. Doch rasch verweben sich einzelne Stränge miteinander, bis letztendlich alle Handlungsstränge zu einem großen Ganzen zusammenlaufen und man schließlich begreift, wie alles zusammenhängt.
Besonders Eindrucksvoll ist allerdings die Schilderung der damaligen Verhältnisse und Weltanschauungen. Das ist es im Besonderen, was mich an historischen Romanen reizt. In diesem Roman lernt man erstaunlich viel über die Ärzte der damaligen Zeit und wie unterschiedlich diese doch waren. Da gab es die "Quacksalber" die jede Erkrankung auf einem Wurmbefall zurückführten und den Patienten die Haare abschnitten um die Auswüchse der Würmer abzutöten. Und dann gab es noch Ärzte wie Hahnemann, die nicht jede unerklärliche Heilung auf ein Wunder zurückführten, sondern rational dachten und nur wirklich erprobte und wirksame Heilmethoden praktizierten. Erstaunlich, dass ausgerechnet diese Ärzte geschmäht wurden...
Abschließend möchte ich euch einfach nur mitgeben, dass dies der bisher beste historische Roman ist, den ich gelesen habe. Er hält tatsächlich alles, was er verspricht, auch wenn das eine ganze Menge ist. Mir persönlich hat die ganz eigene Note des Wahnsinns, die Heike Koschyk in den Roman mit eingebracht hat, zusammen mit den Schilderungen der damaligen Zeit am besten gefallen. Da ist es nur logisch, dass ich diesem Roman gerne 5 Sterne geben möchte. Ich kann ihn wirklich jedem Fan historischer Romane empfehlen, der beim Lesen eines Buch auf absolut nichts verzichten will. Denn "Die Alchemie der Nacht" beinhaltet alles: Spannung, Liebe, Mystik, blutige und grausame Szenen und Rituale, lehrreiche und gut recherchierte historische und wissenschaftliche Fakten und eine Prise Wahnsinn, der man sich als Leser einfach nicht entziehen kann!