Eigentlich wollte ich nur mal einen Blick in die Diana-Biographie der Journalistin Tina Brown werfen. Und dann passierte das, was eine geschätzte Mitrezensentin immer so schön mit "noch ein Kapitelchen und noch ein Kapitelchen" beschreibt: Tina Browns Buch fesselt von den ersten Seiten an und erst nach mehr als 700 Seiten Palastgeflüster mag man diesen Schinken aus der Hand legen.
Lady Diana Spencer, die adelige und - nicht ganz so - Unschuld(ige) vom Lande, die 1981 den englischen Thronfolger heiratete, war die meistfotografierte Frau der Welt. Ein Medienstar, der die Geister, die sie einst rief, nicht mehr los wurde. So starb sie vor zehn Jahren einen ebenso öffentlichen Tod, bei dem Großbritannien und wohl die halbe Welt den Atem anhielt. Die kollektive, vom Königshaus anfänglich ignorierte Trauer war ein bis dato nie erreichtes Phänomen.
Auch zehn Jahre später ist Prinzessin Diana noch allgegenwärtig. Ihre Ausstrahlung, ihr öffentliches Leiden an einer lieblosen Ehe, ihre unbekümmerte, unmittelbare Art der Anteilnahme und ihr Glamour sind unvergessen.
All das ist hinlänglich bekannt. Nun kommt Tina Brown mit ihrer Biographie und rollt noch einmal das nur dreieinhalb Jahrzehnte dauernde Leben der Prinzessin von Wales auf. Ob das denn nun wirklich Not tat?
Schon zu Lebzeiten war Diana wohl die öffentlichste Person der Welt. Unüberschaubar die Anzahl der Artikel, Bücher, Geständnisse, Spekulationen über ihr Leben und ihren Tod.
Zehn Jahre später jedoch stellt sich vieles etwas anders da. Und genau das macht vielleicht den Reiz dieses Buches aus.
Tina Brown, eine Vollblutjournalistin, hat gründlich recherchiert. So ist ihr umfangreiches Buch viel mehr als eine Aneinanderreihung von Klatsch und Tratsch bei Königs. Viel mehr gelingt ihr eine kritische Würdigung einer ungewöhnlichen Frau. Sie zeigt auf, wie kompliziert es für Diana war, innerhalb der "königlichen Firma" nur ein winziges Rädchen im Getriebe zu sein, isoliert und verspottet. Andererseits war sie in der Öffentlichkeit der gefeierte Star. Dabei schießt Tina Brown zwar manchmal ein wenig über das Ziel hinaus und lässt sich zu allzu offensichtlichen Plattitüden hinreißen. In Gänze ist hier aber ein Lebensbild entstanden, das zwar kaum Überraschungen bereithält, da Dianas Leben eben stets vor den Augen einer allgegenwärtigen Pressemeute ablief, aber einen Background liefert, der manches Detail dieses verhängnisvollen Lebens erklärt.