Nach der mauen 3. Staffel, die an einem schwachen Plot und einem enervierenden Antagonisten (Jimmy Smits) krankte, ging ich an Season 4 doch mit einiger Skepsis heran. Vollkommen unbegründet! "Dexter" ist wieder in Topform und haut 12 Folgen lang mit bösem Witz und verteufelt spannenden Szenen auf den Putz, so dass man fast nicht umhin kommt, sich die Staffel in einem Rutsch anzuschauen.
John Lithgows Gastspiel als fieser Serienmörder tut der Serie sichtlich gut - auch wenn sich sein Trinitykiller im Verlauf der Staffel mehr und mehr zum 08/15-Klischee-Soziophaten wandelt: Je mehr der Zuschauer über die Figur erfährt, desto weniger bedrohlich wirkt sie. Schade, dass die Autoren so viel Mühe in die Beleuchtung und Aufdröselung seines Motives investiert haben. Weniger wäre hier tatsächlich mehr gewesen. Auch im restlichen Personal tummeln sich ein paar Spaßbremsen: Vielen Nebencharakteren fehlt es nach wie vor an Substanz (der Angel/Maria-Plot dümpelt etwa nur gemütlich vor sich hin, ohne einen echten Beitrag zu dieser Staffel und ihrer Hauptgeschichte zu leisten). Und auch die Harry-Visionen, die seit Staffel 3 die Rückblenden ersetzen, empfinde ich als störend - insbesondere auch, weil sie den cleveren Hauptplot immer wieder unterbrechen und ausbremsen. Harry mutiert in Gestalt von Dexters Gewissen zum müden Stichwortgeber. Schade, denn die Figur hatte in den ersten 2 Staffeln durchaus Tiefe, zweifelte sie die eigenen Entscheidungen mitunter auch an. Naja, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Der Fokus liegt zum Glück auf Dexter. Und Michael C. Hall stattet den zwiespältigen Titelhelden einmal mehr mit verwirrender Anziehungskraft und Sympathie aus, die einen fast vergessen macht, dass man sich als Zuschauer auf die Seite eines Monsters schlägt. Großartig!
Die 4. Season ist - trotz einiger Abstriche - schlicht und ergreifend ein Knaller und wartet zudem mit einer bösen Überraschung auf, die den Ton der Serie sicher nachhaltig verändern wird. Man darf (wieder) gespannt sein.