Für Freunde des Historiencomic-Genres gehört diese Serie schon aus Gründen der Vollständigkeit in die Sammlung. Die Bände sind gut aufgemacht und äußerlich ansprechend gestaltet. In wie weit die Geschichte tatsächlich den Geschmack des einzelnen Lesers trifft, sei allerdings dahin gestellt. Wie vorangegangene Rezensionen belegen, kommt Marinis Serie um die Varusschlacht durchaus Vorstellungen von guter BD-Unterhaltung entgegen. Das Grundmotiv der feindlichen Brüder, die aufgrund äußerer Umstände gegeneinander zu kämpfen gezwungen sind, hat viel dramatisches Potential. Ich halte die Serie bislang allerdings nur für bedingt gelungen:
1) Der Autor bedient konsequent sämtliche Klischees, die das antike Rom zu bieten hat. Die Bilder schwelgen in einem antiken Sündenpfuhl, in dem Sex, Gewalt und Intrigen nur so wuchern. Im bereits auf Französisch erschienenen dritten Teil ist die versatzstückhafte Darstellung des Statthalters Varus (über den wir dank verschiedenen Quellen eigentlich gut unterrichtet sind)als prassender, ephebophiler Intrigant, geradezu exemplarisch. Nett, aber alles schon mal da gewesen, und es stellt sich die Frage, wie weit ein solcher Zugang trägt (Delaby ist bei "Murena" auch die Puste ausgegangen, obwohl die ersten Alben gut waren). Was übrigens besonders negativ auffällt, ist die Darstellung der Frauen, die sich unseren wackeren Heroen durchweg als mal tugendhafte, mal intrigante, doch stets willige Sexualobjekte darbieten.
2) Als Comicleser, der Freude an guter Zeichentechnik hat (Marini versteht zweifelsohne seine Kunst)ist es für mich geradezu ärgerlich, wie wenig subtil die Mimik der Figuren herausgearbeitet ist. Die Protagonisten mit ihren wuchtigen Kiefern starren ständig mürrisch vor sich hin (wie alle anderen männlichen Figuren übrigens auch), als hätten sie Gesichtslähmung. Die Kategorisierung der Figurentypen folgt weitgehend entweder dem Schema "gängiges Männlichkeitsideal" (breite Schultern, kantiger Schädel, mürrischer Blick) oder dem Typus "Schrat" (animalische Züge, schiefe Zähne, krumme Gliedmaßen: Sklaven, Gladiatoren (aktive und pensionierte), Legionäre, u. ä.). Differenzierungen sucht man zum größten Teil vergebens.
Um bösen Bemerkungen vorzubeugen: In wie weit ein Comic gefällt, sollte selbstverständlich jedem selbst überlassen werden. Ein Comic ist eben kein Bildungsroman. Mein ganz persönliches Fazit lautet: Wer auf der Suche nach einer nicht allzu anspruchsvollen, leidlich gut in Szene gesetzten und flott erzählten Story ist, kommt hier voll auf seine Kosten. "Die Adler Roms" ist m. E. allerdings kein Comic, der es mit Serien wie "Der Tönerne Thron", "Für das Imperium" (Geheimtipp!!!) oder den ersten Bänden von "Murena" aufnehmen kann. Wie gesagt: Geschmackssache!