Zum Löschen und Überspielen der Bass- und Drum-Tracks werde ich an dieser Stelle lieber nichts sagen, aber abgesehen davon verdient Ozzy's zweites Meisterwerk mit Randy Rhoads durchaus größte Beachtung. Oftmals wird bemängelt, dass Diary Of A Madman nicht ganz an seinen Vorgänger Blizzard Of Ozz heranreicht. Dies ist zum Teil richtig denn „Diary" fehlt es etwas an legendären Hits wie etwa „Crazy Train" oder „Mr.Crowley", gleichzeitig aber befinden sich Ozzy Osbourne und Randy Rhoads immer noch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Schaffenskraft und von solchem Material, wie es auf „Diary" nochmals gezeigt wird kann man eigentlich nie genug bekommen.
„Over The Mountain" erfüllt als Opener einen ähnlichen Zweck wie „I Don't Know" auf „Blizzard". Ein energetischer Rocker, wie immer mit tollem Songwriting und Rhoads als Antrieb. Die scheinbar augenzwinkernde Drogenhymne „Flying High Again" bleibt einer der absolut besten Solo-Tracks von Ozzy. Eine grandiose Leistung mit einem der besten Randy Rhoads-Solos welches einem am Ende tatsächlich den Eindruck gibt als fliege er mit seinem Two-handed-tapping davon. Die vielen Balladen oder ruhigeren Nummern sind oft Kritikpunkt von „Diary", gerade bei „You Can't Kill Rock And Roll" gelingt es Ozzy aber perfekt. Vielleicht etwas zu lang, aber in seinem hymnischen Statement unerreicht. „Rock And Roll is my religion and my law", mit solch einem Song darf man das sagen. In der Mitte des Albums scheint es etwas den Fokus zu verlieren, doch auch hier besticht Ozzy immer wieder mit geschickter Melodieführung und passenden Arrangements. Meiner Meinung nach ist gerade „Tonight" ist eine ziemlich schöne Ballade geworden. Zum Abschluss des Albums brilliert dann aber noch einmal der fantastisch komplexe Titeltrack, wo Randy Rhoads noch mal sein volles Talent ausschöpfen kann. Abwechselnd akustisch und elektrisch mischt Rhoads in diesem apokalyptischen Epos die unterschiedlichsten Einflüsse, man höre sich dazu nur mal das Solo an. Und Ozzy liefert dazu die passende dramatische Leistung ab.
Bei den Texten legt Ozzy oftmals eine fast erschreckende Selbstreferenz an den Tag. Insgesamt wirkt „Diary" düsterer als „Blizzard". Obwohl es leicht schwächer ist als sein Vorgänger, ist „Diary Of A Madman" doch ein unverzichtbares Statement, was es um so trauriger macht, dass Randy Rhoads kurz darauf ums Leben kam. Die fruchtbare Zusammenarbeit der beiden hat uns einige der besten Aufnahmen des Genres beschert und Randy Rhoads Werk hat einen bis heute inspirativen und bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein wunderbares Album.