Die Lebensgeschichte der ersten Frau, die in Deutschland jemals einen Doktortitel bekam (und das im 18. Jahrhundert) mag recht interessant klingen; leider hält das Buch nicht ganz, was es verspricht. Es geht eigentlich nicht um die Erfüllung und Selbstfindung einer Person durch ihre eigene Begabung, sondern darum, dass die alt-hergebrachte Rolle der Frau trotz allem doch das A und O ist.
Positiv ist, dass man aus diesem Roman gut nachvollziehen kann, wie und warum die Hauptdarstellerin sich mit Medizin beschäftigte und mit der Zeit so gut darin wurde, dass sie promovieren konnte. Schön ist die Beschreibung von Quedlinburg, das Buch erweckt teilweise ein angenehmes Gefühl von Heimeligkeit.
Negativ sind vor allem zwei Punkte: a) Mehrere Handlungsstränge werden angesprochen aber nicht weiterverfolgt (einige Seiten später wird der Leser dann vor vollendete Tatsachen gestellt, wie es dazu gekommen ist, kann man sich selbst ausmalen, wenn man Lust hat). b) Es wird nie ein Zweifel daran gelassen, dass Dorothea von Erxleben in erster Linie Mutter - bzw. Ziehmutter von Stiefkindern - und Ehefrau war. Das war stets das wichtigste für sie, Medizin und Doktortitel hin oder her. Das war natürlich ihre eigene Entscheidung, aber es hinterlässt einen schalen Nachgeschmack und erweckt den Eindruck -> Talent und Begabung hin oder her, das einzig wahre Glück für eine Frau sind Mann und Kinder. Das geht am Thema des Buches und seinem Titel eigentlich vorbei: eher hätte es heißen sollen Die Pfarrersfrau von Quedlinburg." (Ja, nicht nur begeisterte Hausfrau, Gattin und Mutter, sie ist sogar die Frau eines Pfarrers. Brav, wirklich brav!)