Wieder einmal ist es Jana passiert, dass sie mit Hilfe ihrer Wut ein schattenhaftes Wesen erschaffen hat, dass sich in der realen Welt Gestalt annahm. Sie hat beobachtete, wie ein Lehrer eine Schülerin verführt hat. Eine solche Manifestation hat sie nicht zum ersten Mal durch Gedankenkraft hervorgerufen und nachdem sie den Schulpsychologen besuchen musste, ahnt sie schon, was als nächstes folgt: Sie muss wieder einmal die Schule wechseln. Doch bisher war es so, dass Jana mit ihren Eltern gemeinsam in eine andere Stadt umgezogen ist, nun kommt sie auf ein Internat.
Doch dort ist es ganz anders, als sie erwartet hätte. Nicht nur, dass das Gelände eine alte Kaserne ist, Herr Bücher, der Schulleiter, testet sie mit einem EEK und weiß von ihren Fähigkeiten! Schnell erfährt Jana, dass alle Schüler besondere, übersinnliche Fähigkeiten haben. Sie können Gegenstände mit ihrer Willenskraft bewegen, Tiere beeinflussen, haben Visionen und vieles mehr. Jana ist nicht mehr allein. Trotzdem findet sie nicht sehr schnell Freunde, denn auch das Misstrauen ist an dieser Schule sehr hoch. Erst recht, als immer mehr merkwürdige Dinge passieren, ist es für alle schwer, sich jemandem anzuvertrauen. Immerhin hat Jana in Dorian einen echten Freund gefunden, in den sie sich schnell bis über beide Ohren verliebt hat, so fällt es ihr leichter einzusehen, dass sogar ihre Albträume Realität werden und sie nicht steuern kann, was ihre Fähigkeit anrichtet.
"Die Übersinnlichen" ist ein Roman, der sich zwar mit magisch anmutenden Kräften beschäftigt, dabei aber trotzdem die Menschen klar in den Mittelpunkt stellt. Die Autorin Susanne Rauchhaus erzählt eine Geschichte von Jugendlichen, mit denen man sich schnell identifizieren kann. Es richtet sich vor allen Dingen an die Altersgruppe, von der sie auch erzählt. Man muss zwangsläufig an andere Geschichten oder Filme denken, in denen diese Idee bereits aufgegriffen wurde, zum Beispiel an "X-Men", wo eine Schule von übersinnlich Begabten Kindern vorkommt. Trotzdem hebt sich der Roman wohltuend von dieser Art Geschichten ab, denn er stellt eben nicht die Fähigkeiten in den Vordergrund, die trotzdem eine große Rolle spielen.
Die Protagonisten Jana ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, sie leidet sogar unter ihrer Fähigkeit. Am liebsten wäre sie wie alle anderen und sieht das, was sie an, eher als Fluch an, den als Gabe. Viele Zweifel, die sie hat, sind jedoch jedem jungen Erwachsenen in Janas Alter bekannt. Der Autorin gelingt es, genau das in den Fokus der Erzählung zu rücken, was wirklich wichtig ist: Liebe und Freundschaft. Dabei verliert sie die übersinnlichen Begebenheiten aber zu keiner Zeit aus den Augen. Gerade das Ende des Buches quillt fast über von einer Fülle an unerwarteten Dingen, die passieren, trotzdem wirkt alles plausibel und nicht übermäßig übertrieben. Man kann sich gut vorstellen, dass in einer Schule, wie sie Jana besucht, genau solche Dinge passieren könnten.
Der Roman ist bis zur letzten Seite extrem spannend. Auch wenn man immer wieder Anhaltspunkte für die Lösung des Rätsels geliefert bekommt, ist man doch nicht in der Lage das Geschehen wirklich zu durchschauen. Mit Jana gemeinsam muss man auf eine Entdeckungsreise gehen, die durchaus gefährlich werden kann. "Die Übersinnlichen" erweist sich als echter Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen mag. Spannung und ein Hauch Romantik sorgen genau für die richtige Mischung.