Es stimmt schon, dass dieses buch nur schwer lesbar ist. und dies nicht OBWOHL, sondern WEIL peter weiss um seine form gerungen hat, wie bei keinem anderen seiner werke.
Neben den offensichtlichen Bedeutungsebenen von Widerstand - das Buch handelt vom Widerstand gegen das NS-Regime und gegen den Kapitalismus und fragt, wie die Kunst, der Künstler widerständig sein können, ist auch die form widerständig, weil sie dem leser in keinem der großen fragen des 20. jahrhunderts, die er bearbeitet (dem scheitern der arbeiterbewegung, des (sowjet-)kommunismus, die unbegreiflichkeit des faschistischen terrors und der judenvernichtung) einfache deutungsangebote macht. wer sich weiss' notizbücher aus den jahren der ausarbeitung des romans (notzbücher '71-'80) anschaut, wird bemerken, wie die hier vorgebrachten reflexionen und beobachtungen oft 1:1 in den roman eingehen. wer an diesen themen interessiert ist, wird in dieser gewaltigen reflexionsleistung viele ansätze finden, sie geschichtlich und philosophisch anders, widerständig zu bewerten. vor dem hintergrund der blockonfrontation saß weiss immer zwischen den stühlen. leser aus ost wie west, werden vieles lesen, was ihnen anders erzählt wurde, wird - auf der schulbank und vom katheder.
Lesevergnügen? Ja, aber 'nur' ein sehr intellektuelles, vermitteltes... obwohl: für alle die das buch gerade lesen und im schwedischen exil eine harte zeit haben, der dritte band, der im untergrund in ns-deutschland ('hades') spielt ist nicht nur erschütternd, sondern auch spannend zu lesen und bietet daher auch mal wieder stoff für die frage, warum das furchtbarste oft den größten ästhetischen genuss erzeugt.