Die Künstlerin Anita Albus hat sich eingehend mit der Malerei von Jan van Eyck beschäftigt und geht der besonderen Tiefe und Meisterschaft seiner Bilder nach. Ihre Interpretationen und Bildbeschreibungen zweier seiner Hauptwerke zeugen von breiter Bildung und Kennerschaft. Ja, Anita Albus hat eine Botschaft und sie argumentiert mitunter leidenschaftlich. Aber genau dies macht die Qualität dieses Buches aus. Rein wissenschaftliche Sachbücher mit emotionsloser und trockener Wissensdarstellung lesen sich lange nicht so gut. Es wäre auch ein falscher Maßstab an dieses wunderschön gestaltete und gemachte Buch angelegt, wollte man es als reines Sachbuch betrachten. "Die Kunst der Künste" ist nämlich viel mehr als das. Es ist auch ein leidenschaftliches Manifest zugunsten der Meisterschaft und zugleich ein Geschichtsbuch voller detaillierter Hintergrundinformationen über die religiösen Auffassungen der Zeit, die Art und Weise, wie damals ein Meisterwerk ausgestaltet zu sein hatte sowie über Einsatz und Wirkung von Farben und deren Herstellung. Dass die Kunst der Farbherstellung heute in der Malerei weitgehend verloren gegangen ist, kann jeder Restaurator bezeugen. Mit dem verlorenen Wissen über Pigmentherstellung und -verarbeitung ist der modernen Kunst tatsächlich ein Qualitätsverlust verbunden. Viele in Mischtechnik hergestellte Arbeiten zeitgenössischer Künstler halten der Zeit nicht mehr stand und beginnen bereits nach zehn Jahren zu zerfallen. Auch hat sich die Kunstauffassung vom mühsamen, arbeitsintensiven Handwerklichen entwickelt in Richtung schnell produziert, spektakulär vermarktet und rasch zu Höchstpreisen an die Museen verkauft, was die Autorin beklagt. In dieser Hinsicht war tatsächlich früher einmal alles besser. Gebildete Auftraggeber verlangten früher intellektuell anspruchsvolle Kunst, die langlebig und werthaltig war.
Wer sich für alte Kunst interessiert und schöne, gut gemachte Bücher liebt, dem sei "Die Kunst der Künste" empfohlen. Obwohl es schon schon vor zwölf Jahren zum ersten Mal erschienen ist, wurde es 2005 neu aufgelegt und auch diese Ausgabe ist aktuell und nach wie vor empfehlenswert, da sie aus der bekannten Eichborn-Reihe ist, bei der man so besonderen Wert auf säurefreies Papier, klassische Buchbindung und erstklassige typographische Gestaltung legt. Wenn Sie also ein schönes und gutes Buch in ihre Hausbibliothek aufnehmen wollen, das dauerhaft hält und ein Klassiker wird, dann greifen Sie zu!