Auf dieses Buch warte ich seit 1995. Da hatte ich erstmalig mit Hufrehe zu tun. Glücklicherweise nie an eigenen Tieren. Sie auch noch nicht?
Dann sollten Sie dieses Buch - trotzdem - lesen, damit das so bleibt. Denn auf 92 von rd. 220 Seiten geht es um die Vorbeugung, die Vermeidung von Hufrehe!
Vielleicht ist Ihr Pferd schon älter, und entwickelt mit um die 20 Jahre ein Cushing-Syndrom, welches ihm eine schleichende Rehe beschert, obwohl Ihr Tier immer die tollsten Hufe hatte. Dieses Buch zeigt, worauf Sie achten müssen, damit das nicht geschieht!
Derzeit noch wissenschaftlich sehr strittige Punkte zu Ursachen der Hufrehe und zu ihrer Therapie stellt die Autorin in sachlicher Neutralität so dar, dass der Leser trotzdem konkrete Handlungsoptionen erkennt.
Das Beste erscheint mir, dass dieses Buch dem Besitzer eines von Hufrehe betroffenen Pferdes in verantwortungsvoller Weise Mut macht. Nicht durch abstruse Theorien, sondern durch 10 ganz konkrete, gut mit Fotos dokumentierte Fall-Beispiele. Und anders als in ihrem unseligen, gemeinsam mit Jochen Biernat geschriebenen Erstlingswerk zeigt die Autorin hier in zahlreichen Varianten, nicht nur wie es nicht sein soll, sondern wie genau Rehehufe in unterschiedlichen Stadien mit unterschiedlichen Problemen korrekt bearbeitet werden müssen. Oder wie ein gesunder Huf aussehen soll, um ein künftiges Rehe-Risiko zu minimieren....
Da die Autorin Huforthopädin ist, kommen Rehe-Beschläge in ihrem Buch nicht vor. Das ist zu verschmerzen, denn erstens kann man tatsächlich die große Mehrheit der Hufrehe-Fälle weitaus am besten barhufig behandeln, und zweitens gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Menschen, die sinnvolle Rehe-Beschläge ausführen können, da, wo es zur Schmerzlinderung oder als Ausweg aus einer Therapie-Sackgasse angezeigt ist.
Wer dieses Buch liest, weiß hinterher nicht nur, wie der gesunde oder der kranke Huf von außen und innen aussieht. Auch biochemische Zusammenhänge des Stoffwechsels, die zu Rehe führen können, werden anhand guter Schaubilder dargestellt. Verständliche Graphiken erklären die normale und die gestörte Pferdeverdauung. Fotos zeigen, wie eine Pferdeweide möglichst nicht aussehen sollte, um Rehe zu vermeiden. Im Anhang wird erläutert, wie man aussagefähige Fotos von Hufen macht, mit einem Fragebogen die Rehegefährdung des eigenen Pferdes überprüfen kann und was komplizierte Fachbegriffe rund um die Hufrehe bedeuten. Ein wenig Kritik verdient allerdings die Liste nützlicher Adressen. Zur Hufgesundheit findet nämlich nur die Huforthopädische Gesellschaft Erwähnung, und wer für sicheres Gras und geprüftes Heu lediglich eine Institution der Landwirtschaftskammer empfiehlt, braucht an dieser Stelle noch etwas Nachhilfe, vielleicht vom Arbeitskreis Umwelt der VFD.