Dexter - und dem geneigten Dexter-Zuschauer - wird von den Autoren Ende der 3. Staffel ja noch schnell ein Baby untergeschoben. Und da selbiges bereits die Hülle von Staffel 4 ziert, ist klar: Das war kein böser Traum. Der übernächtigte, gestresste Daddy Dexter hat seine liebe Not, Beruf (Polizeiforensiker), Berufung (politisch korrekte Ritualmorde) und jüngst erweiterte Familie unter einen Hut zu bringen. Staffel 4 zieht in den ersten Folgen dementsprechend neugewonnenen Witz aus dieser Problematik und der Konfrontation unseres Lieblings-Psychopathen mit dem durch und durch bürgerlichen Familienleben. Da stören die Bewegungsmelder der paranoiden amerikanischen Vorortgesellschaft schon mal empfindlich bei den nächtlichen Abstechern (pardon the pun). Fünf Sterne für die ersten Folgen dieser Staffel! Leider baut die Staffel danach ab. Dieser wunderbare Konflikt rückt in den Hintergrund gegenüber der üblichen Serienmörder-Story. Natürlich NOCH durchgeknallter. John Lithgow als wirklich, wirklich gestörter "Trinity Killer" spielt zwar hervorragend, aber die Story ist doch schon ziemlich an den Haaren herbeigezogen und bar jeder echten Überrschaschung. Leider entwickeln sich auch die restlichen Figuren gar nicht (abgesehen von der schlimm pubertierenden Stieftochter): Vince Masuka reißt die üblichen Sprüche, Debra pöbelt sich durchs Revier, Rita sorgt sich um ihre Beziehung mit Dexter - aber die Luft ist ein bisschen raus.
Natürlich ist Dexter immer noch herrlich schwarzhumorig, Michael C. Hall immer noch ein klasse Schauspieler, die Optik der Serie ist 1a, und die Handlung durchaus spannend. Aber die Originalität der ersten beiden Staffeln ist futsch. Dexter auf dem Weg gnadenloser Normalität. Der immer wieder erscheinende Geister-Harry (kennen wir schon aus Staffel 3 - war da schon arg Obi-Wan-Kenobi-mäßig) versucht immer wieder, Dexter daran zu erinnern, dass er verdammt zum einzelgängerischen Psychopathen sei, aber Dexter und die Serienautoren glauben das nicht: Dexter winkt als Therapie für seine dunkle Seite die Erlösung durch das "normale" Familienleben. Und nebenher noch auf Verbrecherjagd gehen, oder was? Schade, aber die schräge, abgründige, tiefschwarze Originalität der Serie verblasst. Deshalb leider ein Stern weniger.