Endlich mal wieder ein Deftones Album! Lange musste man als Fan dieser Band warten. Das letzte (Saturday Night Wrist) kam schließlich vor 4 Jahren raus. Natürlich hatte die lange Wartezeit seine Gründe. Eigentlich stand es ziemlich schlecht um die Band.
Für 2009 war bereits ein Album geplant und sogar so gut wie fertig aufgenommen. Das Album "Eros" sollte (musikalisch gesehen) ein ganz harter Schlag werden. Doch den harten Schlag traf dann die Band und die gesamte Fangemeinde, als Ende 2008 Chi Cheng ein Autounfall passierte. Noch heute liegt der Bassist im Koma und es ist noch nicht abzusehen wann er wieder aufwachen wird.
Für die Band war es, wie gesagt, ein gewaltiger Schlag. Kurzfristig wurde das ganze Album Eros "vorübergehend" aufgegeben. Sie werden es noch irgendwann veröffentlichen, aber noch nicht jetzt und wahrscheinlich auch nicht in abzusehender Zeit. Möglicherweise warten sie bis Chi wieder aufwacht.
Eine Bandauflösung kam natürlich nie in Frage. Stattdessen startete man eine Kampagne für Chi und holte sich als Ersatz Sergio Vega an den Viersaiter. Und man begann sofort mit der Arbeit an einem neuen Album, dass anstelle von Eros veröffentlicht werden sollte.
Das Ergebnis kann man nun endlich bestaunen. Diamond Eyes heißt das gute Werk was nahtlos an alle vorherigen Alben anschließt. Das Album als "Back to Basics" zu beschreiben halte ich daher für übertrieben, da die Band eigentlich ihrem Stil immer treu blieb, aber trotzdem jedem Album einen ganz eigenen Schliff gab, so dass jedes Album für sich etwas besonderes darstellt. So auch Diamond Eyes.
Die typischen Grundzutaten sind vorhanden. Chinos verstörende Lyrics bestehend aus undurchdringlichen Metaphern, deren letztendliche Bedeutung wahrscheinlich nur er selbst weiß. Wie immer versteht er es die Texte mit beeindruckend gefühlvollem Gesang vorzutragen. Allein das erinnert schon sehr an das Highlight-Album der Band (White Pony), wo er es bis dahin am besten hinbekam. Gleichzeitig jedoch sind viele Schreiattacken zu hören, welche wiederum an die Zeit während Around the Fur und Adrenaline erinnern. Positiv zu bemerken ist, dass Chino im harten Screaming nichts verlernt hat und das nach mehr als 15 Jahren nach dem Debut. Stephen Carpenter sorgt (mithilfe von Chino zweiter Gitarre versteht sich) für die gewohnt drückende Gitarrenarbeit. Vor allem der Sound der Gitarre ist wieder abrissbirnenfett geworden. Sergio Vega hält sich mit seinem Bass eher im Hintergund, soll heißen er orientiert sich größtenteils an seinen Bandkollegen, macht aber einen guten Job.
Auffällig ist bei Diamond Eyes, dass die Songs, gerade wenn man geübter Deftoneshörer ist, sehr schnell ins Ohr gehen. Von anderen Alben der Band ist man ja eher gewohnt, das sie sehr spät (teilweise Monate nach dem erstmaligem Hören) zünden. Die Band macht schließlich das wofür man sie kennt und liebt, ohne aber mit zu sehr gewohntem zu langweilen. Was das Album zum eigenständigen Stück macht fällt leider sehr schwer zu beschreiben da der Teufel, wie man so schön sagt, im Detail liegt. Und alle Details habe ich nach gut einer Woche noch nicht entschlüsseln können.
Insgesamt vermittelt die Platte einen sehr düsteren Eindruck. Wohl auch bedingt durch den Ausfall von Chi. Trotzdem hat man das Gefühl, dass diese Platte eher mit positiver Energie aufgenommen wurde. Offensichtlich hat der große Schicksalsschlag die Band angespornt sich richtig ins Zeug zu legen. Das hört man und es weiß zu gefallen.
Einzelne Songs herauszupicken und Anspielstipps zu geben gelingt bei dieser Platte nicht und ist generell bei Deftonesplatten schwierig, weil das ganze Album als Gesamtwerk wirkt und keine Songs besonders hervorstechen, aber auch nicht abfallen. Allerdings ist das ein Indiz für die gute Arbeit, die die Band hier geleistet hat.
Sehr lange hat die Fangemeinde auf einen würdigen Nachfolger von White Pony gewartet. Ob Diamond Eyes das ist wird man, auch wenn die Songs ziemlich schnell zünden, wahrscheinlich erst nach Monaten (oder Jahren) sagen können. Bis dahin ist dieses Album ein Werk, welches sehr viel Spaß macht. Danke an die Band dafür.
Gute Besserung Chi.