Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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225 von 232 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der "Arbeitnehmer" als Auslaufmodell, 28. März 2008
Tim Ferriss' Buch ist schwer verdaulich: weil die meisten Menschen nicht hoffen können, als Arbeitnehmer den größten Teil ihrer Arbeitszeit auf wirklich erfüllende Aufgaben zu verwenden, sollte man die Zeit fürs reine Geldverdienen auf das nötigste beschränken - daher der Buchtitel. De gewonnenen Freiheiten kann man dann in etwas investieren, was einen wirklich begeistert.
Anders als viele denken geht es also nicht darum, 4 Stunden / Woche zu arbeiten und dann am Stand zu liegen. Im Gegenteil: was man mit seiner Freiheit/Freizeit anfangen will, das herauszufinden und umzusetzen kann wesentlich anstrengender werden als ein Routinejob.
Tim Ferriss schlägt 4 Phasen vor, mit dem Merkwort DEAL:
*D*efinition: finde heraus, was Du (nicht) willst, was Du befürchtest und mit welchen Ängsten Du notfalls leben kannst
*E*limination: eliminiere beim reinen Geldverdienen alle Zeit- und Produktivitätsfresser, sonst kannst Du Deine reine Arbeitszeit nie vernünftig minimieren
*A*utomatisierung: konzentriere Dich auf Deine Stärken und lasse andere das machen, was Zeit kostet und worin Du selbst nicht gut bist und auch nicht gut sein willst; koordiniere alles so, dass Du es möglichst unabhängig von zeit und Ort managen kannst (Outsourcing ist nicht nur für Unternehmen gedacht)
*L*iberation: Nutze Deine neuen Freiheiten, finde preiswerte Möglichkeiten, neue Orte auf der Welt kennen zu lernen und investiere Zeit in die Dinge, die Dich wirklich begeistern; tu Gutes.
Das Buch ist nicht wirklich als Konsumgut oder Zwischendurch-Lektüre gedacht, denn Ferriss fordert seine Leser. Wer gute Geschäftsideen (Goldesel) oder ein Lobpreis des reinen Nichtstuns erwartet, wird sicher enttäuscht. Alle anderen werden anfangen, über das Arbeitnehmerdasein nachzudenken. Nicht nur über oft sinn-lose Arbeit, sondern auch über scheinbare Sicherheiten, die sich mehr und mehr in Luft auflösen.
Schönes Plus der deutschen Ausgabe, verglichen mit der englischen (habe beide gelesen): alle Online-Links (und es gibt viele!) wurden durchgesehen und wo immer möglich mit deutschen Äquivalenten ersetzt.
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218 von 228 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Lebe deine Träume, 24. August 2008
Das Buch "Die 4-Stunden Woche" von Tim Ferriss ist eine interessante Mischung aus
* (teils fernöstlichen) philosophischen Erkenntnissen über Leben und Glück
* Extrakten modernen Zeitmanagements mit angewandter Prozessoptimierung und Indien-Integration
* Anleitung für ein Internet-Start-Up mit geringstem Aufwand und
* eine gute Portion augenzwinkernder "Smartheit" vermengt mit gesundem Menschenverstand.
Klingt etwas verrückt? Ist es zunächst auch, aber nichts anderes suggeriert ja auch der Titel. Von einer 4-Stunden-Woche dürften die meisten durchschnittlichen Arbeitnehmer und auch Unternehmer so weit entfernt sein wie Tim Ferris von einem 9-to-5-worker.
Ferriss ist 1977 geboren, Self-made-Unternehmer, Weltenbummler und Bestseller-Autor. Der Klappentext sagt zu Ferris Initiation: "Während er fünfzehn Monate durch die Welt reiste merkte er, dass er seine Firma nebenbei in 4 Wochenstunden führen kann. Die gewonnene Zeit nutzte er u.a., um in Berlin Deutsch zu lernen und in Argentinien bis zur Guinness-Buch-Reife Tango zu trainieren." Außerdem erfährt man im Buch, dass Ferriss diverse Kampfsportarten beherrscht, boxt, Motorradrennen fährt und in Mini-Auszeiten die Welt bereist und dabei Sprachen und alles mögliche andere lernt. Eins wird recht schnell klar: Ein Durchschnittstyp, der gern auf dem Sofa liegt und ein Buch liest, ist das bestimmt nicht. Eher jemand, der sein Leben schon immer aktiv selbst in die Hand genommen und dabei einige wichtige Erfahrungen gesammelt hat.
Im Buch wird erklärt, wie man sich in den Schritten
D efinition
E liminieren
A utomation
L Liberation
aus dem Joch eines in einem Job festgezurrten, unbeweglichen und langweiligen Leben befreit. Wer will schon jahrelang unzufrieden und unglücklich buckeln, um dann in der Rente festzustellen, dass er entweder zu wenig Geld oder gar keine Lust mehr hat, sein Leben zu genießen? Und wer unternimmt WIRKLICH etwas dagegen, anstatt nur darüber zu jammern oder es schweigend hinzunehmen, dass es ja nun mal irgendwie so sein muss?
Darum geht es Ferriss - es gibt nur dieses eine Leben, und es ist einfach zu schade, es für etwas zu opfern, das man eigentlich gar nicht machen will. Es gibt so viele andere schöne Dinge im Leben, man muss sich nur trauen, seine Träume überhaupt wieder zuzulassen und aus dem Traum mit einer konkreten Vorgehensweise Realität zu machen. Und das ist die zweite wichtige Botschaft des Buches: Yes you can. Dafür hat Ferriss sich wirklich bemüht, nicht nur auf einer abstrakt philosophischen Ebene eines Standard-Motivationsbuches zu predigen, sondern konkrete Vorgehens-Ideen (natürlich anhand seiner eigenen noch gar nicht so langen Lebensgeschichte) zu liefern.
Es steht viel Richtiges in diesem Buch: Sein Leben muss man selbst in die Hand nehmen, und der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt. Es gibt nichts Gutes außer man tut es. E-Mails, Meetings, Telefonate sind häufig überflüssige Zeitfresser. Produktivität lässt sich mit einem konsequent eingesetzen Pareto-Prinzip um Größenordnungen erhöhen (z. B. konzentriere dich auf die 20% Kunden die 80% deines Umsatzes machen). Nach dem Parkinson-Gesetz dauert das Projekt immer exakt so lange wie Zeit dafür ist. Die wirklich wichtigen Dinge sind selten bequem, also raus aus der Komfortzone. Was ist das Schlimmste was Ihnen passieren könnte. Wenden Sie Sandwich-Kritik an. Und so weiter. Das ist alles nichts bahnbrechend Neues - Tim Ferris hat es nach 15-Stunden-Tagen als Unternehmer und einem Nervenzusammenbruch aber für sich in der Praxis entdeckt.
Es sind auch interessante Ideen dabei, die sich nach mehrmaligem Nachdenken durchaus als nützlich erweisen können. Die Idee, einen persönlichen Assistenten in Indien anzuheuern, an den man für 10 Dollar die Stunde unangenehme Arbeiten delegiert, könnte eine davon sein. Die recht radikalen Ansichten zur "Informationsdiät" könnten eine Rettung für alle sein, die in E-Mails, Telefonaten und Meetings ertrinken und dabei eigentlich gar nichts mehr schaffen.
Für alle, die das Gefühl haben, in ihrem Bürojob langfristig absterben zu müssen und eigentlich viel lieber in den Alpen Fallschirm springen, einen Weltrekord im Bäumesägen in der Schweiz erringen oder in China ein gemeinnütziges Unternehmen gegen Umweltverschmutzung gründen wollen, ist dieses Buch eine Bereicherung und vielleicht auch der Anstoß, endlich den Sprung zu wagen.
Der für mich größte Kritikpunkt an dem Buch sind die Annahmen, die im stillschweigend getroffen werden:
* Jeder sollte Unternehmer werden und sein Unternehmen so gestalten, dass es automatisch mit geringstem Aufwand Geld abwirft, mit dem man sich dann seine Lebensträume finanziert.
* Die meisten hassen ihre Bürojobs, eigentlich wollen sie viel lieber Weltreisen machen, Skifahren in den Anden, in Japan Bus fahren etc., aber trauen sich.
Beide Annahmen passen sehr gut auf Menschen "seines Schlages", aber die Welt besteht nicht nur aus abenteuerlustigen Unternehmern à la Ferriss. Meine Befürchtung wäre, dass keiner mein Buch "Wie ich unbedingt Neureicher Weltenbummler werden wollte aber irgendwie nicht so cool wie Tim Ferris war" lesen möchte, von dem ich dann meinen Lebensunterhalt finanzieren müsste ;-)
Im Ernst: Ferris ist meiner Ansicht nach ein ESTP (MBTI Kenner wissen was ich meine, die anderen verweise ich auf das Buch "Please understand me"). Im Kern also ein SP, ein Jäger, einer der ständig neue Herausforderungen sucht, der nicht Ruhe gibt und mit seiner enormen Energie und Umsetzungsdrang die für ihn wichtigen Dinge umsetzt.
Ich bin eher skeptisch, wenn jemand mit einer "Glücksformel" daher kommt. In den USA sind Bücher der Art "In 100 Tagen Millionär" der Renner, vermutlich kommt jeden Monat ein solches Buch auf den Markt. Das zeigt zumindest, dass die Menschen nach Konzepten zur Verwirklichung ihrer Träume suchen, wenn auch die wenigsten die Ratschläge wirklich umsetzen werden (können). Dass das Buch "4-Stunden-Woche" heißt, verdeutlicht aber, dass Ferriss einen etwas anderen Weg geht: Du brauchst keine Million, du brauchst nur soviel Geld um deine Träume zu leben - und die erstaunlicherweise manchmal deutlich billiger als eine Mietwohnung.
Trotz aller Kritik hat das Buch daher auch seine Berechtigung: Wer nicht nur für eine empfundene Tretmühle leben möchte (als Arbeitnehmer oder Unternehmer) und sich vorstellen kann, dafür mit seinen gewohnten Denkweisen zu brechen, findet im Buch konkrete Ansätze für eine "Flucht". Ferriss ist den Weg gegangen und hat dabei etwas über Bord geworfen, was die meisten seiner Leser davon abhalten wird, sein Leben einfach nachzuleben: Die Angst zu scheitern.
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43 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Leben in die eigenen Hände nehmen: Leidenschaftliches Plädoyer gegen die Fremdbestimmung, 31. Juli 2008
Manche Leser werden dies Buch nicht verstehen, denn sie sind der festen Überzeugung, daß der Mensch dazu geschaffen ist, zwecks Vermehrung des Profits Dritter (einschließlich eines ineffizienten Staates) seine Lebenszeit in einer mit netten Accessoires dekorierten Tretmühle aufzubrauchen. Das Leben wird auf zwei oder drei Wochen Urlaub reduziert und ansonsten auf den Ruhestand verschoben, den viele dann gar nicht erst erleben.
Wie ein jeder sich sein Leben gestaltet, muß er selbst entscheiden. Aber damit sind viele bereits überfordert.
Daß sie eine Entscheidungsfreiheit haben, ist vielen Menschen nicht mehr bewußt. Sie sind ihren eigenen Wünschen entfremdet, ihre Vitalität erstickt. Freiheit bedeutet, das zu tun, was für einen wesentlich ist. Das Leben selbst, das Entdecken der Welt und der eigenen Möglichkeiten und Grenzen: Weg und Ziel zugleich.
Geld ist eine Resource, die zur Freiheit verhelfen kann - oder die Sklaverei mit anderen Mitteln fortzusetzen. Für kluge Menschen ist Geld wie Benzin: ohne Treibstoff bleibt das Auto stehen. Ist es ein gutes Gefühl, im Auto zu sitzen und sich von anderen abschleppen zu lassen? - Ich finde nicht. Es muß nicht viel Geld sein, aber immer ein wenig mehr als genug.
Wenn man seine Bedürfnisse so weit reduziert, daß man überhaupt kein Geld braucht, kann man ins Kloster gehen als Mönch oder Nonne. Warum nicht, wenn man das will?
Wer auf das Materielle nicht verzichten kann, geht arbeiten, weil das die meisten anderen auch tun; hinterfragt wird das von der überwiegenden Mehrheit nicht. Und man arbeitet meist für andere, vor allem aber gegen sich selbst. Diese anderen arbeiten selbst genauso viel oder noch mehr, benutzen das verdiente Geld aber nicht zur Vermehrung ihrer Freiheit, sondern für ein erhöhtes Konsumniveau - bei den sogenannten Reichen sind die Gimmicks bloß teurer, nicht nützlicher. Der Drang gesunder Menschen nach Freiheit und Selbstverwirklichung wird kanalisiert und auf die Mühlen des verdummenden Konsums umgelenkt.
Es mag paradox klingen, aber ich bin zutiefst davon überzeugt, daß diese Welt ein besserer Ort für alle wäre, wenn möglichst viele Menschen einfach nur das tun würden, was sie WIRKLICH wollen, nicht, was ihnen eingeredet wird. Die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, das herauszufinden, und daher ist selbstbestimmtes Leben die seltene Ausnahme, denn selbständiges Denken wird in unserem System (mit institutionalisierter Bildung und Medien, die nur dem Profit und der Ablenkung vom Wesentlichen dienen) nicht gefördert, sondern gezielt verhindert.
Die Prioritäten des Lebens für sich selbst zurechtzurücken, seinen eigenen Weg zu finden, dazu ermutigt dies Buch. Wer zu feige oder fantasielos dazu ist, soll und wird es lassen und weitermalochen. Den anderen kann dies unkonventionelle Buch manche Anregung geben, auch wenn die vorgestellten Konzepte nicht für jeden und von jedem umsetzbar sind.
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