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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Werde mir nicht so wie der!",
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Akten des Vogelsangs (Sondereinband)
Der Erzähler präsentiert sich als honoriger Jurist, dem Großbürgertum zugehörig, (was wohl auch Raabes Herkommen und eigenem Lebensmilieu entsprach). Als junger Mensch erfüllt er die Wunschvorstellungen seiner Eltern, erlangt planmäßig eine hochangesehene Position in der Stadt, heiratet vorteilhaft und hat bald zwei Kinder. Im Gegensatz zu ihm steht sein Freund Velten Andres, ein romantisch-genialisch-tragischer Luftikus, dem das Leben unter der Hand misslingt. Dieser gleichaltrige Freund fühlt sich schon bald "schauderhaft müde", er ist bindungslos, nur seiner Vergangenheit verhaftet - ein durchaus moderner Typ, der das Leben von fern, wie ein Theaterstück betrachtet und alles Menschliche mit todtraurigem Humor bedenkt. Dabei wird deutlich, dass der bürgerliche Erzähler in seinem Freund nur die zweite Seele in seiner eigenen Brust darstellt, so z.B. wenn seine aus dem Adel stammende Frau merkt, wie er zu dem Freund hingezogen ist, und ihren Mann immer wieder mit ähnlichen Worten beschwört: "werde mir nicht so wie der!" (930).Das ganze Werk ist durchweht von der Wehmut eines alternden Mannes (Raabe war zur Zeit der Abfassung über 60 und musste auch den Tod seiner jüngsten, gerade 16jährigen Tochter erleben), der die Zerstörung einer natürlichen Lebenswelt mit einer intakten Nachbarschaft durch die Industrialisierung einerseits betrauert, andererseits versucht, in den geänderten Verhältnissen ein gefestigtes, menschlich erfülltes, gesellschaftlich geachtetes Leben zu führen. Fürs Leben geprägt von ihrer idyllischen Kindheit sind nicht nur er und sein Freund, sondern auch Helene, die Freundin, der Velten schicksalhaft verbunden ist, die ihn aber verschmäht. Velten zerstört schließlich alles, was ihn an seine Kindheit erinnert, verkriecht sich in ein kahles Zimmer in einem Hinterhof in Berlin, in dem er als junger Mann lebte, bei einer alten Frau, die ihn an seine liebevolle Mutter erinnert, und sein Abgang ist dann ganz ohne Humor. Während Raabe z.B. in "Stopfkuchen" das Bild eines saturierten Helden zeichnet, das m.E. nicht frei von Selbstgefälligkeit ist (s. meine Rezension dort), erlebt man ihn hier melancholisch, zweifelnd, indem er auch die Gefährdung und Brüchigkeit seines Lebens darstellt. Raabe ist in manchem zeittypisch, z.B. ist die Darstellung der Rolle der Ehefrau heute nur schwer zu genießen, aber andererseits sind das Ringen des Erzählers um Orientierung und die Darstellung von Vergänglichkeit zeitlos. Und die liebe- und respektvolle Darstellung einiger französischer Akteure im Roman gereicht ihm, der in einer Zeit des deutschen Hurrapatriotismus schrieb, zur Ehre. Er hat einen stilistisch subtilen, organisch durchstrukturierten und menschlich-psychologisch spannenden, anrührenden Roman geschrieben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
vielschichtiger Realismus für Faustkenner,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Akten des Vogelsangs (Sondereinband)
Raabe spricht ein tiefes Bedürfnis des Menschen an: Sich selbst von allem Materiellen des Lebens zu befreien und als gewissermaßen rein geistiges Wesen sich frei zu fühlen. Velten Andres, von seiner unerfüllten Liebe zu Helene lange unstet durch die Welt getrieben, kehrt zurück in den Vogelsang und verbrennt und zertrümmert nach dem Tode seiner Eltern all deren Hab und Gut. Er will seine Erinnerungen nicht an Dinge wie die Leselampe seines Vaters gebunden wissen, ebenso wenig, wie er sich vorstellen möchte, daß spätestens nach seinem eigenen Tode diese Lampe womöglich in die Hände Unbekannter gelangt. Die Nachbarn wissen nicht, ob sie diese Tat bewundern oder für verachtenswert halten sollen. Diese Beschreibung bietet lediglich einen kurzen Abriß eines Teilbereiches von Raabes Text. Der fast vergessene Autor des Realismus hat hier in seinem Spätwerk eine vielschichtige Geschichte erschaffen, die ein hohes Maß an Intertextualität aufzeigt. Vor allem Goethe, speziell den Faust, der eine große Rolle spielt, und das Neue Testament hat Raabe eingebunden, aber auch beispielsweise Heinrich Heine findet man wieder. Vieles davon ist sehr versteckt, manches als gekennzeichnetes Zitat verwendet, oft, um die Beschreibung der Charaktere zu unterstützen. Die Erzählung ist konstruiert in Form aufbereiteter Akten, die von Veltens Freund Karl Krumhardt zusammengestellt und ergänzt werden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5.0 von 5 Sternen
Tiefgang,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Akten des Vogelsangs (Hörbuch-Download)
Nichts für Otto Normalverbraucher, aber wer noch etwasTiefgang sucht, wird bei Wilhelm Raabe fündig. Es gibt nur wenig Vergleichbares. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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