Dieses kleine Buch befasst sich mit großen Busen. Das ist ja erstmal nicht verkehrt, wirkt aber insgesamt schon nach kurzer Zeit ein wenig verklemmt und pennälerhaft. Vor allem dann, wenn in der Darstellung der entblößten Brust etwas Revolutionäres gesehen wird. In diesem Sinne wäre die Bild-Zeitung das revolutionärste Presseorgan Deutschlands. Irgendwo im Netz gibt es deutsche Nachrichten, vorgetragen von barbusigen Frauen. Ist das die Revolution? Ich glaube nicht.
Marvin Chlada, 1970 geboren, ist so etwas wie ein Vorzeigeintellektueller der Generation Golf. Er bezieht sich in seinen Büchern explizit auf Foucault, Derrida, Deleuze und andere Denker der neuesten Zeit. Deshalb sollte ihn jeder lesen, der sich für ähnliches interessiert. Aber ich denke, dieses Buch ist kein guter Einstieg. Die anderen kenne ich zwar noch nicht, aber ich bin mir sicher, sie sind besser. Denn 126 Seiten nur über Busen, sind zu viel des Guten. Man sollte sich mit einer wohlgeformten weiblichen Brust anders auseinandersetzen, als bloß intellektuell. Wenn es wenigstens ein bisschen humoristischer zugehen würde in dem Text. Aber es hängt ein schwerer, aus meiner Sicht, völlig unangebrachter Ernst über den Zeilen.
Trotz Nietzsche fehlen in Deutschland immer noch die fröhlichen Wissenschaftler". Warum müssen Deutsche immer gleich eine ernste Miene aufsetzen, wenn es ein bisschen komplizierter wird? Ist das die Angst vor dem Lehnsherren oder der Obrigkeit? Beide gibt es doch schon lange nicht mehr. Oder fehlt es hier einfach an Geist, an ésprit? Sobald ein Gedanke die Norm verlässt, werden Vortragende und Zuhörer furchtbar ernst, als würden sie nicht mehr plappern und sich unterhalten, sondern schwer arbeiten und kämpfen. Dem ganzen deutschen Sprachraum mangelt es an Leichtigkeit. Das ist schade. Denn so was kommt dabei heraus. Passen Sie mal auf:
Doch es ist nicht der Popo allein, der mit dem Busen assoziiert wird, sondern gleichsam der Penis, der bei sexuellen Aktivitäten mitunter `gemolkenŽ wird, wie das Euter der Kuh. Hatte Freud bereits in seiner Beobachtung des `kleinen HansŽ dessen Behauptung notiert, aus dem `WiwimacherŽ komme Milch, wird er später darlegen, dass über die Analerotik hinaus bei der Penisbesetzung eine `noch mächtigere orale WurzelŽ mit ins Spiel kommt, `denn nach der Einstellung des Säugens erbt der Penis auch von der Brustwarze des mütterlichen OrgansŽ. Gleichsam `erbtŽ das Mädchen von der Säuglingssituation." Et cetera. P. P.
Viel Spaß bei der Lektüre. Sie werden ihn brauchen.