In seinen besten Jungenjahren gelingt dem 1926 geborenen Ruben, der jüdischer Abstammung ist, mit seiner Familie 1938 die Flucht vor den Nazis aus Deutschland. Er geht mit Mutter und jüngerem Bruder nach Rumänien, wo der Großvater einen Viehhandel betreibt. Der Ort heißt Sereth, ein kleines Städtchen in der Bukowina, wo ein Hauch des alten k.u.k. Österreichs noch zu spüren ist.
Der Vater hat sich inzwischen nach Paris durchgeschlagen.
Nach wenigen Jahren sind die Nazis in Rumänien. Es folgt das Ghettoleben in Moghilev Podolsk, einem großen rumänischen Ghetto, mit Hunger, Verfolgung, Mord und Totschlag.
1944 kommen die Russen und das ganze Ausmaß des Kriegschaos mit wechselnden Fronten wird von Hilsenrath festgehalten.
Ruben ist immer auf der Flucht, schlägt sich nach Czernowitz durch, trifft Verwandte, begegnet helfenden Bauern und hat Glück, in brenzligen Augenblicken immer Hilfe zur rechten Zeit bei den richtigen Leuten zu finden.
Die Menge der Ermordeten und an Hunger, Kälte und Krankheiten Umgekommenen ist ohne Zahl.
Von Bukarest aus gelingt Ruben mit gefälschtem Pass die Flucht und Einwanderung nach Palästina, das bis 1948 englisches Mandatsgebiet blieb.
Im Kibbuz bleibt er Außenseiter.
Über drei Jahre schlägt sich Ruben von einem Ort und einer Arbeitsstelle zur nächsten durch.
Von jüdischen Terroristen hört man ebenso wie von den arabischen Überfällen auf Juden.
Er trifft auf alte und junge Menschen, die von ihren Schicksalen berichten; Frauen, die er sucht, sind ihm wichtig. Einsam bleibt er die ganze Zeit.
Die Erzählung reicht bis zum Beschluß der Vereinten Nationen zur Gründung eines jüdischen Staates, die im Mai 1948 erfolgen soll.
Hilsenrath schreibt nüchtern, klar und ohne Wehklagen. Die Geschichte klingt wie der Bericht eines neutralen Beobachters, der mit viel Chúzpe die schlimmsten Gefahren für sich abwenden konnte.
Sein Roman ist anschaulich, sehr gut erzählt und lässt den Leser unmittelbar teilnehmen am Schicksal jüdischer Bürger, die, sofern sie überlebt hatten, hin und her geschoben nach einer neuen Heimat Ausschau hielten. Als Roman konzipiert wird ein Stück Zeitgeschichte nacherzählt, die wie erfunden scheint und doch der Wirklichkeit entstammt.
Nicht ganz einfach ist es für uns Nachgeborene, den Grenzlagen im Osten zu jener Zeit zu folgen. Die Bukowina, Galizien, Lemberg, Czernowitz und viele andere Orte gehörten vor dem Krieg zu Österreich / Ungarn oder Polen.
Nach dem Krieg entstand eine vollkommen neue Gebietsordnung, die eine ganze Region zu einem zum Ostblock gehörenden Ganzen verschob.
Der Autor hat viele Jahre um die Veröffentlichung dieses Romans gekämpft. Inzwischen ist er ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Autor, der heute in Berlin lebt.
Dieser Roman ist neu aufgelegt nach Ausgaben von 1997 und 1999 tb.