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Dichter in New York. Poeta en Nueva York: Gedichte: Gedichte / Spanisch und deutsch (Bibliothek Suhrkamp)
 
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Dichter in New York. Poeta en Nueva York: Gedichte: Gedichte / Spanisch und deutsch (Bibliothek Suhrkamp) [Gebundene Ausgabe]

Federico García Lorca , Martin von Koppenfels
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 270 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (18. Juli 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518223933
  • ISBN-13: 978-3518223932
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Federico García Lorca
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

New York in einem Dichter

Federico García Lorcas

«Dichter in New York» neu übersetzt

Lorcas lange verschollenes Manuskript zum «Dichter in New York» tauchte 1997 in Mexiko auf; über sechzig Jahre waren vergangen, seit er es – kurz vor seinem Tod – bei einem Freund und Verleger in Madrid hinterlegt hatte. Bergamín war es denn auch, der den Gedichtband 1940 erstmals im Exil publizierte. Den überraschenden Fund hat der Suhrkamp-Verlag zum Anlass genommen, eine zweisprachige Fassung in einer neuen deutschen Übersetzung von Martin von Koppenfels herauszugeben.

Nehmen wir vorweg, dass der Vergleich mit dem Original am bisherigen Bild des «Dichter in New York» wenig ändert. Der nun erschienene Poesieband kommt aber doch einer Neuentdeckung gleich, insofern als er dem deutschsprachigen Publikum einen entstaubten und transparenten Lorca präsentiert, der weit weniger gestelzt und rhythmisiert daherkommt als noch bei Enrique Beck – dem jahrzehntelang allein berechtigten Übersetzer –, auch wenn Koppenfels im Bemühen um einen natürlichen Sprachduktus da und dort zur Ausdeutschung von knappen Sprachsequenzen tendiert.

Alltägliche Hölle

Das heftige und düstere Buch, das Lorca während seines Aufenthaltes in New York und Kuba 1929/30 schrieb, ist durchzogen von der Einsamkeit und Entfremdung des Individuums, das einer Welt des erbarmungslosen Fortschritts und der sozialen Ungerechtigkeit ausgeliefert ist. «Es ist nicht die Hölle, sondern die Strasse. / Es ist nicht der Tod, sondern nur der Obststand»: Wo der Profit als höchster Wert am Himmel hängt, liegt die Hölle alltäglich auf der Strasse.

«Eine Welt zerbrochener Flüsse und unfassbarer Entfernung» ist auch jene des Poeten, der «ich» sagt und sich dennoch seiner Machtlosigkeit bewusst ist («Ich, ein Dichter ohne Arme, verirrt / in der Menge, die sich erbricht»). Er tritt hier nicht auf als Instanz, die Welt erschafft oder sich einverleibt, sondern als einer, der sie erleidet. Unschuld und ferne Kindheit werden endgültig verabschiedet, und aus der Trauer um den Verlust eines Ortes der Ganzheit steigen die allgegenwärtigen Schatten des Todes. Pablo Neruda hatte Lorca als Überschrift für den Gedichtzyklus «Einführung in den Tod» vorgeschlagen.

Sprachlich spiegelt sich die Zerrissenheit in der Unmöglichkeit des erhabenen Dichtergesangs, in der Brechung der Sprachregister, in surrealen Bildcollagen, im Verzicht auf Reim und streng geregeltes Versmass und in der weitgehenden Abwendung von der Romanzendichtung, die Lorca 1928 mit dem «Romancero gitano» einen so populären Erfolg – und die ebenso harsche Kritik einiger Freunde – beschieden hatte, dass er sich missverstanden fühlen musste und in einer tiefen Schaffenskrise, gepaart mit Liebeskummer, nach New York floh. Abschied, Kulturschock und neue Freiheit – die Distanz zu seiner Heimat ermöglichte dem 31-jährigen Andalusier die Auseinandersetzung nicht nur mit neuen Dichterformen, sondern auch mit seiner Homosexualität, der er in seinem Schreiben erstmals Ausdruck verlieh.

Reisebericht

Zurück in Spanien überarbeitete, ordnete und betitelte Lorca seine Gedichte immer wieder neu und zögerte mit deren Herausgabe. Schliesslich entschied er, diese Texte – mit provokativen Titeln wie «Landschaft mit urinierender Menschenmenge» – in ein möglichst harmloses Genre einzubinden, und wählte dafür die Form des Reiseberichts. Das Buch folgt chronologisch den Stationen von Lorcas Aufenthalt und sollte ausserdem mit Fotos illustriert werden, worauf die vorliegende Edition bewusst verzichtet (dagegen sind im Anhang die verschiedenen Textvarianten der einzelnen Gedichte aufgeführt). Diese widersprüchliche Beziehung zwischen Konvention und poetischer Radikalität tritt schon in Lorcas Rede hervor, die er 1931 und 1935 zum «Dichter in New York» hielt und die hier erstmals in deutscher Sprache zu lesen ist. Einerseits bettet er die lyrischen Texte in einen Spaziergang durch New York ein, anderseits betont er: «Ich bin heute nicht gekommen, um Sie zu unterhalten, [sondern] um zu ringen», und zwar mit dem «gewaltigen Drachen», dem Publikum. Jenes hingegen, einmal eingetreten in die «bittere, aber lebendige Lyrik», kehrt aus der Dichterstadt nicht unversehrt zurück.

Rita Catrina Imboden -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2001
Rita Catrina Imboden begrüßt diese Neuausgabe der zwischen 1929 und 1930 entstandenen Gedichte, die ihre Publikation dem 1997 gemachten Zufallsfund des bis dahin verschollenen Manuskripts verdankt. Sie preist die zweisprachige Ausgabe dafür, einen zwar nicht völlig neuen, aber einen "entstaubten und transparenten" Lyriker zu präsentieren. Die Rezensentin freut, dass, im Gegensatz zu der früheren Übersetzung, die Gedichte "weniger gestelzt und rhythmisiert" sind, auch wenn der Übersetzer Martin von Koppenfels mitunter zur "Ausdeutschung" prägnanter Sequenzen neigt, wie sie kritisch anmerkt. Als außerdem begrüßenswert lobt sie die Anmerkungen im Anhang, die Textvarianten angeben und die erstmalig auf Deutsch zugängliche Rede Lorcas, die er 1930/31 beim Erscheinen der Gedichte hielt.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
García Lorcas surrealistischer New-York-Zyklus zeigt in seiner gewaltigen Bilderflut die Entfremdung des Menschen in der modernen Welt und den schmerzlichen Kontrast zwischen beseelter Natur und empfundener Leere der Industriegesellschaft. Die vielschichtigen New Yorker Bilderwelten sind geprägt von Ekel und panischer Angst, Wut und Mitleid. Der ganzen Stadt haftet der Gestank des Todes an: "No es el infierno, es la calle. / No es la muerte. Es la tienda de frutas. (Es ist nicht die Hölle, sondern die Straße. / Es ist nicht der Tod, sondern der Obststand.)" - "y América se anega de máquinas y llanto (Amerika ertrinkt in Tränen und Maschinen.)". Und alle Bereiche des Lebens sind betroffen, alle Menschen; grausige Menschenmengen erbrechen sich, Schwarze leiden Qualen, Kinder sterben, überall Ratten und Wunden, Schreie, Schmerz, Kloaken, Mord ... Ein schwer zu verdauendes Stück Literatur eines anklagenden Dichters, das ich all jenen empfehle, die Gefallen an den intensiven Schreckensvisionen in T. S. Eliots "Waste Land", Baudelaires "Fleurs du Mal" und Allen Ginsbergs "Howl" finden.

Das lyrische Werk García Lorcas war mir vor einigen Jahren fast ausschließlich durch Enrique Beck bekannt, dessen Übertragungen hierzulande bis 1998 die einzigen autorisierten Übersetzungen García Lorcas darstellten. Martin von Koppenfels' Neuübersetzung von "Dichter in New York / Poeta in Nueva York" war dringend nötig, zumal sie keinen Zweifel daran lässt, dass Beck recht hölzerne und schwülstige Nachdichtungen verfasste, die dem Leser den Weg zu García Lorcas Werk wohl eher versperren als ebnen dürften.
Einige Verse zum Vergleich:

"Puede el hombre, si quiere, conducir su deseo
por vena de coral o celeste desnudo.
Mañana los amores serán rocas y el Tiempo
una brisa que viene dormida por las ramas."
(Original, "Oda a Walt Whitman")

"Der Mensch hat die Wahl, er kann sein Begehren leiten
durch die Korallenader oder die himmlische Körpergestalt.
Was Liebe war, ist morgen Fels, was Zeit war,
ist ein Wind, der schlafend durch die Zweige geht."
(übersetzt von v. Koppenfels)

"Der Mensch kann, wenn er will, wohl führen sein Begehr
durch Ader aus Koralle oder Nacktheit, welche himmlisch ist.
Es werden, die sich lieben, morgen Fels sein,
und eine Brise wird, die schläfrig durch die Zweige säuselt, sein die Zeit."
(übersetzt von Beck)

Beck übersetzt selten vollkommen falsch (z.B. im "Vals en las ramas": "sichtbares Fleisch" statt "unsichtbares Fleisch"), aber oft umständlich und inadäquat. Des Weiteren wird etwa "prostitución" (Prostitution) bei ihm zum "Lustverkauf" und "nubes" (Wolken) werden zum "Gewölke"; Ausdrücke wie diese (oder "Lichtbildabzug" und "Totenacker") geben den Gedichten eine archaische Note, die García Lorca nicht beabsichtigte. Von Koppenfels' Übersetzung ist die eindeutig angemessenere.

Am Ende der Gedichtsammlung findet sich neben einem interessanten Nachwort des Übersetzers auch ein Prosatext García Lorcas zum "Poeta en Nueva York".
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ferderico Gracia Lorca schrieb diese Gedichte in New York, in einer Stadt, in der er anscheinend tieftraurig umherirrte, seiner Heimat Spanien nachtrauerte und sich einer gewissen Faszination für den Moloch Großstadt trotzdem nicht entziehen konnte. Die Lyrik ist eindringlich, die Bilder ungewöhnlich. Hier ist nichts harmlos, alles schneidet in die Haut: da gibt es den frisch geköpften Matrosen, blutende Kühe, Mumienhände, dürre Kathedralentänzerinnen - beinah jede Zeile trägt Leiden und Tod in sich (vielleicht keine Lektüre für den November, es sei denn, man möchte im Novemberblues baden).
Das Buch ist zweisprachig: links die originale Sprache (Spanisch), rechts die Übersetzung, und selbst wenn man kein Spanisch kann, kann man doch den Rhythmus aus dem Spanischen heraushören.
Ein faszinierendes Buch, das selbst nach mehrmaliger Lektüre oft rätselhaft bleibt. Ein Buch, das verstören kann, wenn man sich darauf einläßt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von K. Preuß
Format:Gebundene Ausgabe
POETA EN NUEVA YORK
(span.; Ü: Dichter in New York). Gedichtzyklus von Federico García Lorca, erschienen 1940. - Im Sommer 1929 reiste García Lorca in die Vereinigten Staaten. Er befand sich in einer tiefen persönlichen Krise,da der Verkauf seiner Ziegeunerromanzen keinen guten Absatz machten. In New York angekommen, überraschte ihn der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise. Seine von ungünstigen Voraussetzungen belastete Begegnung mit der amerikanischen Wirklichkeit und mit der Weltstadt New York zeigen die erst nach seinem Tod herausgegebenen, aber größtenteils bereits in den USA entstandenen Gedichte dieser Sammlung. Fremdartig, von allen früheren Schöpfungen Lorcas sich unterscheidend, spiegelt der in zehn Teile gegliederte Zyklus die aufeinanderfolgenden Phasen der inneren Entwicklung des Dichters, die sich von der Ankunft in New York bis zur Rückkehr nach Spanien (Frühjahr 1930) vollzog. Der erste Teil, Poemas de la soledad (Gedichte der Einsamkeit), zeugt von schmerzlicher Ratlosigkeit in einer Welt, in der »Mensch und Maschine der Sklaverei des Augenblicks leben«. Aus dieser sinnentleerten, verstümmelten, in »Geometrie und Angst« gigantisch übersteigerten, labyrinthischen Welt flüchtet sich der Dichter sehnsüchtig in die Erinnerung an seine Kindheit. - Die beiden Teile Los negros (Die Neger) und Calles y sueños (Straßen und Träume) evozieren die Welt der Neger und ihr verlorenes Paradies gegenüber dem gespenstischen Leben der Stadt, das wie ein Totentanz der Lebenden anmutet. Im Neger sieht Lorca nicht nur lo más espiritual y lo más delicado« (das Geistigste und das Verletzlichste) der Neuen Welt, sondern wie im Zigeuner auch Ursprünglichkeit und ungebrochene schöpferische Kraft.
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