Die Handlung des zehnten Romans um Cusslers NUMA-Protagonisten Dirk Pitt und Al Giordino spielte zur Zeit seiner Veröffentlichung unter dem amerikanischen Originaltittel "Dragon" im Jahre 1990 in der damals nahen Zukunft (1993). Anders als sein Vorgänger "Das Alexandria-Komplott" weist er aus heutiger Sicht jedoch im Hinblick auf die tatsächlichen Entwicklungen, recht wenige Elemente eines alternativ-historischen Romans vor. So begibt sich Pitt auf einen kurzen Abstecher nach dem (vor der Wiedervereinigung) in "Westdeutschland" gelegenen Bielefeld und am Rande des Romangeschehens kommt es zwischen der Türkei und dem Iran zu kriegerischen Handlungen. Leider gibt es mit nur einer vorangestellten fiktiven Handlung (am 6. August 1945) lediglich einen Prolog, und nicht wie in vielen anderen Romanen Cusslers üblich, zwei Vorgeschichten deren Rätsel im Laufe der Haupthandlung aufgedeckt und gelöst werden. Hierdurch wurden diesmal nur zwei, anstatt drei Zeitebenen miteinander verknüpft, was zu einer Einbusse der Komplexität des historischen Hintergundes führte.....
....statt dessen wird ein japanischer Konzern, hinter dem ein mysteriöser Geheimbund namens '"Goldener Drache'" steht, zu einer wirtschaftlichen und militärischen Bedrohung Amerikas und der restlichen Welt inclusive der noch existierenden Sowjetunion. Die nicht nur aus technischer Sicht utopische Romanhandlung hat zudem einen unangenehmen zynischen Beigeschmack, da die über Atombomben verfügenden rassistischen Bösewichte ausgerechnet aus Nippon stammen. Mit Billigung führender Politiker des Landes, das 1945 die Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki erleiden musste, wollen sie ihre Atomwaffen zur Vernichtung aller ausländischen Kommunikationssysteme einsetzen. Im Shinto-Schrein geweihte Killerroboter, sowie eine weitere US-amerikanische Atombombe ("Mothers Breath") an Bord einer B 29, die während des 2. Weltkrieges bei ihrem Zielanflug auf Osaka über dem Pazifik abgeschossen wurde und 48 Jahre später von Dirk Pitt zur Auslösung eines Seebebens und Tsunamis zu Einsatz gebracht werden soll, sind weitere phantastische Fiktionen des Autors, die dem Szenario neben anderen geschmacklosen Aspekten weitere makabre Impulse verleihen....
Pitt's und Giordano's Problemlösungen sind zwar -wie immer- durch einen unerschütterlichen Willen und eine kräftige Prise Testosteron geprägt. Auch ein Kurzauftritt Cliff Cusslers als Fahrer eines roten Hispano Suiza (Baujahr 1926) bei einem Oldtimerrennen fehlt nicht (S. 224). Insgesamt gesehen bietet die "Ajima-Verschwörung" jedoch in technischer, historischer und auch zwischenmenschlicher Hinsicht weitaus weniger glaubwürdige Spannung und Informationen, als alle nachfolgenden Abenteuer. Trotz reichlicher kriegerischer und unglaublicher Actionszenen kann die zehnte Geschichte um Dirk Pitt & Al Giordino niemals die Klasse spätere Bände, wie z. B. "Sahara" oder "Inkagold" erreichen. Neben der auf zwei Zeitebenen reduzierten zeitlichen Komponente, fehlt es dem Roman vor allem an Originalität und auch emotionalen Elan der Akteure. Lesern, die mit Cussler's "National Underwater & Marine Agency" und seinen Helden (erstmals) Bekanntschaft machen möchten, kann der Roman für den Einstieg nicht empfohlen werden, bestenfalls Cussler-Fans zur Komplettierung ihrer Gesamtlektüre.
Alle Kritikpunkte zusammengenommen lassen im Vergleich zu anderen Dirk Pitt Romanen nur eine Bewertung mit 2 Amazonsternen zu.