Auf 56 durchgehend bunten Seiten kann sich der Leser dieses hübschen Bändchens an den Zeichnungen der niederländischen Illustratorin Magda van Tilburg erfreuen. Der Originaltext in den Sprechblasen und den Zwischenkommentaren stammt mit nur geringfügigen Änderungen aus Vergils Aeneis, dabei überwiegend aus dem vierten Buch.
Das erste Bild zeigt den Vergil vom berühmten Mosaik im Museum Le Bardo, mit einer Schriftrolle in der Hand, flankiert von einer Muse, und eine Landkarte des Mare Nostrum mit den wichtigsten Schauplätzen der folgenden Geschichte. Wir treffen sogleich Aeneas und Achates, die Venus in Gestalt einer schönen Jungfrau begegnen, welche ihnen schließlich den Weg nach Karthago weist - in die Stadt, die eben erst entsteht: Auf den Bildern tummeln sich Architekten und Handwerker auf Baugerüsten, Leitern und an Flaschenzügen.
Den beiden Trojanern gelingt es - geschützt von einer Wolke - den Palast der Königin zu betreten und im richtigen Moment zu erscheinen". Dido lädt zum Festmahl, bei dem Aeneas von seinen Irrfahrten erzählt, und dann - doch halt! Hier ist nicht der Ort, den Inhalt des römischen Nationalepos wiederzugeben. Vielmehr soll auf die wunderschönen Zeichnungen eingegangen werden, die mit ihren stimmungsvollen Farben die Handlung ebenso zum Leben erwecken wie durch die Fülle an Details, die es auf ihnen zu entdecken gibt. Die Reliefs auf den Möbeln, die bunte Jagdgesellschaft, das Geschirr der Pferde, vor allem eine furchterregende, aber auf wundersame Weise magisch anziehende Fama zeigen die ganze Kunst der Magda van Tilburg. Das tragische Ende der karthagischen Königin stellt sie schließlich durch das Bild einer eben ausgeblasenen Kerze dar, deren Rauch noch in der Luft hängt.
Als Epilog" wird auf den letzten Seiten noch das Wiedersehen zwischen Aeneas und Dido in der Unterwelt gezeigt, und auch hier gefällt der Stil, in dem die Zeichnerin das eigentlich nicht Darstellbare visualisiert: Wie in einem Spiegel sieht der Trojaner seine frühere Geliebte, die ihn keines Blickes würdigt, sondern geradewegs zu ihrem Ehemann Sychaeus eilt.
Für abwechslungsreiche Unterrichtseinheiten ist mit diesem Comic garantiert, und vielleicht findet der gute, alte Vergil gerade auf diesem Weg (wieder) den ihm gebührenden Platz in so mancher Lateinklasse.