Es gibt wenige Themen, bei dem sich Meinungen so kontrovers gegenüberstehen wie bei der Astrologie. Sei es in Talkshows, wie unlängst bei 'Maischberger'
oder hier bei den Besprechungen zur 'Akte Astrologie' von Gunter Sachs.
Ausgeprägten Anhängern stehen ausgeprägte Gegner gegenüber, dazwischen scheint es irgendwie nichts zu geben.
Ich bekam das Buch vor einigen Wochen von meiner Schwester geschenkt, die eigentlich um mein geringes Interesse am Thema Astrologie wußte. "Sag mir, wie Du das findest." Bis dahin konnte ich mit dem Namen Gunter Sachs wenig anfangen und Statistik kannte ich allenfalls von Wahlabenden. Umso klarer fällt mein Urteil aus:
Das Buch beeindruckte mich zunächst durch seine Gründlichkeit: alle Daten (mit Fundstellen) kamen aus amtlichen Quellen, alle Berechnungen wurden von Statistikern wieder und wieder geprüft. Bemerkenswert, mit welcher Offenheit und Konsequenz der Autor und sein Team ihre Funde stets aufs Neue selbst in Frage stellten. Noch beeindruckender, wie die Resultate allen Gegenproben stand hielten.
Die 'Akte Astrologie' überraschte auch durch die Klarheit der Sprache und Erklärungen, was bei einem Buch mit Grafiken und Tabellen keine Selbstverständlichkeit ist und zweifelsohne eine besonderer Verdienst von Gunter Sachs. Zu den vielen Berechnungen gibt es einen Statistik-Grundkurs quasi gleich mitgeliefert, der selbst mir Spaß machte, der ich damit bislang wenig am Hut hatte.
Richtig überzeugend fand ich das Buch aus zwei anderen Gründen: die Mitwirkung von Elisabeth Noelle-Neumann, die mit ihrem Allensbach-Institut eine hundertseitige(!) Studie zu dem Projekt beisteuerte. Sie wird sich überlegt haben, warum. Und, quasi als Gütesiegel, die Bestätigung der Befunde durch zwei Wissenschaftler vom statistischen Bundesamt. Da kommt ein Mosaikstein zum anderen.
Gunter Sachs wollte, auf einen einfachen Nenner gebracht, einen wissenschaftlichen Beleg finden, daß "etwas dran ist" an der Astrologie. Das ist ihm, so denke ich, nachhaltig gelungen und macht das Buch zu einem unverzichtbaren Standardwerk für alle "Sterndeuter". Dabei war sein einfacher Ansatz die eigentlich geniale Idee: keine Horoskope, keine Deutungen, kein Kaffeesatz. Große Datenmengen aus offiziellen Quellen mit bekannter statistischer Methodik durchleuchtet und die Ergebnisse aufgeschrieben. Unterhaltsam, überraschend, aufschlußreich. Beinahe ist man neidisch, nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen zu sein.