Eigentlich eine spannende Grundidee - Beethoven eine 10. Sinfonie anzudichten, die er der unbekannten Geliebten gewidmet hat und die seither verschollen ist. Im Zentrum steht ein junger Musikwissenschafler, der sich eigentlich mehr um seine schwangere Freundin als um Beethoven kümmern sollte, dies aber nicht tut - Prognosen für diese Beziehung dürfen abgegeben werden!
Die Idee, es könnte diese 10. Sinfonie geben, fasziniert ihn, wem ginge das nicht so! Dann wird der gute Daniel in einen Mordfall hineingezogen, denn der Dirigent, der den 1. Satz zu Gehör brachte, wird ermordet. Klar, so ein Manuskript würde auf dem Markt einige Millionen bringen... Entsprechend gibt es einige Interessenten. Übrigens wird im Roman nicht nur eine unbekannte Sinfonie gefunden, sondern gleich auch noch ein bisher unbekanntes Porträt des Komponisten.
Der Roman beginnt wirklich sehr spannend, verliert dann aber doch schnell an Spannkraft und Zug: da rollt weitgehend ein Standard-Krimi ab, ganz ordentlich geschrieben, ohne große Aha-Effekte, die musikwissenschaftlichen Infos sind nett dazwischengepackt. Das Ende ist, nun ja, auf englisch würde man sagen, "it suck's". Herr Gelinek hat hier den "deus ex macchina" bemüht, und das sogar doppelt - mit anderen Worten, der Schluß ist an den Haaren herbeigezogen und vollends albern. Man legt das Buch zur Seite und fragt sich, "wozu nun eigentlich der ganze Aufwand?"
Hinter diesem Pseudonym Gelinek steckt übrigens ein Musikwissenschaftler - und das merkt man dem Buch auf jeder Seite an. Anders gesagt: der Autor hat von Musik deutlich mehr Ahnung als von Charakteren und dem spannenden Aufbau einer Handlung. Es ist zuviel konstruiert, nicht wirklich glaubwürdig, zu schematisch im Ablauf. Außerdem denke ich, daß Leser/innen, die von klassischer Musik weniger Ahnung haben oder sich dafür nicht so interessieren, die ziemlich ausgedehnten musikalischen Passagen einfach als "too much" empfinden. Und wenn man die alle überblättert, könnte man genauso gut nur die Hälfte des Buchs kaufen... Also eher was für die Freunde der Wiener Klassik.