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Zu Beginn des Filmes ist die Verhandlung eines scheinbar leicht zu den Akten zu legenden Falles -- ein junger Puertoricaner wurde beschuldigt, seinen Vater mit einem Messer ermordet zu haben -- gerade abgeschlossen. Die zwölf Geschworenen haben sich in ihren winzigen, drückend heißen Beratungsraum zurückgezogen, um über den Urteilsspruch zu entscheiden. Als die Stimmen gezählt werden, plädieren 11 Männer für schuldig, nur einer -- gespielt von Henry Fonda (Spiel mir das Leid vom Tod, Der längste Tag), der wieder einmal die Rolle des liberalen, die Wahrheit suchenden Helden verkörpert -- zweifelt am Offensichtlichen. Indem er das Prinzip des angemessenen Zweifels ausreizt, beginnt Fonda langsam, die anderen Geschworenen zu verunsichern. Denn jene repräsentieren einen Mikrokosmos der weißen, männlichen Gesellschaft, und nun werden ihre Vorurteile und ihre vorgefassten Meinungen, die sie zu ihrem schnellen Urteil führten, bloßgestellt.
Das straffe Drehbuch stammt von Reginald Rose (Die Wildgänse kommen), der es nach seinem eigenen Fernsehspiel verfasste. Es stellt jeden der Geschworenen durch die lebendige Verwendung von ausführlichen Selbstgesprächen dar, welche die makellose Besetzung (darunter Lee J. Cobb, Die Faust im Nacken und Martin Balsam, Die Unbestechlichen) gekonnt darstellen. Dennoch ist es Lumets klaustrophobische Regieführung -- schweißtreibende Nahaufnahmen und enger Bildaufbau in einer Kulisse, die allein aus einem Raum besteht -- die diese ausgeklügelte Geschichte zu einen explosiven und zwingenden Film macht, der den Zuschauer vor Spannung an den Nägeln kauen lässt. --Dave McCoy
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Wenn es einem Film, der nahezu über seine komplette Dauer in einem einzigen Raum spielt, der also ohne visuelle Effekte - von denen ja die meisten Filme leben - auskommen muss, gelingt, den Zuschauer nur aufgrund der Dialoge und der ausgetauschten Argumente derart zu fesseln, das sagt eine Menge aus.
Die Geschichte ist schnell erzählt. 12 Geschworene sollen über das Schicksal eines jugendlichen Angeklagten befinden, der seinen Vater ermordet haben soll. Im Fall eines Schuldspruches droht die Todesstrafe. Die 12 Geschworenen müssen zu einem einstimmigen Urteil gelangen !
Der Film beginnt nach der Gerichtsverhandlung mit den Baratungen der Geschworenen. Den verdächtigen Jungen oder die vernommenen Zeugen bekommt der Zuschauer nicht zu sehen (jeder durchschnittliche Film hätte dies mit Sicherheit gezeigt). Zu Beginn der Verhandlungen wird klar, dass 11 der zwölf Geschworenen den Verdächtigen für den Mörder und den Fall für eine glasklare Sache halten. Lediglich einer "tanzt aus der Reihe" und stimmt für "unschuldig", nicht, weil er den Jungen tatsächlich für unschuldig hält, sondern, weil er nicht über das Leben eines jungen Menschen in so kurzer Zeit entscheiden will, ohne ausführlich darüber beraten zu haben.
Im Laufe des Films werden Argumente für und gegen die Schuld des Angeklagten ausgetauscht, und immer mehr Geschworene werden auf die Seite des Geschworenen Nr. 8 gezogen und stimmen für "unschuldig".
Es ist faszinierend, wie Regisseur Lumet die einzelnen teilw. sehr unterschiedlichen Charaktere der Geschworenen herausarbeitet, und der Zuschauer sich mal mit dem einen, mal mit dem anderen identifizieren kann. Sehr wohltuend ist, dass Henry Fonda als Geschworener Nr. 8 nicht als der überragende Gutmensch, der allen anderen moralich überlegen ist, dargestellt wird. Vielmehr werden die Sympathien des Zuschauers auf viele verschiedene Geschworene verteilt.
Am Ende steht ein Urteil (man kann sich schon denken, welches - aber das darf man auch getrost verraten). Die Frage, ob der Junge nun der Täter war oder nicht, wird nicht beantwortet, sie ist auch unbedeutend. Es geht um die Allgemeingültigkeit des Prinzips "Im Zweifel für den Angeklagten".
Allen, die diesen Film noch nicht kennen sollten, kann ich nur empfehlen, sich mal für einen "richtig alten Schinken" zu entscheiden, man wird es wahrlich nicht bereuen.
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