Die Ära der Ökologie ist eine Phase der Hellsicht - nur vorübergehend, abgelöst mal vom Kampf um die immer knapperen natürlichen Ressoucen?
Bereits 1895 stellt Arrhenius erstmals die Hypothese über den durch Kohlendioxid in der Atmosphäre hervorgerufenen Treibhauseffekt vor. Tierschutz, Heimatschutz, Waldschutz, Vogelschutz u.a..m. waren regionale Umweltbewegungen, die globale war neu.
In der Notzeit nach dem Kriege gab es kaum Raum für ökologisches Denken, erst wachsender Massenwohlstand war Ausgang neuen Umweltbewusstseins. In den 50er Jahren entstanden Initiativen zu Wal- und Elefantenschutz, es kam zur Gründung des World Wildlife Fund (WWF), der Anti-Atomkraftbewegung, mit Rachel Carsons "Silent Spring" die Ächtung des DDT, es war die Zeit des Contergan-Skandals.
1970 ist dann das Datum für die ökologische Revolution. Stand an ihrem Anfang die Angst vor Krebs? Oder der biologische Krieg der USA in Vietnam? Die 68er? Sie lässt sich aus keiner bestimmten Kausalität heraus erklären.
In einem Überblick über Grundlagen verschiedener Ökologismen in verschiedenen Ländern und Kontinenten diskutiert Joachim Radkau Unterschiede und Vernetzungen. Beim Wasser geht es um Be- und Entwässerung, um Megastauwerke wie in Indien und China. Er vergleicht die deutsche Atomkraftbewegung mit der der USA, Frankreichs und Japans.
Mit dem "Sauren Regen", dem Leitmotiv "Waldsterben" wurde nicht mehr die Kernkraft, sondern die Kohle Hauptgegner der Umweltschützer. Der Schwerpunkt Schwefeldioxid verschob sich dann aber zum Klimaschädling Kohlendioxid. Von der Gentechnik zum Asbest, von den Pestiziden in der Landwirtschaft zum Dioxin, von einzelnen Umweltinitiativen zur Umweltbewegung gibt es immer mehr Vernetzungen, dabei gewinnt die ökologisch nachhaltige Energieversorgung Priorität.
Heroinen wie die Deutschamerikanerin Petra Kelly, Dian Fossey mit ihrem Einsatz für die Berggorillas, Wangari Maathai mit Baumpflanzaktionen in Kenia, Dai Quing mit Aktionen gegen den Dreischluchtenstaudamm in China und andere Frauen mit ihren Geschichten werfen ein Licht auf charismatische Spannungen der Umweltbewegung.
Radkau beschreibt unterschiedliche Organisationsformen der Umweltbewegungen von Staatsnähe bis zu NGOs (Nichtregierungsorganisationen), von Deutschland, China bis zur USA, vom WWF bis zu Greenpeace. Der Verfasser beschreibt die Auseinandersetzungen um Wyhl, Gorleben und Wackersdorf mit deren unterschiedlichen Formen der Militanz, Kämpfen und Feindbildern - es gab aber auch dialogische Diskurse, etwa zum Schnellen Brüter in Kalkar.
Der BSE-Alarm (wer erinnert sich noch?) brachte neben dem Gewinn für die Bio-Bauern auch Klärungen: keine Tiermehlverfütterung mehr an Kühe.
Die Umweltbewegung ist meist friedlich, gewaltlos geblieben (wie bei Greenpeace schon im Namen angezeigt), das passt zu ihren Überzeugungen.
Zum Verhältnis von Ökologie zu Ökonomie (Gegensatz? Gleichklang? Kampf?) gehören Ökosteuern, Emissionshandel, Zertifizierung. Keine Allheilmittel, ohne Bürgerbewegung, engagierte Medien und umweltbewusste Staatsdiener chancenlos.
Die Erdöl- und Energiewirtschaft hat die größten Machtzusammenballungen der Wirtschaftsgeschichte entstehen lassen, soll das mit "desertec" so weiter gehen?
In den späten 1980er Jahren entstand eine grenzüberschreitende ökologische Kommunikation, auch durch den "Tschernobyl-Effekt", der zum Zerfall der Sowjetunion beitrug. Die Liberalisierung der Wirtschaft erweiterte die Kluft zwischen Arm und Reich, die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit war die Gretchenfrage an die Umweltbewegung. Auch in der DDR trugen Umweltbewegungen zur Erosion des Systems bei.
Ab 1987 gab es "Schulden-gegen-Natur"-Abkommen: Schulden von Drittweltländern wurden annulliert, wenn dafür Wildnis unter Schutz gestellt wurde. Anders als bei Grzimeks Serengeti-Kampagnen ging es nicht mehr um Fotojagden der Safari-Touristen, sondern um Klimaschutz: die Verbindung der Umwelt- mit der Menschheitspolitik war da.
Die Brundtlandkommission von 1987 prägte den Begriff "sustainable develepment", nachhaltige Entwicklung, Generationengerechtigkeit, eine "Versöhnungsformel". Dabei sollte Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch und ökonomisch, sondern auch sozial verstanden werden.
In einem Resümee der Klimawandelsdiskussion fasst Radkau zusammen, dass zum "global warming" keine Ernst zu nehmende Antithese bestehe: die Gegenposition sei Agnostizismus, Skepsis oder Ablenkung; Katastrophismus allerdings sei noch kein wirkungsvoller Aktivismus. Das Thema ist noch nicht abgeschlossen.
Vielleicht werden Natur- und Umweltschutz später einmal nicht mehr separate Bereiche sein, sondern Teile von Agrar-, Energie-, Verkehrs- und Baupolitik.
Die Umweltbewegung muss geschichtsbewusst werden.