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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Erstling noch nicht besonders kraftvoll, 23. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Die 27ste Stadt (Gebundene Ausgabe)
Der mit seinen "Korrekturen" bei uns bekannt gewordene Franzen ist hierzulande nun auch mit seinem Erstling "Die 27ste Stadt" zu lesen. Schade, dass man ihm das auch anmerkt. Die nicht so ganz fiktive Stadt St. Louis ist einziger Erzählort. Eine Inder-Mafia, angeführt von der Polizeichefin Jammu, nimmt sich vor, die bestehende Ordnung zu stören, um aussergewöhnliche Gewinne aus Grundstücksgeschäften realisieren zu können. Das Spannende daran ist, dass die Unterwanderung der biederen, bürgerlichen Oberschicht nicht durch Attentate und Entführungen gelingen soll, sondern durch das Gift des Stachels "Krise". Auf fast hundert Seiten der insgesamt über sechshundert entwickelt sich schon so etwas wie Krise bei den örtlichen Unternehmern und deren Familien, die die Geschicke der Stadt bislang bestimmten. Nur einer widersteht allen untugendhaften Angriffen, der Bauunternehmer Martin Probst ist der gute Mensch von St. Louis - und bleibt es bis zum Schluss. Das ist also die Umkehrung aller Werte: die Polizeichefin ist die Femme fatal, der Bauunternehmer der saubere, familienpflegende Gute. Am Ende geht doch alles schief. Es gibt viele Tode und die Moral siegt nicht. Wäre es anders, wäre der Roman noch mehr Märchen. Teilweise verliert man den Überblick über die vielen auftretenden Figuren, man muss also schon zügig durchlesen. So lebendig beschrieben wie die Protagonisten bei den Korrekturen sind die Handelnden in der 27sten Stadt nicht. Das Subtile des Heraufbeschwörens einer Krise als Waffe, im Gegensatz zu Bomben und Gewehren, macht anfangs sehr neugierig und man sucht Parallelen in der hiesigen Stadt oder Landespolitik. Leider entscheiden sich die Figuren im Roman dann immer mehr für die traditionellen Vorgehensweisen: Bomben, Entführung, Mord. Franzen hat sich längst weiterentwickelt, sein letzter Roman ist halt besser, als sein erster. Das soll nicht wundern. Also freuen wir uns auf seinen nächsten, seinen wirklich nächsten allerdings. Der Verlag wird, um die Wartezeit zu verkürzen wohl inzwischen seinen Zweitling "Strong Motion" herausbringen. Aber auch der müsste schon besser sein als die 27ste Stadt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Hilfe, die Inder kommen!, 3. März 2005
Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts prophezeite man St. Louis eine glänzende Zukunft als bedeutendster Metropole Amerikas voraus. Doch in den Achtziger Jahren ist es eine Stadt des Verfalls, auf Platz 27 der amerikanischen Städte abgerutscht. Das will S. Jammu, der Export aus Indien, ändern. Mit sich bringt sie die besagte Braut des reichsten Junggesellen aus St. Louis und zahlreiche weitere Helfer, die für sie Bomben legen, damit das rasche Zupacken der Polizeichefin ihr einen Ruf verschafft, für sie Intrigen spinnen, die Frauen und Töchter der einheimischen Oberschicht verführen, um damit die Männer psychisch zu destabilisieren und auch sonst alles tun, was man von klugen Indern erwartet, von dem ein guter Amerikaner ja weiß, dass sie intrigant und reich sind. Ein Mix aus Abhöranlagen, Bombenanschlägen und sexueller Verführung sucht die führenden Familien der Stadt und den Leser heim, langsam bildet sich ein unzugänglicher Dschungel aus Korruption und Verschwörungen. Gut geschrieben ist das Buch, mancher, der St. Louis kennt, mag die Strukturen erkennen, die Personen sind teilweise stimmig und doch lässt das Werk einen schalen Geschmack zurück. Haben sich keine weißen Bösewichter gefunden, keine einheimischen Intriganten für diese Kolportage? Mag sein, dass es ironisch gemeint war, doch davon bekommt der Leser nichts mit, außer einer Geschichte, die vor Unwahrscheinlichkeiten strotzt wie so mancher anderer Thriller, nur dass hier einfach die Spannung fehlt. Kein Wunder, dass es erst jetzt übersetzt wurde und hätte Franzen mit seinen „Korrekturen" nicht Furore gemacht, wäre dieses Werk in Deutschland immer noch unbekannt. Niemand hätte es vermisst. Dass Rowohlt das Buch herausgebracht hat, mag vom ökonomischen Standpunkt verständlich sein, aber es ist ganz sicher kein Buch, das man unbedingt lesen sollte. (C) Hans Peter Roentgen
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Bemerkenswerter, noch unausgereifter Erstling, 23. April 2007
In seinem 1988 erschienenen Debut beschreibt Franzen vor dem Hintergrund typischer Motive der 80er Jahre wie Verschwörung, Überwachung und Verfall der Städte eine fiktive Verschwörung indischer Immigranten und deren Auswirkungen auf das Leben der führenden Familien in St. Louis. Andere Leitmotive wie Terror und die Angst vor Überfremdung oder Doppelmoral gewinnen durch die Ereignisse im neuen Jahrtausend eine Aktualität, die sie vermutlich nicht einmal zu Zeiten der Entstehung dieses Romans hatten, was einen Großteil des durchaus vorhandenen Reizes ausmacht. Dennoch würde ich das Werk nicht dem Genre Gesellschaftsroman zuordnen, da die Schilderung von Milieus und Existenzen doch oberflächlich bleibt und kein ganzheitliches Zeitbild zeichnet. Auffallend finde ich bereits hier Franzens Fähigkeit, große Zusammenhänge zu komponieren und einen farbigen, fast übervollen Rahmen für seine Geschichte zu erschaffen. Virtuos wechselt er zwischen Zeiten und Erzählperspektiven, auch wenn manche Wechsel arg ruckartig vonstatten gehen. Leider weist Franzens Roman aber auch einige überraschend deutlichen Schwächen auf. So werden viele der Charaktere zwar ausführlich beschrieben, wirken aber seltsam blutleer und leblos, wie z.B. Jammu, die Polizeichefin, die ja eine zentrale Rolle spielt. Gerade auch die Motive, die die umtriebige Jammu und ihre indischen Freunde zu den intriganten Umtrieben veranlassen, bleiben letztendlich unklar, wenn man von sekundären Gründen (wie Gewinnen aus Immobilienhandel) absieht, die ja kaum der Grund für eine derart umfassende Verschwörung ausgerechnet in St. Louis sein können. Darunter leidet der gesamte Roman, dessen Fortgang oft nicht plausibel oder gar zwingend wirkt. Spießer brechen aus, Junkies handeln durchdacht wie Schachspieler, Mörder zeigen Sanftmut und Verschwörer zögern; von diesen - einzeln unbedingt erzählenswerten - Widersprüchen gibt es leider zu viele, da das Innenleben der Hauptpersonen trotz aller Erläuterungen kaum nachvollziehbar bleibt. Trotz meiner kritischen Anmerkungen muss ich aber zugeben, dass ich die 672 Seiten in wenigen Tagen verschlungen hatte, da das Sammelsurium an Personen einfach zu schillernd und farbig ist, um den Leser kalt zu lassen. Obwohl noch keineswegs auf dem Niveau von ,Korrekturen`, ist der Roman meiner Meinung nach unbedingt lesenswert - auf ,Schweres Beben` bin ich bereits gespannt.
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