Pressestimmen
"Der Dialog wird nicht als Instrument für etwas anderes, sondern als menschliches und notwendiges Geschehen mit hohem eigenen Sinn sichtbar gemacht. Damit knüpft Bohm - ohne es zu erwähnen - in modernisierter Form an die Tradition Martin Bubers und der Dialogphilosophie an, die im Dialog weniger einen Austausch von Sachpositionen, sondern eher die Begegnung mit dem anderen sahen. ... So kommt es zu einem "freien Fluß von Bedeutungen", der das individuelle Denken relativiert und dem kollektiven Denken auf die Beine hilft. ... Die Menschen werden wichtiger als die Positionen. Dazu gehört die Bereitschaft zu lernen, "Annahmen in der Schwebe zu halten", nicht jede Wahrnehmung, jeden Gedanken, jede Überzeugung ein für alle Mal dingfest zu machen. ... So kann im und durch den Dialog entdeckt werden, "daß das Feld des Denkens begrenzt ist; und daß es das Unbegrenzte gibt, welches das Begrenzte einschließt"." Norbert Copray (Publik Forum, 01.04.1998) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Publik Forum, 01.04.1998
Kurzbeschreibung
Klappentext
Besprechung, Meeting, Gesprächsrunde nennt man heute Versammlungen, in denen Standpunkte vorgestellt, Argumente ausgetauscht, Positionen verteidigt, Gedanken ausgeführt und Theorien angerissen werden. Der Zweck solcher Gespräche ist es, den Status quo der Differenzen zu klären, sich auf Ziele zu einigen und Unstimmigkeiten auszuräumen.
David Bohm hat die Erfahrung gemacht, daß all dies gut gemeint ist, aber nicht reicht, um einen wirklichen Schritt nach vorne zu kommen. Statt der Diskussion fordert er den Dialog, verstanden nicht als ein freundliches Gespräch miteinander, sondern als ein Horizonte öffnendes Aufeinanderzugehen. Ein Dialog ist ein grundsätzlich gelungenes, die Teilnehmer mit wirklich neuen Erfahrungen und Erkenntnissen belohnendes Gespräch. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Über den Autor
Lee Nichol ist freier Schriftsteller und gehört der David Bohm Dialoggruppe an. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Wir beginnen die Arbeit in einer Dialoggruppe normalerweise, indem wir über den Dialog reden - wir besprechen das Thema, erörtern, warum wir uns damit beschäftigen und was Dialog bedeutet und so weiter. Ich halte es nicht für klug, die Arbeit in der Gruppe zu beginnen, ohne daß die Teilnehmer sich mit all dem auseinandergesetzt haben, zumindest in Grundzügen. Man kann es machen, aber dann muß man darauf vertrauen, daß die Gruppe weiterbestehen wird und daß diese Fragen zu einem späteren Zeitpunkt auf den Tisch kommen. Wenn Sie also in Erwägung ziehen, sich in einer Gruppe zu treffen, würde ich vorschlagen, zunächst eine Diskussion oder ein Seminar über das Thema Dialog abzuhalten, und die Interessierten können dann weitermachen und den Dialog führen. Und machen Sie sich keine allzugroßen Sorgen darüber, ob Sie nun einen echten Dialog führen oder nicht - das ist eine der geistigen Sperren. Er kann sowohl das eine als auch das andere sein. Also wollen wir das Thema eine Zeitlang erörtern - was ist das Wesen des Dialogs?
Die Bedeutung, die ich dem Wort "Dialog" gebe, unterscheidet sich leicht von der allgemein üblichen Definition. Die etymologische Ableitung eines Wortes hilft uns oft, eine tiefere Bedeutung zu erschließen. "Dialog" kommt von dem griechischen Wort dialogos. Logos heißt "Das Wort" oder auch "Wortbedeutung, Wortsinn". Und dia heißt "durch" - nicht "zwei". Ein Dialog kann von einer beliebigen Anzahl von Leuten geführt werden, nicht nur von zweien. Sogar ein einzelner kann einen gewissen inneren Dialog mit sich selbst pflegen. Wesentlich ist, daß der Geist des Dialogs vorhanden ist. Die Vorstellung oder das Bild, das diese Ableitung nahelegt, ist das eines freien Sinnflusses, der unter uns, durch uns hindurch und zwischen uns fließt. Das macht einen Sinnstrom innerhalb der ganzen Gruppe möglich, aus dem vielleicht ein neues Verständnis entspringen kann. Diese Einsicht ist etwas Neues, das zu Beginn möglicherweise gar nicht vorhanden war. Sie ist etwas Kreatives. Und dieser untereinander geteilte Sinn ist der "Leim" oder Zement", der Menschen und Gesellschaften zusammenhält. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .