Zenobia ist ein Solo-Film von Oliver Hardy, der leider immer wieder nur unter einseitigen Gesichtspunkten besprochen und bewertet wird. Zur Handlung muss nicht viel gesagt werden, wohl aber zu der seit Erscheinen des Films 1940 bestehenden Ansicht, es handele sich um einen Laurel&Hardy-Film ohne Laurel. Dem ist nicht so.
Zenobia weicht hinsichtlich Sujet, Zeit, Charakter, Gags und Figurenkonstellation komplett vom üblichen Laurel&Hardy-Muster ab. Langdon und Hardy treten nicht als Freunde auf, dementsprechend spielt Hardy auch nicht seine übliche Olli-Figur und die Gags fallen anders aus als bei L&H. Der Slapstick tritt in den Hintergrund und macht gesellschaftlicher Komik Platz. Lediglich die Untersuchung des Jahrmarktelefanten Zenobia enthält einige, wenige Slapstick-Elemente.
Hal Roach wusste, dass Laurel&Hardy nur mit Laurel und Hardy funktioniert, und daher wurde in Zenobia auch nicht der Versuch unternommen, Laurel schlicht durch Langdon zu ersetzen. (Interessant ist es, sich umgekehrt zu fragen, wie der Film mit Stan Laurel in der Rolle Langdons geworden wäre.)
Zenobia bietet die Gelegenheit, Hardy einmal als Charakterdarsteller zu erleben (wie übrigens auch "In letzter Sekunde", in der Hardy an der Seite von John Wayne spielt), abseits seiner üblichen Olli-Figur. Zugleich bietet es ein willkommenes Wiedersehen mit der Stummfilm-Legende Harry Langdon, der sich auch im Tonfilm nicht verstecken muss und eine wirklich gelungene Darstellung bietet. Von daher ist Zenobia ein leider verkanntes Kleinod, eine hübsche Kostumkomödie mit zwei Stars, die zwar nicht als Team fungieren, aber durchaus in der Lage sind, den Film zu tragen.
Die DVD bietet neben der guten deutschen Synchronisation auch die englische Tonspur. Ein echtes Highlight sind die drei Stummfilme mit Oliver Hardy, besonders "The Nickel Hopper", in dem nebem Hardy (in einer winzigen Nebenrolle) an der Seite von Mabel Normand auch - man lese und staune - Boris Karloff zu sehen ist.
Fünf Sterne für diese Wiederveröffentlichung!