Über die deutsche Revolution von 1918 und die Republik von Weimar ist viel geschrieben worden, über den unmittelbaren Sturz der Bundesfürsten schon weit weniger, sieht man von den Lebenserinnerungen damals direkt oder indirekt Betroffener aber, die aus nachvollziehbaren Gründen nicht objektiv sein können.
Nun versucht sich Lothar Machtan an dem Thema und er macht seine Sache nicht schlecht. Zunächst einmal erweitert er die Betrachtung, denn während die Vorgänge, die zur Abdankung Wilhelms II. führten, relativ geläufig sind, trifft dies für die Absetzung seiner 19 bundesfürstlichen Kollegen schon weit weniger zu. Da kommt einiges an's Licht, was dem Publikum in den letzten neunzig Jahren aus den Augen geriet. So war z.B., jenseits der Weihrauchwolken die um Ludwig II. verbreitet wurden, die Stellung der Wittelsbacher in Bayern weit unsicherer als heute gemeinhin propagiert.
Auf die entscheidende Frage, warum eben nicht nur Wilhelm II., der für den Kriegsverlauf zweifellos mitverantwortlich war, sondern auch die übrigen deutschen Fürsten, die weitaus weniger involviert waren, stürzten, gibt Machtan durchaus einleuchtende Antworten:
1. Das vermeintlich göttliche Recht der Fürsten, zu herrschen, war Anfang des 20. Jahrhunderts längst zu einem Gewohnheitsrecht degeneriert, das, einmal in Frage gestellt, sang- und klanglos aufgegeben wurde.
2. Die Charaktereigenschaften der 1918 regierenden Fürsten waren offenbar nicht dergestalt, daß die Bestrebungen, sie abzusetzen, auf energischen Widerstand der Regierten gestoßen wären.
Der teilweise vorherrschende, mokante Ton macht das Buch streckenweise amüsant zu lesen, offenbart aber auch seine Schwäche. Im Falle Wilhelms II. fällt der Autor weitgehend auf gängige Klisches herein und wühlt etwas zu ausgiebig in Pamphleten von Personen aus der Umgebung des Kaisers, die nach 1918 aus Rechtfertigungszwang entstanden. Die Abqualifizierung praktisch des gesamten Führungspersonals von 1918 als Nullen läßt die Tatsache außer Acht, das wir seitdem mit unserem politischen Personal kaum besser gefahren sind, von den sogenannten wirtschaftlichen "Eliten" gar nicht zu reden ...
Insofern wäre eine abgeklärtere Sicht der Dinge, auch wenn sie den Verzicht auf einige unterhaltsame Spitzen bedeutet hätte, der Sache dienlicher gewesen. Deshalb nur drei Sterne: interessant zu Lesen, aber nicht in allen Bereichen zuverlässig.