Aus der beeindruckenden Diskografie der vier Thrashlegenden sticht Diabolous in Musica sicher nicht heraus. Es ist nicht so schnell wie Reign In Blood, kaum so kompromisslos wie God Hates Us All und nicht so vielfältig wie Seasons In The Abyss.
Trotzdem, oder gerade deswegen mausert sich DIM zu meinem Lieblingsalbum der vier (Wahl)Kalifornier. Einen wirklich schwachen Song sucht der Hörer hier vergebens. Mit dem schleppend beginnenden Intro von Bitter Peace werden die Nackenmuskeln langsam aufgewärmt, bevor nach einem kurzen Bassintermezzo ein Riffgewitter erster Güte auf die Hörmuscheln niederprasselt. Die Drums bedient Paul Bostaph, meiner Meinung nach mit seiner besten Leistung, die er bei Slayer ablieferte. Auch wenn es nichts an meiner Verehrung von Dave Lombardo ändert, passt hier Bostaphs nicht ganz so intuitives Spiel mehr zur kalten Atmosphäre der Platte. Death's Head ist ein Song, der etwas punkig inszeniert scheint, aber mit vielen interessanten Breaks zu überzeugen weiß. Was folgt, ist einer meiner definitiven Slayerfaves. Stain Of Mind ist einer jener Kompositionen, die einem wie eine Faust ins Gesicht schlägt. Schon das Mainriff, das etwas an die guten Sepultura Zeiten erinnert und trotzdem absolut Slayer bleibt, treibt unglaublich nach vorne. Toms Gesangsleistung harmoniert wunderbar mit den pulsierenden Riffs und erreicht hier seinen Höhepunkt innerhalb des Albums. Was nicht heißen soll, dass der Rest der elf Songs merklich abfällt. Im Gegenteil. Overt Enemy und Perversions Of Pain sind zwei faszinierende Stücke, die ansonsten auf kein Slayeralbum passen würden. Dies macht für mich den Reiz und die Einzigartigkeit von DIM aus. Stilistisch ist es vielleicht die eigenständigste und modernste Scheibe Slayers, wobei trotzdem unverkennbar hier DIE Thrashmetalband überhaupt am Werke ist. Auch die folgenden Songs sind interessant, knüppelhart, abwechslungsreich und 100% Slayer. Besonders gefällt mir noch das unbequeme Desire, das auf einer chromatischen Harmonie aufgebaut ist und selbst vor cleanen Sounds nicht zurückschreckt. In dem kurzen Scrum scheinen so viele Songideen eingebaut zu sein, die sonst für eine komplette Thrashdiskografie reichen sollten. Das schnelle Point schließt das Album ab und reißt den Hörer aus dem elf-Songs-langen Albtraum.
Mein Fazit fällt daher klar aus. Für mich ist diese Platte die eigenständigste und interessanteste von Slayer, wenn sie auch nicht revolutionär oder genrebegründend, wie die einstigen legendären Veröffentlichungen zu sein scheint.