Es gibt eine ganze Reihe von Kommissaren in Büchern, auf die ich mich bei einer Neuerscheinung freue wie auf einen alten Freund.
Robert Marthaler, der Frankfurter Eigenbrötler aus der Feder Jan Seghers, gehört unbedingt dazu.
Nun ermittelt er in seinem vierten Fall, der ihn - wie schon im Vorgänger "Partitur des Todes" - mit einem ungeklärten Verbrechen aus der Vergangenheit konfrontiert.
Doch zunächst einmal geschieht etwas, was Robert Marthaler an die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit bringt. Seine schwangere Freundin Tereza ist in einen Kunstraub verwickelt und wird lebensgefährlich verletzt. Es gibt ein weiteres Opfer und wegen Befangenheit wird Marthaler von den laufenden Ermittlungen ausgeschlossen. Zunächst weiß er nicht, wie er sich verhalten soll, folgt dann aber dem Rat seines Freundes Sabato und trägt hilfreiche Hintergrund-Informationen für seine Kollegen zusammen. Dabei wird er schnell mit einem Verbrechen aus den Sechziger Jahren konfrontiert, mit dem unaufgeklärten Raubmord an der Edel-Prostituierten Karin Rosenherz. Mit diesem Fall beschäftigt sich auch die angehende Journalistin Anna Buchwald, die bald zur unverzichtbaren Partnerin Marthalers wird und mit ihm gemeinsam das knifflige Ermittlungspuzzle zusammensetzt...
Dieser Kriminalroman braucht ein wenig Anlaufzeit, entwickelt dann allerdings einen rauschenden Sog, der dann auf den letzten einhundert Seiten in einen richtigen Showdown mündet.
Das ist alles in allem gelungen und doch weist dieser Kriminalroman einige Schwächen auf.
Anna ist arg stereotyp geraten und wirkt ein wenig wie die kleine deutsche Schwester Lisbeth Salanders, ein bisschen zu tough, hemmungslos und gerissen und natürlich stets am rechten Ort. Das sie an diesem Fall auch ein persönliches Interesse hat, ist allzu fadenscheinig konstruiert.
Ein wenig leidet die Story auch an Überfrachtung, so dass das Buch von Zeit zu Zeit ein wenig "unrund" läuft.
Nahezu unverzeihlich fand ich außerdem die grässlichen "Tereza-O-Töne", die eine slawisch-deutsche Ausdrucksweise suggerieren sollen, die so gewiss nicht von einer Intellektuellen, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt und arbeitet - als solche ist die Figur Tereza ja angelegt - gesprochen würde.
Trotzdem: "Die Akte Rosenherz" ist ein sehr lesenswerter Kriminalroman. Er unterhält und überrascht den Leser, baut geschickte Spannungssteigerungen ein und trotz der von mir so empfundenen und monierten Schwächen bleibt es dabei:
Ich freue mich schon auf die nächste Begegnung mit Robert Marthaler!