Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum dieser Roman größtenteils derart massakriert wird - ich frage mich ein wenig nach der Erwartungshaltung vieler Leser. Dass es sich nicht um einen hochliterarischen, psychologisch-anspruchsvollen Thriller handeln kann, verrät allein das Cover mehr als deutlich. Ich nahm es zur Hand, um kurzweilig und spannend unterhalten zu werden, und diesen Zweck erfüllte "Dickicht" durchaus. Zugegeben rechnete ich lediglich mit einem Slasher-Roman, und mehr als das ist das Buch allemal.
Fehlende Charakterentwicklung? Wieso? Die Handlung spielt sich innerhalb weniger Tage ab und das, was in diesem Zeitraum und unter diesen Umständen an Entwicklung möglich war, wurde gut dargestellt; insbesondere Jeff, der in jeder Hinsicht versucht zu retten, was zu retten ist, das Zerbrechen der beiden Mädchen, Erics Wahnverfall, nachdem die Ranke in ihn eingedrungen ist, und der Deutsche, der die übrigen Leidensträger unfreiwillig reingezogen hat in den Schlamassel.
Überhaupt: Völlig innovativ ist die Idee mit der Killerpflanze zwar nicht, aber dennoch auf eine Weise dargestellt, dass man das Buch kaum mit einem anderen vergleichen könnte. Wer sich an dem Lernprozess der Pflanze stört, an den Geräuschen und imitierten Stimmen, einig sind wir uns ja wohl alle, dass Realismus nicht gerade widergespiegelt wird! Das Schön-Schaurige am Horror-Genre ist doch das Eindringen ins Unbekannte und das Spielen mit der Wirklichkeit, davon hat Scott Smith hervorragend Gebrauch gemacht.
Ich hätte mir ebenfalls handfeste Erklärungen für die Herkunft der Ranke und das Verhalten der Mayas gewünscht, das war nicht möglich, da die Handlung aus der Perspektive der vier Freunde geschildert wurde, und ihre Spekulationen darüber bieten doch zumindest triftige Möglichkeiten, auch wenn die volle Wahrheit dem Leser vorenthalten wird. Und es kommt auch nicht wirklich darauf an, sondern um den Überlebenskampf und einen Ausweg in einer Situation, die eben schier ausweglos erscheint.
Das letzte Kapitel fand ich allerdings auch vorhersehbar, zumindest hatte ich damit gerechnet, falls sich die Dinge entwickeln würden, wie sie es dann auch taten. Aber ich muss zumindest sagen, dass kein Charakter so fiel, wie ich es erwartet hätte.
Fazit: Kurzweiliger Bio-Horror mit teilweise hohem Ekelfaktor, kein literarisches Meisterwerk - aber spannend geschrieben allemal.
Im Frühjahr kommt übrigens die Verfilmung ins Kino, wobei ich mich noch nicht entschließen konnte, ob ich sie mir antue, da bereits im nur anderthalbminütigen Trailer so viel verfälscht war, dass ich befürchte, dass das Wesentliche nur kommerziell ausgeschlachtet wurde und man sich vermutlich auf das Blutige konzentriert hat, was schade ist, da sich eben doch viel im Kopf der Freunde abspielt und dies nicht auf die Leinwand zu übertragen ist.