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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Klassiker,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Abenteuer des Werner Holt: Roman einer Jugend (Taschenbuch)
Es ist zu einer guten Tradition geworden, dass mein Freund aus dem Westen und ich (aus dem Osten) uns gegenseitig zum Geburtstag Bücher aus der eigenen Sammlung schenken. Wohlgemerkt, keine Kaufexemplare! Und wenn man dem Freund wirklich Respekt erweisen will, muss es natürlich entsprechende Qualität sein. Zu seinem letzten Geburtstag schenkte ich ihm die "Die Abenteuer des Werner Holt". Ich habe es doppelt, denn meine Frau hat es seinerzeit auch erworben. Kein Wunder, war es ja Pflichtlektüre in der DDR. Wenn ich es nur einmal gehabt hätte? Bitte, nicht solche gemeinen Fragen.Allerdings war ich doch skeptisch, mein Freund mag nach eigenem Befinden keine "Kriegsliteratur". Doch schon nach wenigen Tagen meldete er sich ziemlich euphorisch, das Buch sei ein "Hammer" und er habe es augenblicklich verschlungen... Bevor der Roman in der Schule dran war, hatte ich ihn bereits durch. Damals war ich knapp 14. Es war/ist eines meiner Lieblingsbücher und entsprechend oft gelesen. Und es war eines der wenigen, vielleicht sogar das einzige Pflichtbuch, welches von der Mehrheit der Schüler ohne das obligatorische Murren und Meckern angenommen wurde. Dieter Noll führt uns in die Provinz, eine betuliche Kleinstadt in Deutschland, an der bisher der bereits verlorene 2. Weltkrieg fast spurlos vorbei gegangen ist. Die Jungen scharren ungeduldig wie übermütige Pfohlen: sie wollen endlich in den Krieg. Sie wollen Helden sein, Kämpfen und Siegen. Und so beginnen die "Abenteuer des Werner Holt". Führen ihn von der Schulbank zur Flak-Ausbildung, zum ersten aber längst nicht letzten Toten, zu Drill und Schikane, zum stumpfsinnigen Kasernenalltag und schließlich an die Front. Mittelpunkt der Handlung ist die Freundschaft zwischen Holt und Wolzow. Ist Holt eher der nachdenkliche Typ, der schon früh über den Tellerrand schaut, stellt Wolzow den aus einer Offiziersfamilie stammenden Söldner dar. Mit dem Nationalsozialismus haben beide nicht viel am Hut. Der durchaus liberale Holt nicht, noch der Haudrauf Wolzow. Der will nur kämpfen, egal für wen. Etwas weiter ostwärts könnte man ihn sich genausogut als draufgängerischen Rotarmisten vorstellen. Hier "treu" zum Führer, dort "treu" zu Stalin. Und während für Wolzow nur der Krieg das Maß aller Dinge ist, gerät Holt immer wieder in Gewissenskonflikte. Sehr gut in diesem Zusammenhang der Dialog zwischen ihm und den von den Nazis kaltgestellten Vater. Der einst erfolgreiche, aber regimekritische Wissenschaftler muss nun drittklassige Arbeiten verrichten. Holt schämt sich fast für seinen Vater und kann/will nicht glauben, was der ihm berichtet. Später wird er die schrecklichen Verbrechen selbst erleben (Sägemühle, KZ-Häftlinge). Es gibt noch einen 2. Teil, eine Fortsetzung der Abenteuer. Leider reicht dieser nicht an Teil 1 heran. Aber das sollte jeder Leser selbst ausprobieren. Erwähnenswert ist noch die DEFA-Verfilmung mit Klaus-Peter Thiele als Werner Holt. Eine Idealbesetzung und die Rolle seines Lebens! Oft soll Thiele statt des Namens mit "Das ist doch der, der Werner Holt gespielt hat" angesprochen worden sein. Ein größeres Zuschauerkompliment kann es wohl nicht geben. Auch die anderen Charaktere sind sehr gut besetzt und gleichen einige Schwächen des Films aus. Wiegesagt war der Roman Pflichtlektüre in der DDR. Er sollte das im vereinigten Deutschland auch sein. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zwanzig Jahre später ... und noch immer mein Lieblingsbuch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Abenteuer des Werner Holt: Roman einer Jugend (Taschenbuch)
Als fleißiger Amazon-Besteller bin ich nur deshalb hier gelandet, weil meine Ausgabe des Buches echt antiquariatsreif ist, was allein schon für diesen Roman sprechen mag: Ich hab's 1987 während des Abis aus der Schule geklaut (und das, obwohl es in der achten und nicht in der elften Klasse Pflichtlektüre war), es ist schätzungsweise zehnmal mit mir umgezogen und hat 1999 einen bösen Wasserschaden mit Mühe überlebt. Na ja, und damit ich weiterhin jederzeit die auf- und anregenden Abenteuer lesen kann, muß ein frisches Exmeplar her!Ich habe keine Ahnung, wie oft ich die Abenteuer von Werner und seinen Kameraden gelesen habe - in jedem Fall sehr oft. Es gibt kein anderes Buch, das mich so fasziniert, in dem man immer wieder Neues entdeckt, je nachdem, in welcher Lebensphase man sich gerade befindet. Offenbar "wächst" dieses Buch analog zur eigenen Lebenserfahrung. - Nach der Wende hat mir ein Deutschlehrer erzählt, es sei das Gerücht gegangen, Teil 2 sei nicht von Dieter Noll geschrieben worden - was die enormen Qualitätsunterschiede zu Teil 1 erklären könnte. Den "Genossen" sei der übermäßige Erfolg eines Antikriegsromans, in dem ein Bürgerlicher die Hauptrolle spielt und kommunistische Propaganda überhaupt keine, immer suspekt gewesen. Für mich ist "Die Abenteuer des Werner Holt" einer der ganz wenigen Romane aus DDR-Zeiten mit echten Bestsellerqualitäten, deshalb gibt es das Prädikat "exzellent" und an alle Leseratten die Empfehlung: kaufen! Wann immer neu gekaufte Bücher nerven oder langweilen, wann immer der Lesevorrat zur Neige geht - Werner läßt sich in allen Lebenslagen wunderbar lesen und fesselt jedesmal auf eine ganz neue Art. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein ewiger Kreislauf,
Von Tom "Lappländer" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Abenteuer des Werner Holt: Roman einer Jugend (Taschenbuch)
Ich hatte die beiden Teile des "Werner Holt" schon zu DDR-Zeiten verschlungen und empfand damals unter pubertierenden Umständen als 16-jähriger sein Leben durchaus als Abenteuer, da ich gerade die lebensphilosophischen Anspielungen von Dieter Noll noch gar nicht recht verstehen konnte. 25 Jahre später mit einiger Lebenserfahrung ausgestattet würde ich das Buch eher mit "Die Leiden des Werner Holt" in Anspielung an einen berühmten Text des Dichters Goethe betiteln. Vielleicht stand Dieter Noll ja derartiges im Sinn, getraute sich dann aber doch nicht in so plagiater Art und Weise an den großen Dichterfürsten heran. In seiner Aussage und seinem Gehalt reicht es aber an die "Leiden des jungen Werther" heran. Es ist große Literatur.Wenn beide Teile gelesen sind, wird einem meines Erachtens bewußt, dass es um den grossen Menschheitsstraum einer besseren und gerechteren Welt geht und dass wir als Menschen, gerade weil wir als Menschen mit einer bestimmten conditio humana ausgestattet sind, in unserem Streben immer fehlen werden. Mir ist dieses endgültig beim Ausbruch des Irak-Krieges bewußt geworden. Ich bin mir sicher, dass George Bush von seiner welthistorischen Mission überzeugt ist. Dafür werden junge Soldaten im Irak verheizt, sie werden dabei sogar zu menschenverachtenden und zynischen Folterern. Sie werden wie unser Held Werner Holt in eine Gesellschaft zurückkehren, die nicht versteht, was diesen jungen Menschen dort wiederfahren ist. Sie werden wie unser Held Werner Holt unüberwindliche Schwierigkeiten haben, sich in der normalen bürgerlichen Welt zurecht zu finden. Sie werden feststellen, dass sie mißbraucht worden sind von den Menschen, die die Macht haben, sie zu mißbrauchen. Unser Held ahnt, dass die Beschädigungen, die aus dem Kreislauf immer wiederkehrender Gewalt enststammen, untilgbar und jenseits jeder Ideologie eingebrannt sind. Letztendlich bleibt es in einer Welt, die eher auf Abgrenzung als auf Gemeinschaft ausgelegt ist, jedem selbst überlassen, wie er mit diesen Beschädigungen fertig wird. Der moralische Zeigefinger kann uns dabei erspart bleiben. Klingt im zweiten Band die Hoffnung an, dass sich mit einer sozialistischen Ideologie etwas zum besseren wenden könnte, so wissen wir heute, dass uns auch diese Hoffnung getrogen hat. Wie Holt im zweiten Teil sinngemäß sagt, dass er zum Töten abgerichtet wurde und diese Beschädigung überwinden möchte, so wäre er doch wieder bereit, die Waffe in die Hand zu nehmen, denn dieses Handwerk ist wenigstens eines, das er beherrscht. Der Normalbürger, der sich in seinem Wohlstand eingerichtet hat und seinen Wohlstand nur dieser Gewalt zu verdanken hat, wird naserümpfend auf derartig deklassierte Elemente herabschauen. Wir entkommen diesem Kreislauf nicht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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