Wenn man als Dj und langjähriger Hip Hop Fan von einem neuen Wu tang Album hört, kauft man dieses natürlich...zur Qualität dieses Albums gehört sich folgendes gesagt: Die Platte hat NICHT den Charakter der "Enter the Wu-Tang-36 Chambers", bei oberflächlichen durchhören sind die Tracks auch (was melodik und klang betrifft) eher langweiliger, weniger abwechslungsreich und ganz einfach farbloser als "36 Chambers", somit muss man auch diejenigen verstehen, die schlechte rezensionen über "8 Diagrams" schreiben, auch ich war beim ersten Durchhören eher entttäuscht, da man nach so langer Zeit einfach etwas sehr sehr "Großes" erwartet....
A B E R:
Jeder der gerne Rap hört (und damit ist echter Rap gemeint, damit sind WIRKLICHE VERSE UND ECHTE REIME gemeint, echter Rap hat nichts mit der pseudo-unrythmischen, oft mehr sprechend-als-rappenden Art zu tun, die wir mittlerweile jeden Tag im Radio hören..), der wird spätesten beim genaueren hinhören, beim zweiten durchhören von "8 Diagrams" begeistert sein, zumindest erging es mir so...Was sind also (vom Geschmack und subjektiven Vorlieben einmal abgesehen) die Gründe?
1. Das Album ist nicht von Pseudo-Rappern, sondern von Leuten wie Method Man, RZA, GZA und Ghostface etc., Leuten also, die nicht zuletzt wegen ihrer unverwechselbaren, charismatischen Stimmen und ihres Styles zu Legenden geworden sind, sondern auch wegen ihres Talents am Mic (man höre sich bitte die Reim-Schemata, Heben und Senken der Stimme von Method Man und RZA an!).
2. Auf diesem Album wird wirklich gerappt, was heutzutage nicht selbstverständlich ist, erst recht nicht wenn man bedenkt dass RZA und Co nicht mehr die jüngsten sind-zum Vergleich: Jemand wie Snoop Dog rappt schon lange nicht mehr wirklich, lediglich einzelne Phrasen und Ansprachen durchziehen seinen Lieder!
3. Musikalisch: Die Beats von RZA, Q-Tip etc., die auf dem Album verwendet werden, sind schlichtweg Klasse! Wer hätte sich Wu Tang denn anders vorgestellt? Klar, zum Teil sind die Tracks langsamer als früher, wirken reifer, die Beats ausgefeilter und nicht mehr so ruppig-trotzdem hört man den typischen Wu Tang Sound heraus, die Stimmung ist düsterer als je zuvor, die Bässe tief, der Mix aus Dur (wohl klingend) und Moll (schräg), der die typisch zwiespältige Genialität der alten Wu Tang Hits ausmacht ist meiner Meinung nach auch hier (vielleicht sogar noch besser) gelungen--logisch, die Jungs sind reifer geworden, sind gestandene Profis, klar dass der Sound "reiner" und "sauberer" ist als früher, troztdem klingt es nach Underground, nach hartem Rap, die Kung-Fu-Soundschnipsel sind wie immer genial und witzig eingebaut-wenn man genauer hinhört kommt man zu dem Schluss:
In Anbetracht der Proffesionlität, des Alters und der sich natürlich in verschiedene Richtungen entwickelten Charaktere des Clans muss man eigentlich davon ausgehen, dass es nicht möglich ist ein Album, das in sich stimmig ist,zu produzieren, Punkt... Sie haben es trotzdem geschafft: Ein Album das in sich stimmig ist, ein Album das Aussage macht (nicht nur, wie bei anderen Come-Backs, die ganze Zeit "wir sind zurück, wir sind wieder da"), ein Album, das trotz reiferer Produzenten nach typischen Wu-Sound klingt und sich düsterer denn je anhört, ein Album das 1.Klasse Rapper (sogar 8 Leute plus Features) mit eigenen Interessen vereint und klanglich unter einen Hut bringt und nicht zuletzt ein Album auf dem wieder richtig gerappt wird, ein Album dass sich sowohl der Pop-Fan als auch der härteste Underground Fan anhören kann und ein Album das hohes musikalisches Niveau hat und sich ANDERS anhärt als alles andere auf dem Markt! Der Clan ist sich selbst treu geblieben und hat Musik produziert, die sich nicht nach Mainstream anhört und es nicht jedem "Recht machen" will.
Fazit: Der Wu Tang Clan ist zurück, und jeder der wie ich auch zu Beginn enttäuscht war muss sich fragen: Wie sollte sich denn Wu Tang im Jahre 2007 anhören? Die Antwort ist eigentlich einfach, wenn man sich das Album zum 2. Mal durchhört: GENAU SO UND NICHT ANDERS!
Peter Dietrich