Vorweg: Wer Dexter noch nicht kennt, sollte unbedingt mit Staffel 1 anfangen, daher zielt der folgende Text auf Kenner der Materie.
Das grundlegende Konzept hat sich kaum geändert und wird auch in der fünften Staffel erfolgreich fortgeführt; im Laufe der Episoden ziehen sich immer engere Schlingen um den Hals des furchterregend sympatischen Serienmörders, an denen fleißig seine eigenen Kollegen häkeln und die zu haarsträubend spannenden Situationen führen. Und nicht zuletzt gibt auch die veränderte private Lage Einiges an Verwicklungen her.
Gegenüber den vorangeganenen Staffeln hat sich jedoch der Tenor etwas geändert. Es wird mehr Gefühl gezeigt, was bei Dexter nicht selten unglaubwürdig wirkt und zu Szenen führt, bei denen die Grenze zu Kitsch und schwerfälliger schauspielerischer Aufdringlichkeit längst überschritten ist. Insgesamt geschieht sehr viel, dadurch hebt sich die fünfte Staffel deutlich gegenüber der etwas langatmigen dritten ab. Auch der Humor hat zugenommen, ist jedoch weniger abgründig und bewegt sich in Richtung Sitcom.
Insgesamt ist die Serie im Mainstream angekommen, es treten immer wieder Klischees auf (das unreflektierte Böse, das Missbrauchsopfer, der Helfer, der schmierige korrupte Cop), die Dialoge sind teils sehr banal, und ein übergreifendes Thema fehlt - gerade die Idee der Maske, das Ringen um Identität in einem fremden gesellschaftlichen Kontext, die in den anderen Staffeln so wichtig war, wird weitgehend dem kurzfristigen Unterhaltunsgwert geopfert. Es fehlt die Botschaft zwischen den Zeilen, alles wird gesagt bis hin zur Redundanz, die keine wesentlichen Überraschungen zulässt, das ganze wird zu einem berechenbaren Spiel, nicht selten konnte ich die nächste Szene exakt voraussagen.
Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: 99 Prozent von Ihnen werden die fünfte Staffel besser finden als die dritte - sie ist handlungsreicher, hat tragendere Handlungsbögen, ist witziger und spannender. Wer wie ich hier das Grüblerisch-Abseitige sucht und eine ausgesprochene Klischee-Allergie hat, wird jedoch ebenfalls enttäuscht sein - natürlich auf einem hohen Niveau, den besser als der übrige Medienmüll ist sie allemal.