Dieses Buch beschäftigt sich mit Boreout- dem Gegenteil von Burnout, also Streß und schlechte Laune aufgrund von Unterforderung und Langeweile am Arbeitsplatz.
Dieses Phänomen tritt recht häufig bei den typischen Bürojobs auf, bei welchen man Arbeit nicht sofort leisten muss (wie zum Beispiel eine Kassiererin an der Kasse) sondern längere Zeiträume hat, in welchen Aufgaben erledigt werden müssen, meistens mit unterschiedlicher Intensität. Wenn diese Aufgaben langweilig sind und einen nicht fordern werden Strategien entwickelt, mit welchen man sich Arbeit vom Halse hält (zum Beispiel wird studenlang in einer Exceldatei rumgeklickt, obwohl man eigentlich nicht arbeitet, nur um eben beschäftigt auszusehen), mit der Folge dass man noch weniger Aufgaben bekommt und irgendwie die Arbeitszeit überbrücken muss (was einige Arbeitnehmer durch privates Surfen im Internet machen). Dieses "Verstecken", dass man eigentlich nichts zu tun hat ist extrem anstrengend und unerfüllend. Boreout ist also Langeweile und Unterforderung bei der Arbeit. Die Betroffenen sind nicht faul, sondern wurden faul gemacht. Dies wird anhand von Beispielen und Erläuterungen verschiedenener Strategien dargestellt. Nach der Definition des Buches kann nur jemand an Boreout leiden, der Abwehrstrategien gegen Arbeit anwenden kann (also zum Beispiel beschäftigt tun, obwohl man gedanklich bei dem nächsten Urlaub ist). Ein Chirurg kann dies zum Beispiel nicht (wenn er operieren muss, muss er operieren), wonach er schlußfolglich nicht an Boreout leiden kann, genausowenig wie die Kassierein im Supermarkt (obwohl ich glaube, dass man sich auch hier gelangweilt und unterfordert fühlt, laut Buch ist aber eben kein Boreout vorhanden).
Nachdem man fast hundert Seiten lang mit ziemlich vielen Wiederholungen (beim Binden ist dem Verlag wohl auch ein Fehler unterlaufen, die Seiten 65-72 gab es in der Ausgabe die ich gelesen habe doppelt) gelesen hat, was Boreout ist, welche Typologien es gibt und welche Strategien genutzt werden kommt man endlich zu den Lösungsvorschlägen und diese sind ehrlich gesagt ziemlich enttäuschend.
Man kann jetzt an Boreout leiden, weil man in der falschen Firma ist. Hier ist der Ausweg in einer Kündigung zu sehen. Aber was soll man machen, wenn man von Anfang an den falschen Beruf gelernt hat und einen etwas anderes viel mehr interessiert? Oft wählt man den Beruf in einem Alter, in welchem man noch keine wirkliche Ahnung vom Leben hat, denkt dass man später wenn eh noch alles ändern kann, hauptsache man hat erstmal was gelernt oder studiert, bzw. ist froh überhaupt einen Ausbildungsplatz bekommen zu haben und stellt später fest, dass es so einfach gar nicht mehr geht. Firmen wünschen sich oft Spezialisten, d.h. nach Ausbildung/Studium am besten ein paar Jahre Berufserfahrung bei ihren Angestellten. Wenn man in einen ganz anderen Berufszweig möchte ist man für eine neue Ausbildung oft zu alt und ein Studium ist später nicht wirklich finanzierbar bzw. neben der Arbeit zeitlich kaum machbar, wenn man ab einem gewissen Alter mit nebenbei arbeiten nicht jahrelang arm wie eine Kirchenmaus leben möchte bzw. sogar eine Familie zu ernähren hat. In dem Buch heißt es nur, dass dies tatsächlich manchmal schwierig ist, mehr wird allerdings nicht geschrieben.
Hauptargument ist die Eigenverantwortung als Mittel gegen Boreout. Begrenzt stimmt dies ja auch, aber auch diese Eigenverantwortung hat ihre Grenzen. Es ist ein Mythos, dass man nur in die Hände spucken muss und kann in seinem Leben alles erreichen, was man möchte. Es gibt teils mehr teis weniger starke Grenzen, die einen vor allem mit fortschreitenden Alter immer stärker eingrenzen. Sonst wären wir schließlich alle glückliche Millionäre, ansonsten haben wir wohl unsere Eigenverantwortung nicht gut genug genutzt. Den Vorschlag mit dem Chef darüber zu sprechen, finde ich recht gewagt. In einigen Unternehmen mag dies vielleicht gehen, aber wo doch meistens eh Kosten eingespart werden, kann man nicht einfach sagen "Chef, eigentlich habe ich überhaupt nichts wichtiges zu tun. Ich surfe den halben Tag im Internet und langweile mich zu Tode. Könnten Sie mir vielleicht interessantere Aufgaben geben" und dann auch noch daran glauben, bei der nächsten Rationalisierungsmaßnahme den Job zu behalten.
Hauptvorschlag ist es, bei der Berufswahl auf den qualitativen Lohn zu achten, welcher sich aus Sinn (Sinn in der Arbeit finden), Zeit (Freizeit zum Ausgleich haben) und Geld zusammensetzt.
Insgesamt ist das Buch nett zu lesen, allerdings bringt es einen nicht sonderlich weiter. Die Menschen, die sich in ihrem Job unterfordert und gelangweilt fühlen wissen dies wahrscheinlich eh schon, jetzt kennen sie dann noch den Namen "Boreout" und werden beim Lesen des Buches wohl häufig denken "Ja, genau das kenne ich auch". Allerdings sind sie am Ende bzgl. dem, was sie dagegen tun können genauso schlau wie vorher.