Der Höhepunkt zum Dichterjahr 2011: DIE AKTE KLEIST
"Der Torbogen steht, weil alle Steine gleichzeitig stürzen, unser Gehen ist eine Abfolge gerade noch verhinderten Stolperns...".
Die hier vorliegende Verfilmung ist nicht nur im Kleist'schen Sinne modern. Eine atemberaubende Reise durch Europa und hervorragende Interviews erwarten den Zuschauer. Das Leben als Roadmovie?
Anhand des Originalpolizeiprotokolls wird der Doppelselbstmord am Berliner Wannsee untersucht. Das kriminologische Puzzle kreist um den Hergang der Tat. Preußenexperten, Kleistforscher, Philosophen und Literaturprofessoren kommen zu Wort. Mir ist erstmalig aufgefallen, dass Heinrich von Kleist über ein Jahrhundert in Vergessenheit geraten war, weil Goethe seine Aufführung des Zerbrochenen Krugs in Weimar wieder vom Spielplan nahm. Erst Kafka und Thomas Mann haben den große deutsche Dichter hundert Jahre später als frühen Vorbereiter der Moderne neuentdeckt.
"Die Akte Kleist" ist ein kleines Kunstwerk, dass offensichtlich jahrelang vorbereitet wurde. Meret Becker und Alexander Beyer überzeugen als romantisches Liebespaar und spazieren schwerelos durch den Novemberwald, bis sie am Wannsee, wo heute das Denkmal steht, ihre Entscheidung treffen.