Der Baum, der dem Roman den Titel gegeben hat, taucht erst in den letzten Zeilen des Romans auf: Der Kriegsheimkehrer, (der weitgehend mit dem Autor identisch ist), ist auf sein Erbteil (alte, historische Gebäude nebst Einrichtung, Weingut) nach Südfrankreich zurückgekehrt, er öffnet sich langsam wieder dem Leben, beginnt sich für die Politik, die Natur zu interessieren, beginnt zu malen (Simon war auch Maler). Vor ihm liegt ein Stück weißes Papier und er betrachtet die Akazie, die "plötzlich wie von einer eigenständigen Bewegung durchzuckt" wird (315), es ist wieder Frühling - der Heimkehrer, der mit einer kalten Wut aus einem sinnlosen Krieg zurückgekehrt ist, wird jetzt beginnen, entweder die Akazie zu malen, was seinen Genesungsprozess anzeigen würde, oder das Buch zu schreiben, das wir vorliegen haben.
Denn offensichtlich dient dieses Anti-Kriegsbuch der Bewältigung seiner Lebenstraumen, die auch die Traumen seiner Generation sind: den Verlust des Vaters im 1. Weltkrieg, als er ein kleiner Junge war, und die demütigenden, depriminierenden Erlebnisse als Kavalleriesoldat im 2.Weltkrieg - acht Monate, "in denen er auf einem Pferd spazierengeritten war, zuerst in Regen und Schnee, dann acht Tage unter Bomben, vermehrt um fünf Monate, in denen er im sandigen Boden Sachsens eine Sickergrube ausgehoben" hatte (311). Was sich hier so lapidar liest, wird nebst anderen Erinnerungen in immer neuen Anläufen heraufbeschworen: Fast immer abwechselnd befassen sich diese die Vergangenheit beschwörenden Erinnerungen mit der Zeit um den 1. und 2.Weltkrieg: um die Vorgeschichten der Familien des Vaters und der Mutter, deren Ehe, den unbegreiflichen Tod des Vaters im 1.Weltkrieg, dann Claude Simons Fahrten durch Europa vor dem 2.Weltkrieg als Maler-Student, seine Einziehung zum Kriegsdienst, Kriegserlebnisse, Gefangenschaft in Sachsen, Flucht und Heimkehr, nach der er sich allmählich wieder vom Tier, das nur überleben will und angesichts des barbarischen Grauens um sich herum völlig abgestumpft ist, zum Menschen wandelt.
Die ewiglangen Sätze Simons mag man beklagen, aber man tut besser daran, sich dem beschwörenden Duktus der Sprache zu überlassen, der einerseits das Chaotische der Verhältnisse und Erlebnisse widerspiegelt, andererseits zum Ausdruck bringt, wie der Autor seine Vergangenheit, sein Leben gewissermaßen neu erschafft, in hochkonzentrierter und komprimierter Weise sich des ganzen Universums vergewissert, das seine Vergangenheit und sein Leben ausmacht. Simon, der wie gesagt auch Maler war, denkt in Bildern. Unaufhörlich, zwanghaft beschreibt er das Gehörte, das Mitgeteilte, das Erinnerte in unendlichen, sinnlichen Details und Bildern, aber dies ist nicht Selbstzweck, sondern Sinnbild oder ständiges Gleichnis. Nur ein (verkürztes) Beispiel: Als sich einmal die gesamte Kavallerie in Bewegung setzt, vergleicht er das "gewaltige Getrappel, oder Knattern, oder Prasseln" der Pferdehufe mit dem "wirren Rauschen von Myriaden Insekten", die sich schließlich auf den schwarzen "Leichnam der Geschichte" pressen. "Dann dachte er, dass es eher umgekehrt wäre, dass die Geschichte im Begriff war, sie zu fressen.." (200). Auf dem Einband erscheint ein Zitat des Autors: "Alles ist autobiografisch, selbst das Erfundene." Und er macht kein Hehl daraus, dass er vieles erfindet, indem er verschiedene Möglichkeiten erwägt, wie das Geschehen abgelaufen sein könnte, oder sich korrigiert, aber immer spüren wir die Stimme des Dichters - der Ausdruck ist bei ihm wirklich angebracht - der sich seine Welt zueigen macht. Ansonsten beschreibt Simon das Geschehen und die Protagonisten von außen, zwar immer aus der Perspektive der jeweils beteiligten Personen, aber diese sind nur Objekte der Geschichte bzw. Opfer im unmenschlichen, sinnlosen Geschiebe der Kriegsereignisse - nur der Roman selbst kann als Manifestation der schöpferischen Freiheit des Individuums angesehen werden. - Ein Buch, das das Grauen des Krieges heraufbeschwört, aber auch ein eindringliches, intensives Bild von der Elterngeneration vor dem 1.Weltkrieg entwirft und am Schluss der Hoffnung Raum gibt.