Schon wieder ein Buch über Doping? Der nächste der nur die alten Argumente ewig wiederholt und die ach so bösen Athleten verteufelt? Nein, dieses Buch bietet endlich mal eine neue Perspektive auf ein immer aktuelles, aber eben auch altes, nichtsdestotrotz hochspannendes Problemfeld.
Anfangs werden zwar wie in vielen anderen Publikationen die Grundlagen des Dopings behandelt (Was ist Doping? Wie wird gedopt?), diese sind jedoch sehr gut recherchiert, kompakt formuliert sowie interessant und neuartig kommentiert. Die vielen Fallbeispiele nehmen diesem Grundlagenkapitel jede Trockenheit. Selten, dass Grundlagen über ein Thema einen prickelnden Beigeschmack hinterlassen. (Hoffentlich verträgt der alte Schlauch auch Perlwein aus! ;-) ).
Absolutes Novum bietet der Teil über Dopingmärkte, der auch das "Ökonomie" im Titel begründet. Bisher - ich habe als "Fan" der Problematik schon einiges zu Doping gelesen - hat sich noch keiner intensiv mit dem Markt für Dopingprodukte beschäftigt. Wirklich spannend wie der Autor die Akteure auf dem Markt, die Strukturen des Marktes und die Abläufe beschreibt und analysiert. In einem ökonomischen Verhaltensmodell - dieses Wort hört sich komplizierter an als es ist - werden verschiedene dopingrelevante Verhaltensweisen von Sportlern begründet. Auch wie die Trainer, das Umfeld oder die Mannschaft das Verhalten beeinflussen können, wird untersucht.
Die Darstellung der Anti-Doping Maßnahmen und die Bewertung dieser führt nicht immer zu erwarteten Ergebnissen. Auch Standard-Anti-Doping- Argumente werden widerlegt (z. B. Doping schadet der Gesundheit des Athleten). Wer und unter welchen Umständen Träger einer wirksamen Anti-Doping-Maßnahme sein kann, wird anschaulich erläutert. Viele Fallbeispiele machen das unterhaltsame Buch auch als gemütliche Freizeitlektüre sehr gut lesbar, jedoch kommt selbst wissenschaftlich Interessierte auf ihre Kosten. Insgesamt ist das Buch als Zwitter zwischen wissenschaftlichem und populärem Werk sehr gut gelungen und bietet für alle am Thema Doping Interessierten überraschend viel Neues.Zur Lektüre empfiehlt sich ein fruchtiger, junger Wein - vielleicht ein Rotling oder Rosé - Keine Angst, dies stellt keinen Dopingverstoß dar.