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Dickicht
 
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Dickicht [Gebundene Ausgabe]

Ulrike Almut Sandig
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 100 Seiten
  • Verlag: Schöffling (15. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3895611867
  • ISBN-13: 978-3895611865
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,2 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 308.463 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das Bemerkenswerte an Sandigs Lyrik ist: Sie bedarf keiner kühnen Metaphorik, kaum einmal ausgefallener Wortbildungen, keiner Reime und strengen Formen. Ihr Zauber beruht vielmehr auf einem sprechenden Ich, das sozusagen mit beiden Beinen in der Realität steht und gleichzeitig mit dem Kopf in die Sphären des Träumerischen, Imaginären, Fantastischen vorstößt. (...) Ulrike Almut Sandigs Gedichte führen uns in geheimnisvolle Räume der Poesie und strahlen doch Geborgenheit aus, als seien wir, ihre Leser, hier schon immer daheim gewesen.« (Andreas Wirthensohn, taz)

»Bei aller Ernsthaftigkeit der vorgeführten dialektischen, labyrinthischen und aporetischen Denk-Situationen vergnügt und überzeugt dieser Gedichtband durch Sprachwitz, Selbstironie und Humor, philophische Phantasie und ein emphatisches dichterisches Selbstverständnis.« (Wulf Segebrecht, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

»Ulrike Almut Sandig hat einen ganz eigenen Ton gefunden, der zwischen Kinderlied, romantischer Märchenmelodie und zarter Fantastik changiert. Hier ist es wieder zu hören, das trancehafte Murmeln, somnambule Flüstern und traumversunkene Beiseite-Sprechen, das bereits den Band STREUMEN kennzeichnete. Die romantisierenden Topoi werden durch Bilder des Unheimlichen konterkariert - damit das Gedicht seine Balance zwischen utopischen Wunschbild und alltäglicher Desillusionierung bewahrt.« (Michael Braun, Der Tagesspiegel)

Kurzbeschreibung

Schlicht und phantastisch, liedhaft und erzählend in einem sind die Gedichte von Ulrike Almut Sandig, die sich durch ihren Geschichtenband FLAMINGOS auch als Prosa-Autorin einen Namen gemacht hat. Mit ihrem sicheren Sprechrhythmus gewann sie nicht nur den internationalen Lyrikpreis Meran, auch die Jury des renommierten Leonce-und-Lena-Preises war »geradezu verzaubert« (Jan Koneffke) von ihren neuen Gedichten - hier liegen sie endlich vor.

In ihrem letzten Gedichtband war Ulrike Almut Sandig unterwegs zu einem beweglichen Ort mit Namen STREUMEN. Unterwegs zu imaginären Gebieten ist sie auch in ihrem neuen Buch DICKICHT. Die lange Reise in einen magisch phantastischen Süden führt vertikal durch den Globus und kreuzt nicht zuletzt auch »den richtigen Weg zum gemeinsamen Treffpunkt, zur Mitte der Welt«.


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Von Timo Brandt TOP 500 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
"Ich wünsch mir kein Dickicht mehr
in uns hinein, nur noch um uns herum"

Eine klare Ansage, mit der Ulrike Almut Sandig den (für den Leser schon etwas unsicher anmutenden) Titel ihres dritten Lyrikbandes, innerhalb eines Gedichts mit zwei Zeilen erklärt. Erschienen ist dieser Band bei Schöffling und Co. und obwohl ich den Verlag an sich sehr schätze muss ich hier doch einmal sagen: Gedichte werden in diesem Haus nicht gut präsentiert. Ich weiß nicht, ob es an den Autoren liegt - in mir regt sich der Verdacht, dass es nicht so ist - aber sowohl bei diesem Band hier, als z.B. auch bei Alle Lichter sind alle Wörter kleingeschrieben und die optische Darstellung, Typographie und räumliche Verteilung ist sehr unorthodox und strahlt solche Hermetik aus, dass man um eine kleine, winzige Emotion bettelt. (Vollkommen verständlich, wenn einen dass nicht stört, mich stört es sehr, denn es hindert garantiert viele daran, Lyrik heute noch zu lesen!)

"in dir
die Nadel, die zittert und immer hinzeigt
auf Norden, obwohl du nicht weißt, was da liegt."

Leider lässt Frau Sandig mit den Emotionen im ersten Teil des Bandes, "Norden", auf sich warten. Und alles in allem ist dieser erste Teil voll rein dekorativer Poesie. Und mit dekorativ meine ich nicht, dass es triviale gereimte Verse sind oder Naturimpressionen - nein, noch schlimmer, es sind reduktive, schon im Ansatz verblassende Gedichte, unverständliche Kabbalareien, Verse wie:

"wochenlang schlafen zur Übung fürs Wegsein
in völliger Abwesenheit meines eigenen
Namens"

Verse, die immer den Eindruck erwecken, der Dichter würde die Originalität nicht in der Weite, sondern in der Ferne suchen. Ich kann ja auch verstehen, dass jede Lyrik anders geschnitten ist, aber wo ist hier die gezogene Linie der Poesie, der Anregung, die Spiegelung, der Gedanke an den Leser, das Gedicht, die Sprache? Das einzige, was ich bei diesem ersten Teil des Lyrikgebäudes letztlich betrachten konnte, war die Tür, unaufgestoßen, mit sieben Siegeln als Schlössern.

"wie krachten die Stacheln der Rosen beim Wachsen
wie knirschte der Birnbaum, wie klingt die Magnolie
mit ihren Blütenturbinen am Zweig"

Der zweite Teil, "Süden", entfernt sich Gott sei Dank von dieser verschneiderten Technikpoesie und wendet sich den Bildern, den Gefühlen, der Sprache zu. Besonders positiv fallen nun die Nuancen auf, das Dickicht gewinnt an Zwischenräumen, an Bewegung, man kann nun durchgehen. Liebesdinge werden ebenso abgehandelt wie Ich-Zustände - und endlich machte Almut Sandig etwas aus ihren Ideen

"gib mir die geschnittenen Felder unter der Folie aus Luft
gib mir die Kiefern. die ziehen am gar nicht beweglichen Licht"

sodass auch solch formvollendete, ewige Betrachtungen entstehen können. Dieser zweite Teil allein wäre wohl ein hervorragender (etwas fein-komplexerer) Gedichtband geworden.

Das letzte Gedicht des Bandes ist ein besonderes Juwel. Wem es gefällt, der sollte diesen Band, trotz seiner angemerkten Mängel, vielleicht doch kaufen, denn er vereint die Lichtpunkte dieses Werkes mit den Konzeptionen seiner (meiner Meinung nach) misslungenen Teile; und vielleicht kann der ein oder andere Leser ja doch diese Teile für sich gewinnen (und mir auch gerne mitteilen, wie er sie gesehen hat).

"wenn das letzte Lied aus ist
wenn die Sinuskurve des letzten Akkords

in kleinen und kleiner und kaum mehr
wahrnehmbaren Wellen den Horizont

sich entgegen bewegt, die Langspielplatte
zu Ende gedreht ist, die Diamantnadel

kreiselt, wenn leis aus zwei blauen Boxen
ein fast verschwundener Ozean rauscht

wenn die Herzkammern flimmern und wenn
du bei mir bist und das hier vernimmst

dann sag's den anderen weiter: wir sind
von allen guten Geistern verlassen

aber immer, immer noch hörbar."
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
"Dein Zuhause, das hast du dir selber erdichtet", sagt Ulrike Almut Sandig in ihrem dritten Gedichtband. Aber auf ihrem Wege aus dem unerkannten Norden zum träumigen Süden bemerkt sie in der Mitte der Welt ein schweigsames Tier. Schöne Gedanken! Und gewiss ist ein jeder scheinbare Einzelmensch der Poet seiner eigenen Welt, auch wenn diese zumeist nicht im schöngeistigen Sinne als poetisch erscheint. Und sich als einen Körper zu beglauben, ergibt ein Selbstbild eines wortlosen, also schweigsamen Tieres. Aber diese zutreffenden und schönen Gedanken müssten vielleicht in späteren Gedichten noch tiefer plausibilisiert werden.
Der launige Singsang einer Seele, die zu ahnen begonnen hat, dass ihre Heimat nicht in der vergangenen Kindheit lag und nicht in der vergänglichen Welt zu suchen ist, darf ruhig melodisierter werden. Neben dem immer wieder kehrenden Motiv der "Übung fürs Wegsein", das auch in einigen Geschichten in "Flamingos" zu bemerken ist, könnten sich vielleicht auch "Übungen im Finden des Hier" und des nachfolgenden Hierseins anschließen, die jenseits tierischer und pflanzlicher Körperlichkeit das Dickicht der Weltwirre hinter sich lässt: Alles ist gut.
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