*** Spoiler-Warnung: Meine Rezension enthält das eine oder andere Element aus dem Buch, das sich ein zukünftiger Leser eventuell nicht vorwegnehmen lassen möchte ***
Recht fassungslos habe ich nun den vierten Dexter-Band zu Ende gelesen.
Ich möchte behaupten, dass diese Buch-Serie von Band zu Band kontinuierlich weiter abgebaut hat. So halte ich auch den bereits recht schwachen 3.Band für "besser" ( das Wort passt hier sowas von gar nicht ) als Dexter By Design.
Der Autor bringt es dabei selbst auf den Punkt, wenn er am Ende des Buches seinen Hauptprotagonisten Dexter mehrmals erwähnen lässt: "Its just nice, when things work out, isnt it ?"
Und genau so ist es auch: Das Buch besteht aus der Aneinanderreihung einer Dummheit bzw. Fehlentscheidung nach der anderen. Trotzdem führt alles dann doch irgendwie, irgendwo, irgendwann zum "Happy End". Bestimmte angedeutete Entwicklungen werden entweder am Ende ignoriert ( z.B. Deborahs Einstellung zu ihrem Beruf und ihrem Bruder ) oder durch spontanes Ableben einzelner Personen, die Dexter durch ihr Wissen womöglich belasten könnten, vom Tisch gefegt.
Habe ich das Buch schon von Anfang an mit durchgehender und stetig wachsender Skepsis gelesen, so ahnt man nach all den geöffneten Handlungssträngen ( Doakes Krieg gegen Dexter, Deborahs Schicksal, die internen Ermittlungen, Coulters Wissen über Dexter, die Veröffentlichungen über Dexter im Internet, Codys und Astors Entwicklung, etc. ) spätestens dann den Supergau, wenn 10 Seiten vor Schluss keiner davon auch nur ansatzweise zu Ende geführt wurde. Dementsprechend spontan wird das Buch dann mit der Dampfhammermethode abgeschlossen: "Aha - alles klar."
Der letzte Absatz, der eine "freudige Überraschung" im nächsten Band erwarten lässt, hält dann auch noch mit Serien-Genre-Größen ala "Gute Zeiten - schlechte Zeiten" mit.
Als nicht überdurchschittlich intelligenter Leser ist man Dexter mindestens immer einen Schritt voraus und ahnt bereits, zu was für einem Disaster seine "brillianten" Entscheidungen wieder einmal führen werden. Und schlauer als der Hauptprotagonist dazustehen ist zum einem in diesem Fall zwar wirklich nicht überheblich, nervt aber ganz gewaltig.
Dexter kommt mir da ein wenig wie Inspector Gadget vor, der in ein Fettnäpfchen nach dem anderen Tritt. Anders als dieser hat er aber keine Nicht wie Sophie, die im Hintergrund mit ihrem Hund Fino wieder alles gerade biegt. Obwohl man fast sagen könnte, dass in diesem Buch diese Rolle am Ende fast schon Rita, Astor und Cody übernehmen.
Gerät Dexter durch seine eigenen Dummheiten mehr als einmal in die Verlegenheit sich rechtfertigen zu müssen, so beginnen diese Rechtfertigungen generell mit einem "Um ..." oder einem "Ahm ...". Und zwar ständig und über das komplette Buch verteilt. Das macht ihn auch nicht gerade sympathischer. Am Ende weiß die halbe Welt, dass mit diesem Typen irgendwas nicht stimmt ...
Und um das alles zu toppen: Bekommt er im Buch einmal Hilfe von einer anderen Person ( Chutsky ), so handelt diese noch bescheuerter als Dexter selbst ( Stichwort: Geburtstag ).
Sind die Motive des Erzrivalen ( in diesem Buch ) schon mehr als dürftig und an den Haaren herbeigezogen, so endet das Buch in einem Show-Down, der so manch einen B-Movie-Shocker an Plumpheit in den Schatten stellt. Wenn dann in aller Öffentlichkeit gewürgt, gesägt und gestochen wird ( inkl. beteiligter Kinder ) und keiner irgendwas tut, weil jeder denkt, es wäre eine Kunstperformance, dann weiß ich nicht, ob das witzig oder einfach nur noch blöde sein soll.
Man könnte das Buch Seite für Seite zerlegen und mehr und mehr "Unglaublichkeiten" offenlegen. Aber was bringts ? Ich habe ansatzweise hiermit den Versuch gestartet, zu erklären, wieso ich dieses Buch abartig schlecht finde. Wer sich für Dexter interessiert und bereits Band 1-3 gelesen hat, der wird sich unabhängig davon sowieso auch diesen Band zulegen. So hab ich mir bereits vor dem Lesen des 4. Bandes auch schon den 5. Band ( Dexter is delicious ) bestellt. Aber unabhängig davon, wie dieser fünfte Band sein wird ( den ich nach Band 4 wohl eher widerwärtig in die Hand nehmen werde ), ist für mich danach endgültig Schluss.
Klar: Einige von Dexters Sprüchen sind witzig und irgendwo zwischen den ganzen Buchstaben meint man immer wieder mal Dexters alte Stärken wieder zu erkennen. Dann gibt es sogar Passagen, die man mit Freude lesen kann. Am Ende reicht das aber hinten und vorne nicht mehr aus, um dieses Buch wirklich auch nur ansatzweise zu mögen.