Es ist schon schade, dass Erhart Kästner (gest. 03.02.1974) dieses Buch von Arn Strohmeyer nicht mehr lesen kann. Genauso schade ist es, dass der Dichter im Waffenrock sich nach dem Kriege nicht öffentlich über die Gräueltaten und all das Unfassbare, was in Griechenland in deutschem Namen von 1941 an geschehen ist, geäußert hat. Er ignoriert konsequent, obwohl er bis zu seinem Tode hinlänglich Zeit dazu hatte, die Wirklichkeit des Krieges in Griechenland.
Und wenn er sagt: "Mir war der Himmel während des Krieges gnädig gewesen, ich hatte Grund auf den Knien dankbar zu sein. Mir blieb erspart, unter Mordenden mitmorden zu müssen", dann schäme ich mich für ihn. Seine Dankbarkeit hätte er m.E. durch ehrliche, korrekte Berichterstattung über die wahren Geschehnisse während der deutschen Besatzung in Griechenland zeigen dürfen. Immerhin gibt er an dieser Stelle mindestens zu, dass es Mord gegeben hat. Er hat nach dem Kriege nie über die von Nazideutschland zu verantwortenden Massenexekutionen, Dorfzerstörungen, Hungersnöte und Judendeportationen berichtet.
Auch bin ich im Nachhinein, nach Kenntnis dieses Buches, sehr enttäuscht von Erhart Kästner, dass er sich so verächtlich über die Bewohnerinnen und Bewohner eines fremden Landes äußert, und dass er die Griechen während seiner Militärzeit dort als rassistisch minderwertig verachtet. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er keinen wahren Kontakt zur griechischen Bevölkerung hatte.
Grundsätzliche Beschäftigung mit der Vergangenheit kann auch folgendermaßen aussehen: - entnommen aus der Rede von Bundeskanzler Helmut Kohl vor Studenten der Erasmus-Universität in Rotterdam am 22. Mai 1995:
"... Dieses Leiden und Sterben, den Schmerz und die Tränen dürfen nicht vergessen werden. Das schulden wir den Opfern. Nur so kann die Erfahrung der damals allgegenwärtigen Unmenschlichkeit einen Sinn ergeben und uns Mahnung sein. Die Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft muss weitergegeben werden, um uns gegen die Wiederholung des Bösen stark zu machen. Was geschehen ist, kann niemals ungeschehen gemacht werden. Aber an die nachwachsende Generation - also an Sie, liebe Studentinnen und Studenten und an Ihre Kinder- können und müssen wir die alles entscheidende Lehre aus der Barbarei des Jahrhunderts weitergeben: Friede beginnt mit der Achtung der unbedingten Würde des einzelnen Menschen. Wir dürfen jedoch nicht Gefangene der Vergangenheit bleiben - sonst hätte die Vergangenheit ja gesiegt! ..."
Dies ist von Helmut Kohl eine klare und mitzutragende Ansage. Und wie dumm liest sich dagegen die Aussage von Erhart Kästner: "Über das Dunkle ist zu schweigen"!
Ich hoffe, dass das vorliegende Buch von Arn Strohmeyer eine breite Leserschaft findet.
Klartext: Empfehlenswert!