Ich bin ein großer Freund der Reihe »Die 101 wichtigsten Fragen«, da das Format auf sehr angenehme und unterhaltsame Weise fundierte Wissensvermittlung erlaubt, ohne dabei zu nüchtern und trocken zu sein. Insgesamt werden - wie der Name bereits sagt - 101 Fragen gestellt sowie Antworten auf diese gesucht, manchmal gefunden, manchmal nur eingekreist. Die Auswahl an Fragen in dem Band über Japan ist dabei sehr gelungen; eigentlich ist keine uninteressante dabei. Die Antworten sind dazu nicht schwammig, sondern nachvollziehbar beschrieben.
Die Fragen werden unterteilt in die elf Bereiche Geschichte (13 Fragen), Geographie (5), Umwelt (4), Religion (8), Sprache (6), Bevölkerung (7), Gesellschaft (14), Wirtschaft (12), Politik (12), Technik (9) und Kultur (11).
Ob es sich dabei wirklich um die wichtigsten Fragen handelt, sei dahingestellt. Das wird ohnehin jeder - je nach Interessenlage - anders empfinden. Sie schaffen aber einen guten Überblick über die verschiedenen Bereiche, was das Buch auf jeden Fall empfehlenswert macht.
Der Text wird dazu mit 5 Abbildungen in schwarz-weiß geschmückt, die allerdings keine vertiefenden Infos bieten, sondern eher zur Veranschaulichung dienen. Weiterhin gibt es am Anfang des Buches eine Abbildung, auf der Japan, unterteilt in seine Präfekturen, zu sehen ist. Das ist sehr nützlich, aber nur etwas für Leute mit guten Augen. Am Ende des Buches gibt es darüber hinaus eine weitere, auf der Ostasien abgebildet ist, die dabei aber ohne viele Details auskommen muss. Nur nützlich für jene, die während der Lektüre (noch) einen groben Überblick über die Lage der Länder Ostasiens brauchen.
Werden im Text Statistiken angeführt, bleiben sie so gut wie nie ohne Vergleich. Meistens wird hierzu Deutschland herangezogen, sodass man sich ein gutes Bild machen und die Werte passend einordnen kann. Das Buch ist Anfang des Jahres herausgekommen und - mit einer sehr bedeutenden Ausnahme - somit recht aktuell, viele Quellen und Statistiken kommen aus dem Jahr 2010 (so wird bspw. auch Haruki Murakamis Roman »1Q84« vier Zeilen gewidmet).
Wäre es einige Monate später erschienen, wäre die Katastrophe in Fukushima wohl nicht nur in einer eigenen Frage behandelt worden, sondern hätte dazu sehr viele der anderen Aspekte (Umwelt, Autarkie, Schneller Brüter) stark geprägt. In den davon nicht betroffenen Bereichen dürfte das Buch jedoch nach wie vor aktuell sein. [EDIT: Ich sehe gerade, dass das Autorenduo bereits ein Buch über
Fukushima geschrieben hat, das im September 2011 erscheinen wird.]
Dass für diesen Band neben der mir unbekannten Autorin Judith Stalpers auch Florian Coulmas gewonnen werden konnte, fand ich recht ansprechend, da ich bereits sein Buch
Hiroshima - Geschichte und Nachgeschichte sehr gelungen, übersichtlich, gut geschrieben und informativ fand. Das gilt auch für »Die 101 wichtigsten Fragen« zu Japan.
Einziger Wermutstropfen (abgesehen von der nicht mehr in jedem Bereich geltenden Aktualität): Die im Inhaltsverzeichnis angegebenen Seitenzahlen passen nicht, da sie durchgängig verrutscht sind.