Die gute Nachricht ist, dass Dietmar Dath "Die Abschaffung der Arten" im Gegensatz zum Vorgänger "Waffenwetter" in ganzen Sätzen geschrieben hat. Die schlechte, dass diese Sätze so aussehen: "Sdhütz Arroyo saß vor prachtaltarbreiten Fenstern im Aussichtsrestaurant an Bord eines großen Lenkluftschiffs aus ionisierter Glamourfolie." 552 Seiten lang, mein Gott! Dath zoomt 500 Jahre in die Zukunft, die Menschheit ist so gut wie ausgestorben, Mischwesen namens "Gente" bevölkern ein verwildertes Europa, kommunizieren mittels Düften und haben eine Zivilisation errichtet, an deren Spitze ein "Löwe" steht. So weit, so nachvollziehbar. Dann aber bricht Krieg aus, der Löwe wird gestürzt, und die Gente fliehen ins All. Wo sie mutieren, irgendwann werden Schwärme zu handelnden Individuen, später dann gar ein "Feuer" und ein "Vasch". Es gibt eine originelle Liebesgeschichte, es gibt einen "Herr der Ringe"-ähnlichen Fantasystrang ohne den genretypischen Konservatismus, zeitweise geistert auch die Komponistin Cordula Späth (Menschen? Hier?) aus früheren Romanen Daths durch die Handlung. Es wird nach Herzenslust fabuliert, wahrscheinlich gibt es zurzeit keinen weiteren Roman, der mit solcher Freude und Musikalität Sätze schichtet, nebenbei wird die Biologie als Ganzes unter besonderer Berücksichtigung Darwins durchdekliniert - ein Mammutwerk. Provokant könnte man sagen: Wer "Die Abschaffung der Arten" gelesen hat, braucht keine anderen Romane mehr. Wenn man davon absieht, dass das Ding eigentlich nicht lesbar ist. (fis)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Gebundene Ausgabe
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»Unlängst umriss Dietmar Dath anlässlich eines Interviews die drei Hauptgenres der fantastischen Literatur: Beim Horror gehe es um den Körper, Sex und Gewalt, im Fantasy-Genre stehe meist eine Reise, oft eine spirituelle, im Mittelpunkt, und die Science Fiction sei das Spielfeld des Spekulativen. Doch lediglich in der angelsächsischen Literatur würde all dies literarisch wertvoll beackert. Mit einem 550 Seiten starken Wälzer hat er diesem Misstand nun selbst abgeholfen:
Die Abschaffung der Arten ist allerfeinste Genreliteratur ... In der deutschen Gegenwartsliteratur jedenfalls lässt sich weit und breit nichts Vergleichbares entdecken. «
(Tom Thelen
Galore )
»Die Abschaffung der Arten, das bisherige Opus Magnum von Dietmar Dath: Europa, irgendwann in der Zukunft: Die Tiere regieren, sinnieren über die heillose Einfalt der Menschen und sind selbst tödlicher Gefahr ausgesetzt. Ein Buch, irgendwo zwischen Douglas Adams, George Orwell und Philip K. Dick. Großartig.«
(
GQ )
»Dieser Roman steckt voller Einfälle, Wortwitz und fulminanter Szenen ... Dath macht mächtig Lärm - aber auch die allerschönste Zukunftsmusik. Während er den Leser intellektuell herausfordert und sprachlich umgarnt, schickt er ihn auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise: nach Formen des Umgangs und der Verständigung, die man endlich menschlich nennen könnte.«
(Meike Fessmann
Basler Zeitung, baz.online )
»Man muss, um sich in dieser Wunderwelt zurechtzufinden, das Bekannte (Dath nennt unsere Epoche schlicht die Langeweile, so beleidigend wie treffend) vergessen. Reisen wie die in diesem Buch sind nicht dazu da, die Heimat besser zu verstehen, sondern dazu, festgewachsene Verbindungen zwischen Ideen und Anschauungsweisen zu trennen; das Neue zuzulassen. ... Seiner Liebe zum fantastischen Roman des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, zu Jules Verne und H. G. Wells ist Dathh hier nachgegangen bis zu dem Punkt, an dem aus dem geliebten Alten etwas so noch nicht Dagewesenes werden konnte.«
(Angelika Klüssendorf
Die literarische Welt )
Dietmar Daths neuer Roman macht nicht nur Tiere zu Mutanten, sondern ist selbst eine sehr anstrengende, aber auch sehr inspirierende Mutationsmaschine. Sollte das Buch im Dunkeln leuchten oder komische Geräusche machten, müsste man sich nicht wirklich wundern. Science Fiction, Fantasy, Schöpfungsgeschichte, Weltraum-Odyssee und politische Utopie werden zu einem Gattungs-King-Kong verdrahtet, der dem Leser einiges an Durchhaltevermögen abverlangt. ... Geduld lohnt sich, denn
Die Abschaffung der Arten ist ein unbedingt lesenswertes Gedankenspiel über ein Imperium, das alles besser machen woltle. Dieser Roman will ein Hilfsmittel zur Tat sein, eine fiktionale Antriebsrakete, mit der man die Welt politisch verändern kann.«
(Jutta Person
Literaturen )
»Schluß mit der Wirklichkeit! Her mit der Wahrheit! Dabei hilft der Roman. Dath dichtet eben nicht hilflos einer öden Wirklichkeit hinterher. Er dichtet mutig voran. Dem Leser schwirrt der Kopf, und immer wieder wirft es ihn weit, weit aus dem Buch hinaus. Aber - ist es die Anziehungskraft der Hauptgeschichte, die Schönheit der Sprache, die schöner ist, als in den alten Büchern, ist es die Absonderlichkeit der Charaktere, die einen diesmal immer wieder ins Buch zurückziehen? Es ist wohl von allem etwas. Jedenfalls, für all die Leser, die die früheren Daths, abwartend, staunend aus der Ferne an sich vorbeiziehen ließen, ist jetzt der Zeitpunkt einzusteigen.
Die Abschaffung der Arten ist ein verrücktes Buch, ist große, spekulative Literatur, mit Phantasie, Kenntnis und Dichtungskunst.«
(Volker Weidermann
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung )
»... der produktivste und radikalste Schriftsteller Deutschlands«
(Thomas Lindemann
Die Welt )